Keine Diskussion: „Interceptor“ ist der coolste Name, den je ein britisches Auto getragen hat. Jensen baute das Original von 1966 bis 1976 – ehe die Marke das Schicksal der meisten britischen Autohersteller teilte. Pleite.
Seit 2007 restauriert ein Unternehmen in Oxfordshire mit grosser Sorgfalt alte Interceptor-Modelle; eines seiner gelungenen £300,000-Umbauprojekte haben wir hier getestet. Jetzt ist Jensen International Automotive jedoch überzeugt, dass die Zeit für einen völlig neuen Interceptor gekommen ist. Der gewählte Weg ist allerdings ausgesprochen ungewöhnlich.
Jensen Interceptor GTX: Das Konzept wird umgedreht
Üblicherweise präsentiert ein Hersteller zunächst ein glänzendes Konzeptfahrzeug, daraus wird später ein entschärftes Serienmodell für die Strasse. Falls dieses überzeugt, wird es schliesslich abgespeckt und auf die Rennstrecke geschickt. Jensen International dreht dieses Vorgehen um und vermischt die einzelnen Schritte. Hier ist der Jensen Interceptor GTX: ein reines Strecken-Konzeptauto, mit dem man nicht Rennen fahren darf. Bitte was?
Dieses extrem kompromisslose Versuchsfahrzeug soll Konstruktion und Komponenten bis zur Zerstörung erproben. Halten sie die Belastungen eines Rennstreckenautos aus, weiss Jensen, dass die spätere Strassenversion nicht das typische Kunststück britischer Sportwagen vollführen wird: sich in einer dampfenden Wolke der Peinlichkeit zu verabschieden.
Aluminium-Karosserie und 350kg Abtrieb
Die vollständig neue Karosserie des GTX, die unserer Meinung nach auffallend stark an den Ford Mustang GTD erinnert, wurde in Grossbritannien entworfen und aus Aluminium geformt. Sämtliche Aerodynamik-Anbauteile bestehen hingegen aus Kohlefaser und erzeugen 350kg Abtrieb. Der riesige Heckflügel verdeckt zwar ziemlich die charakteristische Fließheck-Heckscheibe des Interceptor, doch die Vierfach-Elemente in den Frontleuchten, der nach vorne verlaufende seitliche Lufteinlass und das Emblem an der hinteren Säule zitieren das Original.
Unter der gewaltigen Motorhaube setzt der Interceptor GTX die Familientradition absurd starker amerikanischer V8-Motoren fort. Beim ursprünglichen Modell wuchs der Hubraum im Lauf seiner Bauzeit von 6.3 auf 7.2-Litre V8. Der Neue erhält einen komplett neu aufgebauten 6.8-Litre V8, der ursprünglich von General Motors stammt, jedoch von Late Model Engines in Houston, Texas, gründlich überarbeitet wurde.
Dort ergänzte man einen 2.65-Litre-Kompressor, zahlreiche geschmiedete Bauteile und verkleidete sogar den vorderen, mittig platzierten Motorraum mit Goldfolie. Für die Erprobung muss sich der GTX mit 960bhp begnügen, doch das Triebwerk soll für gewaltige 1,200bhp und 1,100lb ft ausgelegt sein.
Sechsgang-Getriebe und mögliche Handschaltung
Die gesamte Kraft gelangt über eine Kohlefaser-Kardanwelle an die Hinterräder und passiert dabei ein sequentielles Sechsgang-Transaxle-Getriebe. Bei diesem Prototyp kann entweder mit den Schaltwippen oder dem kernigen sequentiellen Schalthebel geschaltet werden. Für das Strassenauto könnte Jensen jedoch eine klassische Handschaltung anbieten – sofern genügend Käufer danach verlangen.
Genau darum geht es bei diesem Projekt letztlich: „Bau es, und sieh, ob sie kommen.“
Jensen ist der Ansicht, es sei klüger, nicht grosse Versprechen für ein Strassenauto-Programm abzugeben und anschliessend Anzahlungen schneller zu verbrennen als Superbenzin. Stattdessen soll zuerst ein unverwüstlicher Prototyp entstehen, damit Sammler ihre Kreditkarten per Erste-Klasse-Post ins Werk schicken; erst danach will man klären, wie sich eine strassenzugelassene Version bauen lässt, die Aston Martin Vanquish und Ferrari 12Cilindri zahm aussehen lässt ...






Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen