BMW bezeichnet den 1er (2025) als neue Generation. Auf den ersten Blick könnte man ihn allerdings auch für eine Überarbeitung halten.
Das Premium-Kompaktsegment ist im Wesentlichen eine europäische Domäne. Ein Beleg dafür: Vier von fünf BMW 1ern werden auf unserem Kontinent verkauft.
Es gehört weltweit zu den wenigen Premium-Segmenten, in denen weder Mercedes-Benz noch BMW die Führung innehaben. Stattdessen liegt Audi vorne: Die Marke war mit dem ersten A3 in den 1990er-Jahren Vorreiter und steht weiterhin an der Spitze der Verkaufsstatistik.
Der BMW 1er folgt jedoch mit geringem Abstand auf Platz zwei, bezogen auf Europa im ersten Halbjahr 2024. Auch langfristig war er kommerziell erfolgreich: Seit dem Start der ersten Generation im Jahr 2004 wurden mehr als drei Millionen Fahrzeuge zugelassen. Das aktuelle Modell ist die vierte Generation.
BMW 1er: außen größer, innen nicht
Nach Angaben von BMW ist der neue 1er deutlich mehr als eine Überarbeitung seines Vorgängers. Dafür spricht auch der neue interne Code F70, während das bisherige Modell F40 hieß. Die Plattform bleibt erhalten, die Karosserie wächst jedoch leicht: um 42 mm auf 4361 mm in der Länge und um 25 mm auf 1459 mm in der Höhe. Breite und Radstand bleiben mit 1800 mm beziehungsweise 2670 mm unverändert.
An der Front fällt der maßvoll dimensionierte Kühlergrill auf, der nun tiefer sitzt. Die Doppelniere kann statt der früheren Chromumrandung einen beleuchteten Rahmen erhalten. LED-Scheinwerfer sind immer an Bord.
Gegen Aufpreis gibt es Matrix-LED-Scheinwerfer. Ihre Diodenmatrix erlaubt die individuelle Steuerung der Lichtstrahlen, um die Ausleuchtung zu verbessern und andere Verkehrsteilnehmer nicht zu blenden.
Am Heck sind die Auspuffendrohre nicht sichtbar – eine Brücke in eine Zukunft, die ausschließlich aus Elektroautos besteht. Eine Ausnahme bildet der sportlichste M135: Er zeigt vier Endrohre, zwei auf jeder Seite, und unterstreicht damit seinen Charakter.
Im Innenraum hat sich das Platzangebot nicht verändert. Vier Personen reisen recht bequem, während es für den fünften Passagier in der Mitte der Rückbank enger wird. Sein Sitzplatz ist schmaler, außerdem muss er mit einem wuchtigen Mitteltunnel im Fahrzeugboden „leben“.
Bei einem 1,80 m großen Passagier im Fond bleiben zwei Fingerbreit zwischen Kopf und Dach sowie sieben Fingerbreit zwischen den Knien und den Rückenlehnen der Vordersitze. Taschen zum Verstauen von Gegenständen gibt es dort nicht.
Die Türablagen vorne und hinten sind groß und unterteilt, besitzen aber keinerlei weiche Auskleidung. Legt man harte Gegenstände wie Schlüssel oder ein Handy hinein, hört man sie beim Verrutschen.
Dasselbe gilt für das Handschuhfach, das ebenfalls mit unbehandeltem Kunststoff ausgeführt ist. Bei einem Premium-Modell erscheint auch das wenig sinnvoll. Solche Verarbeitungsdetails finden sich in ähnlicher Form bei stärker preisorientierten Angeboten.
Kein Tier wurde für dieses Auto verletzt
Die Sitze bieten sowohl auf der Sitzfläche als auch an der Lehne genügend Seitenhalt. Serienmäßig sind sie mit dem Recyclingtextil Econeer bezogen, das aus Wasserflaschen hergestellt wird. Wahlweise gibt es Kunstleder namens Venganza und Alcantara für die mittleren Bereiche. Echtes Leder findet sich im Innenraum nicht.
Im Cockpit bilden zwei digital angeordnete Displays mit gebogener Optik die Instrumentenanzeige mit 10,25 Zoll und das Infotainmentsystem mit 10,7 Zoll. Letzteres nutzt die jüngste Generation des Betriebssystems OS9. Gemeinsam mit dem neuen X3 wird es erstmals über die neueste Generation des iDrive-Controllers bedient.
Apple CarPlay und Android Auto lassen sich kabellos verbinden. Über eine SIM-Karte mit 5G-Geschwindigkeit kann der 1er außerdem dauerhaft mit dem Internet verbunden sein.
Wer viele Informationen schätzt und die wichtigsten direkt vor Augen haben möchte, kann ein Head-up-Display mit Augmented-Reality-Funktionen wählen. Mit dem Abonnement BMW Digital Premium lassen sich Apps von Drittanbietern herunterladen und verwenden.
Benzin und Diesel
Das Angebot des neuen BMW 1ers umfasst sechs Benzin- und Dieselantriebe, mit und ohne Mildhybrid-Technik. Alle Varianten sind mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt; ein Schaltgetriebe gibt es nicht.
- 116 – Benzin, 1,5 l, 3 Zylinder, 122 PS; Frontantrieb.
- 120 – Benzin, 1,5 l, 3 Zylinder, 170 PS Systemleistung; 48-V-Mildhybrid mit 20 PS und 55 Nm starkem Elektromotor sowie 0,96-kWh-Batterie; Frontantrieb.
- 123 xDrive – Benzin, 2,0 l, 4 Zylinder, 218 PS Systemleistung; 48-V-Mildhybrid; Allradantrieb.
- 118d – Diesel, 2,0 l, 4 Zylinder, 150 PS; Frontantrieb.
- 120d – Diesel, 2,0 l, 4 Zylinder, 163 PS Systemleistung; 48-V-Mildhybrid; Frontantrieb.
- M135 xDrive – Benzin, 2,0 l, 4 Zylinder, 300 PS; Allradantrieb.
Auch das Fahrwerk wurde überarbeitet und ergänzt. Besonders wichtig sind frequenzvariable Stoßdämpfer als Bestandteil des M-Sportpakets. Dieses umfasst außerdem eine um 8 mm tiefergelegte Aufhängung und eine sportlichere Lenkung. In den Dämpfern öffnet bei stärkeren Stößen ein Ventil, durch das mehr Öl fließen kann. Das sorgt für eine weichere, stärker gedämpfte Reaktion und erhöht den Komfort der Insassen des 1ers.
Auf gleichmäßigerem Asphalt fällt die Abstimmung fester aus, was bei sportlicher Fahrweise der Stabilität zugutekommt. Nur beim M135 gehört diese Ausstattung zur Serie. Er besitzt darüber hinaus ein mechanisches Sperrdifferenzial, das die Traktion der Vorderräder insbesondere in Kurven optimiert.
Für besonders anspruchsvolle Fahrer ist auch das M-Technic-Paket erhältlich. Es enthält Stabilisatoren mit größerem Durchmesser, Strukturverstärkungen, spezielle Stoßdämpfer, geschmiedete 19-Zoll-Felgen und leistungsfähigere M-Compound-Bremsen.
Unterwegs auf der Straße
Die Fahrt rund um München fand im 120 mit M-Sportpaket statt. Die Strecke führte sowohl über Autobahnen als auch über Landstraßen.
Mein erster Eindruck: Das Fahrwerk ist in dieser Konfiguration sehr gut ausbalanciert. Bei höherem Tempo fährt der Wagen wirkungsvoll durch Kurven, ohne deshalb auf unebenem Asphalt unkomfortabel zu werden.
Stephan Keller, verantwortlich für die Fahrdynamik, räumt ein: „Am vorherigen 1er wurde die Neigung zum Untersteuern zum Teil kritisiert. Deshalb wurde an der Vorderachse der Nachlaufwinkel vergrößert und an der Hinterachse ein dickerer Stabilisator eingesetzt.“
Die Lenkung arbeitet sehr direkt – mit 2,4 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag – und präzise. Angesichts der Abmessungen des 1ers und seiner in dieser Version gemäßigt sportlichen Ausrichtung wäre allerdings ein etwas kleinerer Lenkraddurchmesser als die vorhandenen 36 cm wünschenswert.
Für Situationen, in denen kurzfristig mehr Leistung gefragt ist, steht links eine Boost-Schaltwippe zur Verfügung. Bernd Ofner, Projektleiter des neuen 1ers, erklärt mir: „Für 10 Sekunden versetzt ein einziger Druck auf ein Bedienelement den Antrieb in seine sportlichste Einstellung und das Getriebe in das sportlichste Programm S.“
Langsam ist der 120 keineswegs. Das zeigt der Sprint von 0 auf 100 km/h in nur 7,8 Sekunden ebenso wie die Höchstgeschwindigkeit von 226 km/h.
Schon bei niedrigen Drehzahlen reicht das Ansprechverhalten für die meisten Nutzer aus. Dazu tragen das Doppelkupplungsgetriebe und der kleine Elektromotor bei: Letzterer liefert bei niedrigen Drehzahlen zusätzlichen Schub, wenn das Drehmoment des Verbrenners auf den Gasbefehl noch nicht zur Verfügung steht.
Deutlicher als Dreizylinder zu erkennen ist der Motor erst bei hoher Gaspedalstellung und über 4000 U/min. Als störendes Geräusch fiel jedoch eher das Windgeräusch am rechten Außenspiegel auf.
Die Bremsen mit innenbelüfteten Scheiben vorne und hinten sprachen stets prompt an und zeigten nur wenig Neigung zum Nachlassen.
Nach der 160 km langen Testrunde stand ein Durchschnitt von 7,4 l/100 km auf der Anzeige. Das liegt klar über den angegebenen 6 l/100 km im kombinierten WLTP-Zyklus. Der Mehrverbrauch ist nachvollziehbar: Die Route umfasste Autobahnabschnitte ohne Tempolimit und kurvenreichere Straßen, die zu höheren Geschwindigkeiten als bei den Zulassungstests einluden.
Was kostet der BMW 1er?
Der BMW 120 startet bei 39 200 Euro. Günstigster BMW 1er ist jedoch der bereits bestellbare 116, dessen Preise bei 33 500 Euro beginnen.






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