An jenem Tag, an dem der Bugatti Mistral mit 453 km/h zum schnellsten Roadster der Welt wurde, sprach TopGear.com mit Bugatti-Chef Mate Rimac über seinen jüngsten Weltrekord – und über seine nächsten Ziele.
TopGear.com: Gratulation, Mate! Für dich ein weiterer Arbeitstag und schon wieder ein gebrochener Rekord: 453 km/h. Wie ist das Projekt mit dem Bugatti Mistral entstanden? Wir hatten nicht erwartet, dass er einen Rekord aufstellen würde.
Mate Rimac: Die Idee kam eigentlich vom Kunden – genauer gesagt von seinem Sohn – beim Goodwood Festival of Speed. Wo sonst? Er erzählte, dass sie bereits die Weltrekordausgaben des Veyron und des Chiron besäßen. Wäre es da nicht großartig, auch eine Weltrekordausgabe des Mistral zu haben?
Wir haben darüber nachgedacht und gesagt: „Ja, warum eigentlich nicht?“ Wir haben unseren Kunden also wirklich zugehört und uns gefragt: „Warum bauen wir nicht eigens für euch ein besonderes Exemplar, wenn es euch so wichtig ist?“ Genau das haben wir dann gemacht.
TG: Wie gehst du mit den anderen Kunden um, wenn sie erfahren, dass es nur ein einziges Exemplar gibt? Sie werden doch sicher alle zu dir kommen und sagen: „Ich möchte auch eines.“ Wie regelst du das?
MR: Wir haben spezielle Programme für unsere Kunden, durch die die Autos immer stärker individualisiert werden. Eigentlich ist jedes Fahrzeug etwas ganz Besonderes. Derzeit liegen wir bei einer halben Million Euro für die Individualisierung pro Auto. Damit ist bereits jeder Mistral sehr stark auf seinen Besitzer zugeschnitten.
Bei manchen Kunden gehen wir aber noch einen Schritt weiter und schaffen etwas wirklich Einzigartiges – wie in diesem Fall ein Einzelstück.
TG: Das ist ein großartiger Abschied vom W16-Motor. Es fühlt sich zwar an, als würden wir uns schon seit einiger Zeit von ihm verabschieden, aber das ist ein würdiger Schwanengesang. Du möchtest aber bestimmt noch weitere Rekorde aufstellen. Was kommt als Nächstes?
MR: Das ist der 33. Rekord in meinem Leben, an dem ich beteiligt war. Vor 15–16 Jahren habe ich mit dem BMW E30 fünf Weltrekorde aufgestellt. Im vergangenen Jahr kamen dann 27 Weltrekorde mit dem [Rimac] Nevera dazu, und jetzt ist das der erste mit Bugatti. Ich glaube aber, dass es vor allem darum geht, Grenzen zu verschieben und die Messlatte höher zu legen.
Solche Autos sind natürlich für Menschen gedacht, die sie sich leisten können – für unsere großartigen Kunden. Ich finde aber, dass sie auch dazu dienen, das Machbare auszuloten. Die Leute von Michelin sind hier bei uns. Wir treiben die Reifentechnologie voran und verschieben die Grenzen dessen, was Reifen leisten können. Gegenüber Reifen von vor 30 Jahren sind heutige Reifen auf einem völlig anderen Niveau.
TG: Ich habe gesehen, wie du dich in Ruhe mit den Herren von Michelin unterhalten hast. Da dachte ich mir: Fragst du gerade nach einem Reifen, der 500 km/h schafft?
MR: Genau darum ging es bei unserem Gespräch. Ich habe herausgefunden, dass die Leute hier tatsächlich für solche Hochleistungs- und Rennreifen zuständig sind. Also fragte ich: „Könnt ihr das machen? Könnt ihr jenes machen? Wo liegt die Grenze?“
Eine der Fragen lautete: „Wie hoch ist die maximale statische Last an Vorder- und Hinterachse beim Turian-Reifen bei null km/h?“ Ihre Reaktion war: „Was? Warum fragst du das?“ Einige der technisch sehr versierten Kunden wissen vielleicht, weshalb ich danach frage.
Um solche Dinge geht es. Und die nächste Frage lautete: „Können wir beim Geschwindigkeitsrekord eine Fünf an den Anfang stellen?“ Vielleicht als Nächstes. Mal sehen …






Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen