Aston Martin Valkyrie beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans
Während Sie das hier lesen, habe ich mich vermutlich gerade noch aus der gesässförmigen Mulde meines Sofas herausgeschält, nachdem ich ein ganzes Wochenende lang das 24-Stunden-Rennen von Le Mans verfolgt habe. Ob direkt an der Strecke oder daheim, wo ich den Fernseher für mich beanspruche: Le Mans ist jedes Jahr ein Höhepunkt. Für jemanden mit unstillbarem Motorsporthunger fühlt sich mehr als eine halbe Formel-1-Saison, zusammengepresst in ein einziges Wochenende, an wie damals als Kind, als ich eine ganze Flasche Ribena-Sirup unverdünnt getrunken habe. Man hätte mich beinahe von der Decke kratzen müssen.
Die diesjährige Ausgabe von Le Mans ist besonders spannend, weil erstmals die Rennversion des Aston Martin Valkyrie antritt – unbestreitbar eines der begehrenswertesten Strassenautos aller Zeiten. Noch besser: Die Rennvariante behält den Motor des Serienwagens und wurde dank ihres die Hose spannenden Heulens des 6,5-Liter-V12 sofort zum Fanliebling. Nachdem ich ihn selbst gehört habe, steht für mich fest: Kein aktuelles Rennfahrzeug klingt besser, und gegen ihn wirkt der V6-Hybrid der Formel 1 wie ein Sturzhelm, der ordentlich eins aufbekommen hat.
Wie Videospiele den Valkyrie nach Le Mans brachten
Ohne Videospiele hätte der Valkyrie in Le Mans allerdings womöglich nie seine Runden gedreht. Aston Martin unterstützt dieses Vorhaben, betrieben wird es jedoch von einem Team namens The Heart of Racing. Dessen Mitbegründer ist der Milliardär Gabe Newell, der sowohl hinter den Videospielen Half-Life als auch hinter Steam steht, dem dominierenden PC-Spiele-Shop. Wer schon einmal ein PC-Spiel gekauft hat, könnte also auf seine Weise dazu beigetragen haben, V12-Motoren erstmals seit – nun ja – einem Aston Martin im Jahr 2011 wieder nach Le Mans zu bringen.
Auch das ist keine neue Entwicklung: The Heart of Racing wurde 2014 als Kundenteam für GT-Rennsport gegründet. Da Newells Unternehmen in Seattle ansässig ist, liess er sich von einem wohltätigen Ziel inspirieren: Geld für den Seattle Children’s Cardiology Research Fund zu sammeln. Doch wie kam es dazu, den Valkyrie im Kampf um den Gesamtsieg in Le Mans einzusetzen? Ich fragte Mitbegründer, Teamchef und aktuellen GT-Rennfahrer Ian James – offenbar ein Mann, der mehr Hüte trägt als Jay Kay von Jamiroquai. „Ursprünglich ging die Idee von Gabe aus“, erklärte James mir.
„Als das Strassenauto vorgestellt wurde, sagte er nur: ‚Es wäre ein Verbrechen, wenn dieses Ding nicht Rennen fahren würde.‘ Natürlich hatte Aston die Idee schon ein paar Mal erwogen, aber in den vergangenen drei Jahren haben wir sie angestossen, und Aston stieg ein, weil sie denselben Traum teilten. Von Fans bekommen wir so viele positive Reaktionen; die Leute bedanken sich regelrecht überschwänglich dafür, dass wir dieses Fahrzeug Realität werden lassen und es Rennen fährt. Wegen seines Aussehens und seines Klangs ist es ein Auto für die Menschen, und wir könnten nicht glücklicher sein.“
The Heart of Racing und die Jagd nach dem Le-Mans-Sieg
Le Mans gleich beim ersten Versuch zu gewinnen, wäre eine gewaltige Aufgabe. Doch solange ein milliardenschwerer Autoenthusiast die Rechnungen begleicht, bin ich überzeugt, dass der Valkyrie so lange bleiben wird, bis ihm das gelingt. Für alle Fälle sollte ich wohl noch ein paar PC-Spiele kaufen ...






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