Zur Halbzeit der Dakar Rallye 2026 haben sich die Teilnehmer ihren Ruhetag mehr als verdient. Sara Price dürfte allerdings am liebsten sofort wieder losfahren, um dort weiterzumachen, wo sie aufgehört hat. Die Defender-Pilotin beendete die erste Woche in Saudi-Arabien mit dem Sieg auf Etappe 6 in der Stock-Klasse. Damit geht das Team bislang mit einer 100-Prozent-Siegesserie in die Pause, während Rokas Baciuška und Stéphane Peterhansel erneut einen kompletten Podestplatz-Erfolg einfuhren.
Unmittelbar nach der 48-stündigen Ausdauerprüfung der „Marathon Stage“ hätte man für den Freitag vor dem Ruhetag am Samstag eine mildere Etappe erwarten können. Doch das ist die Dakar. Nachsicht kennt sie nicht. Stattdessen wartete auf die Teilnehmer die längste Tagesdistanz der gesamten Veranstaltung.
Bereits vor dem Start der gewerteten Strecke von Etappe 6 stand eine 322 Kilometer lange Verbindungsetappe vom nächtlichen Biwak in Ha’il an. Danach führte die Wertungsprüfung durch die Qassim-Region mitten im Land. Die 331 Kilometer lange Fahrt gegen die Uhr fand ausschliesslich auf Sand statt – eine Premiere bei der Dakar 2026.
Die Dünen reichten bis zum Horizont, während beim Queren von Farmland nur gelegentliche Wildtiere die Szenerie auflockerten. Auch an der Ziellinie war die Arbeit noch nicht erledigt. In diesem ultimativen Konzentrationstest, als die Erschöpfung nach einer kräftezehrenden ersten Woche ihren Höhepunkt erreichte, lagen noch 267 Kilometer vor dem Konvoi. Insgesamt waren es 920 Kilometer, ehe er endlich in der Hauptstadt Riad eintraf.
Sara Price siegt auf Etappe 6 der Dakar Rallye 2026
Price legte in der für seriennahes Material offenen Stock-Klasse erneut ihren gewohnt schnellen Start hin und setzte sich früh an die Spitze. Die Siegerin des Prologs und von Etappe 2 erarbeitete sich auf den ersten 38 Kilometern allein einen Vorsprung von starken 55 Sekunden auf Peterhansel. Nach weiteren 40 Kilometern hatten Price und ihr Beifahrer Sean Berriman den Abstand auf 1min40s ausgebaut. Voll im Rhythmus, vergrösserten sie ihre Führung bis Kilometer 160 auf 2min 25s gegenüber „Mr Dakar“.
Auch nach dem Kontrollpunkt bei Kilometer 250 blieb der Abstand unverändert. Drei Minuten hinter der Führenden folgten Baciuška und sein Navigator Oriol Vidal im dritten Defender Dakar D7X-R. Dieser nutzt ebenso das Getriebe, die Antriebswellen, die Karosserie und das Chassis direkt aus der Serienproduktion wie den Biturbo-V8 mit 4,4 Litern Hubraum aus dem Defender OCTA.
Price blieb bis zur Ziellinie voll auf dem Gas, führte von Anfang bis Ende und sicherte sich in etwas mehr als viereinhalb Stunden ihren zweiten Etappensieg – zusätzlich zum Erfolg im Prolog. Damit stehen für alle drei Defender-Fahrer jeweils zwei Siege zu Buche. Ihr Fazit: „Heute war es fantastisch, zum ersten Mal mit dem Defender in den Dünen unterwegs zu sein. In ein Fahrzeug zu steigen, mit dem ich noch nie in den Dünen gefahren bin, und es auszuprobieren – das ist einfach eine ganz andere Liga. Es hat mich mehr beeindruckt, als ich jemals sagen könnte. Ich bin überwältigt davon, wie gut er tatsächlich funktioniert hat. Ich hatte heute sehr viel Spass. Wir konnten mit unseren Teamkollegen fahren und bis ganz zum Ende um den Sieg kämpfen. Am Ende haben wir gewonnen, und das war aufregend.“
Defender-Doppelführung zur Halbzeit
Peterhansel erreichte als Nächster das Ziel und wurde zunächst als Zweiter gewertet. Der 14-fache Dakar-Sieger lag nur 1min 50s hinter seiner Teamkollegin. Nach einer Ein-Minuten-Strafe wegen zu hoher Geschwindigkeit wurde die Rallye-Raid-Legende gemeinsam mit seinem Beifahrer Michaël Metge in der endgültigen Etappenwertung jedoch auf Rang drei zurückversetzt.
„Seit dem Beginn sind wir nun auf allen unterschiedlichen Arten von Strecken gefahren“, sagte Peterhansel. „Das Letzte, das wir noch nicht genau kannten, waren die Dünen. Heute haben wir es erlebt, und das Auto war wirklich perfekt – das sind sehr gute Nachrichten. Einfach war es aber nicht, denn 200 Kilometer oder mehr bestanden nur aus Dünen. Nie ruhig, nie schnelle Pisten, nur Dünen. Manche waren wirklich knifflig, zerfahren und holprig. Aber in den grossen Dünen war es mit einem starken Motor besonders schön. Wir sind nie steckengeblieben.“
Baciuška rückte auf den zweiten Tagesrang vor und lag letztlich nur 2min 39s hinter Price. Zusammen mit seinen Siegen auf Etappe 1 und Etappe 5 festigt das seine Führung in der Stock-Gesamtwertung weiter. Der 26-jährige Litauer beendet die erste Woche dank seiner bisherigen Leistung mit einem Polster von 45 Minuten. Peterhansel komplettiert die Defender-Doppelführung zur Halbzeit, während Price – als Folge eines gebrochenen Aufhängungsarms zu Beginn der Woche – hinter dem Toyota Land Cruiser von Ronald Basso auf Rang vier liegt.
Baciuška ergänzte: „Die Kilometer vergingen langsam, weil die Geschwindigkeit nicht so hoch ist. An einer grossen Düne mussten wir umdrehen und einen anderen Weg finden. Bisher läuft es gut. Wir führen noch immer, müssen einfach so weitermachen, ohne Risiken zu forcieren, und dann sehen wir, was wir erreichen können.“
Ruhetag vor der zweiten Dakar-Woche
Nach all dem bietet der Samstag nun eine willkommene Pause. Ein Gedanke gilt jedoch den Mechanikern, die die drei Defender für die zweite Woche zerlegen und überprüfen müssen. Am Sonntag beginnt die Action wieder mit der ersten der letzten sieben Etappen. Die Strecke von Riad nach Wadi ad-Dawasir umfasst eine 464 Kilometer lange Wertungsprüfung sowie eine 414 Kilometer lange Verbindungsetappe über schnelle Sandpisten, die von dichtem Buschwerk gesäumt sind. Hier gibt es weitere Updates.
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