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Bentley Brooklands (2008): das unverschämt britische Luxus-Coupé

Dunkler Bentley fährt auf Landstraße, Reifen rauchen durch starkes Beschleunigen, grüne Umgebung.

Reiner, unverhohlener Genuss – genau deshalb ist der Brooklands so unfassbar besonders. Er überträgt auf rätselhafte Weise den Geist eines vor dem Zweiten Weltkrieg für die Aristokratie karossierten Sondermodells in ein Abschiedsmodell aus einer Ära der Sparsamkeit. Dieses Auto wirkt, als wäre es heimlich aus dem Werk gerollt, während der Vorstand des Volkswagen-Konzerns noch missmutig auf die Bilanzen blickte. Für die Frauen und Männer bei Bentley war es dagegen eine ihrer allerbesten Stunden.

Bentley Brooklands: Luxus im Überfluss

Im Kern ist der Brooklands ein Azure, dessen Heck ein fest verschweißtes Dach erhalten hat. Ein 5,5 Meter langes Coupé, in dem vier Personen ausgesprochen bequem Platz nehmen können, mit einer armaturenbrettbreiten, steil aufragenden Holzverkleidung voller Instrumente und verdeckter Schalter. Hinter dem polierten Kühlergrill sitzt zudem der drehmomentstärkste Motor diesseits eines Bugatti W16.

Der 6,75-Liter-Veteran, dessen Abstammung bis 1959 zurückreicht, wusste, dass ihm in einer von EU- und kalifornischen Abgasvorschriften bestimmten Welt nicht mehr viel Zeit blieb. Mit gewaltigen 1.049 Nm Drehmoment verabschiedete er sich alles andere als sanft, ohne jemals über 4.600 U/min drehen zu müssen. Sein Klang grollt bedrohlich wie ein Sturm, der sich in einem weit entfernten Landesteil zusammenbraut.

Ich liebe den Brooklands, weil er stets wie eine Erinnerung an Autos wirkte, die eigentlich gar nicht mehr gebaut werden durften. Wegen seines so klangvollen Namens. Weil er derart unverkennbar und selbstbewusst britisch ist – auch wenn einige Knöpfe verdächtig deutsch aussehen und seine endlosen, geschwungenen Hinterbacken von einem Mann namens Dirk van Braeckel gezeichnet wurden. Und weil er so selten ist: ein Fahrzeug für Eingeweihte, das man nicht einfach von der Stange kaufte. Bentley wollte höchstens 550 Stück bauen, doch vermutlich verliessen nur 426 Exemplare das Werkstor in Crewe.

Bei diesem Wagen handelt es sich um das allerletzte Exemplar, das Bentley zur Erhaltung im eigenen Bestand behalten wollte. Sein steingrauer Lack bildet einen üppigen Kontrast zum honigfarbenen Leder mit Wabenmuster. Er riecht nach jener Art von Herrenclub, in dem einst bei Zigarren, Brandy und einer Partie Bridge über ferne Grenzen entschieden wurde. Ohne das fliegende B-Emblem würde man annehmen, die Motorhaube ende erst hinter dem Horizont.

An jeder Tür befinden sich zwei Griffe, sodass die Passagiere in den riesigen hinteren Sitzbereichen ihre jeweilige Seite selbst öffnen können. Technik? Nun ja. Es gibt ein charmant altmodisches eingebautes Telefon, einen rudimentären Bordcomputer und eine Instrumentierung, die einem Flugzeug zur Ehre gereichen würde. Passend für ein Auto, das in demselben Gebäude entstand, in dem während des Kriegs Merlin-Motoren gefertigt wurden.

So fährt sich der Bentley Brooklands

Ich befürchtete, eine Fahrt im Brooklands könnte seinen Zauber zerstören. Dass sich hinter seinem würdevollen Charme und seiner leicht verwegenen Eleganz ein schwerfälliges Schiff verbergen würde: in der Mitte knarzend wie viele säulenlose Coupés und so peinlich protzig wie vergoldete Einfahrtstore vor nachgebauten griechischen Säulen. Doch er ist grossartig. Um einen herum liegt diese gewaltige Metallhülle, dazu 16 Rinderhäute und mehr Drehmoment als bei einer Tunnelbohrmaschine – und all das gehört einem selbst. Dieses Gefühl von Überlegenheit macht geradezu süchtig.

Auch beim Fahren ist er ein echter Bentley. Die Federung ist straffer, als man erwarten würde, denn dies ist ein halbwegs sportlicher Luxus-Express und kein fliegender Teppich. Beim Beschleunigen bleibt er unaufgeregt, besitzt aber eine tief beeindruckende, geradezu hysterische Durchzugskraft. Die Bremsen fühlen sich an, als stammten sie aus dem Winter der Unzufriedenheit. Und wir sind froh, dass moderne Luxuskolosse über eine Hinterachslenkung verfügen: So braucht man nicht ganz Staffordshire zum Wenden, wenn man bei einem misslungenen Bremsversuch bereits über Cheshire hinausgeschossen ist. Die HMS Victory hätte sich beim Agility-Parcours von Crufts allerdings ebenfalls nicht besonders bewährt – und das nimmt ihr niemand übel.

Bentley Brooklands (2008)

Neupreis: £230.000
Technische Daten: 6,75-Liter-Twin-Turbo-V8, 537 bhp, 0–100 km/h in 5,0 s, 296 km/h, 2.650 kg
Held: Herrliche Mengen gestepptes Rindsleder und poliertes Holz im Überschalltempo
Schwachpunkt: Beim Einparken ein wenig einschüchternd

Gerade beliebt

Katharina Leitner

Katharina Leitner ist Kulturwissenschafterin und Autorin aus Graz mit Schwerpunkt auf österreichischer Alltagskultur und regionalen Sprachbesonderheiten. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Schmolik, dessen Traditionen, Bedeutungen und zeitgemäßen Entwicklungen, und sammelt dazu Geschichten, Rezepte und Erfahrungsberichte aus ganz Österreich.

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