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Günstiges Elektroauto für weniger als 15.000 Euro: Das Rezept für Europa

Weißes Elektroauto in modernem Showroom neben Ladestation, Windräder und Industriegebäude im Hintergrund.
In diesem Artikel
  1. Das Konzept startet bei 800 kg
  2. Bis zu drei Millionen Elektroautos pro Jahr
  3. 14 Millionen Autos bis 2035
  4. Die Produktion muss in Europa erfolgen

Ein günstiges Elektroauto zu bauen, zählt derzeit zu den grössten Herausforderungen für Europas Autoindustrie. Teure Batterien, strenge Sicherheitsvorgaben und hohe Fertigungskosten erschweren es den Herstellern, den Preis zu senken, ohne die Wirtschaftlichkeit zu gefährden.

Genau diese Frage untersucht eine Studie der Fondation pour la Nature et l’Homme (FNH), des Institut Mobilités en Transition (IMT) und der Beratung C-Ways. Sie wollte herausfinden, welches Potenzial ein solches Konzept haben könnte.

Das Ergebnis ist ein neues „Rezept“ für leistbare Elektroautos, das auf der viel diskutierten, aber noch nicht umgesetzten Kategorie M1E aufbaut. Zunächst wird Gewicht eingespart, danach die Batterie kleiner ausgelegt. Auch die Reichweite fällt geringer aus, auf Schnellladen wird verzichtet und zuletzt die Höchstgeschwindigkeit begrenzt.

Das wirkt für einen Markt, der in den vergangenen Jahren meist genau den gegenteiligen Weg eingeschlagen hat, fast zu einfach. Laut Studie könnte gerade dieser reduzierte Ansatz jedoch ein europäisches Elektroauto für weniger als 15.000 Euro ohne Förderungen ermöglichen.

Zugleich wurde untersucht, ob für ein Fahrzeug mit diesen Eigenschaften überhaupt ausreichend Nachfrage vorhanden wäre. Das überraschende Ergebnis: Bis zu drei Millionen Fahrzeuge jährlich wären möglich.

Das Konzept startet bei 800 kg

Als Grundlage dient ein Auto, das sich deutlich von den meisten heute neu eingeführten Elektroautos unterscheidet. Es wäre 3,60 m lang, hätte ein Leergewicht von unter 800 kg und böte vier Sitzplätze. Die Batterie hätte lediglich eine Kapazität von 15 bis 22 kWh.

Die reale Reichweite läge zwischen 140 und 200 km. Schnellladen wäre nicht vorgesehen, die Höchstgeschwindigkeit auf 110 km/h beschränkt.

Nach Einschätzung der Studie würden diese Werte für die Mobilitätsbedürfnisse von 54% der derzeit in Frankreich fahrenden Fahrzeuge ausreichen. Für Deutschland und Italien werden 53% beziehungsweise 55% angegeben.

Dabei gibt es einen wichtigen Vorbehalt: Die Studienautoren stufen die verwendeten Kriterien als recht anspruchsvoll ein. Die genannten Werte stellen daher ein Mindestpotenzial dar.

Bis zu drei Millionen Elektroautos pro Jahr

Aus der tatsächlichen Fahrzeugnutzung, den Gesamtkosten des Besitzes und der Attraktivität des Konzepts leitet die Studie für die EU zwischen 2030 und 2035 ein Potenzial von 2,5 Millionen Einheiten pro Jahr ab. Sobald der Markt vollständig entwickelt ist, könnte es auf jährlich drei Millionen steigen – beinahe 20% der Pkw-Verkäufe.

Dabei handelt es sich nicht um eine Verkaufsprognose. Gemeint ist vielmehr jenes Volumen, das der Markt aufnehmen könnte, wenn ein Angebot mit diesen Eigenschaften für weniger als 15.000 Euro verfügbar wäre.

Rund 40% der Verkäufe würden neue Fahrzeuge der Segmente A und B ersetzen. Die übrigen 60% kämen von Käuferinnen und Käufern gebrauchter Autos.

Ein Elektroauto für 15.000 Euro wäre weiterhin teurer als zahlreiche Kleinwagen mit Verbrennungsmotor, die bereits 10 oder 15 Jahre alt sind. Nach fünf Jahren könnte sein Gesamtbesitzaufwand laut Studie jedoch bereits unter jenem liegen, der für den Erhalt eines mehr als 15 Jahre alten Modells des Segments B anfällt.

Geringeres Gewicht und eine kleinere Batterie bedeuten zudem weniger Energie- und Rohstoffverbrauch. Würde ein zehn Jahre altes Verbrennerfahrzeug des Segments B durch dieses Elektroauto ersetzt, sänken die mit Herstellung und Nutzung verbundenen Treibhausgasemissionen der Studie zufolge um das 3- bis 3,5-Fache. Die kleinere Batterie könnte ab 2035 ausserdem jährlich etwa 26 TWh Strom und rund 6000 Tonnen Lithium einsparen; das entspricht 52 GWh Batteriekapazität.

14 Millionen Autos bis 2035

FNH und IMT gehen davon aus, dass diese Fahrzeuge in der EU bis 2035 14 Millionen Autos ersetzen könnten. Das entspräche ungefähr 6% des Fahrzeugbestands. Langfristig läge das Potenzial bei 63 Millionen Fahrzeugen oder knapp 29% der heutigen Flotte.

Da ein grosser Teil der Nachfrage von Menschen käme, die heute Gebrauchtwagen kaufen, könnten die Neuwagenverkäufe um 1,5 Millionen Einheiten jährlich zulegen. Das wäre ein Nettoanstieg von etwa 12%.

Die Produktion muss in Europa erfolgen

Zum Schluss nennen die Autoren der Studie eine „vorgegebene“ Bedingung: Das Auto für 15.000 Euro müsste in der Europäischen Union gefertigt werden.

Vorgeschlagen wird, mögliche öffentliche Förderungen für Entwicklung und Vermarktung an Vorgaben zum lokalen Wertschöpfungsanteil zu knüpfen. Zusätzlich soll eine eigene Regulierungskategorie geschaffen oder angepasst werden, deren Anforderungen den Eigenschaften dieser Fahrzeuge angemessen sind.

Das Rezept liegt damit vor. Offen bleibt, ob Europas Industrie das umsetzen kann, was die Studie offenbar für entscheidend hält: Sie müsste aufhören, ein günstiges Elektroauto wie ein teures Auto wirken zu lassen, und stattdessen einfachere Elektroautos bauen, die für Menschen leistbar sind.

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Katharina Leitner

Katharina Leitner ist Kulturwissenschafterin und Autorin aus Graz mit Schwerpunkt auf österreichischer Alltagskultur und regionalen Sprachbesonderheiten. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Schmolik, dessen Traditionen, Bedeutungen und zeitgemäßen Entwicklungen, und sammelt dazu Geschichten, Rezepte und Erfahrungsberichte aus ganz Österreich.

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