Der Dacia Sandero überzeugt mit seinem Preis und den laufenden Kosten, doch seine Stärken gehen deutlich über den Vorteil fürs Budget hinaus.
Sechs Jahre nach seiner Einführung wirkt der Dacia Sandero erstaunlich unbeeindruckt vom Lauf der Zeit. Zwei Modellpflege-Maßnahmen hat er bereits erhalten, direkte Konkurrenten nach seinem Erfolgsrezept sind hinzugekommen – etwa der Citroën C3 und der FIAT Grande Panda –, dennoch behauptet er sich weiterhin an der Spitze des portugiesischen und europäischen Markts.
Als ich diese Generation vor sechs Jahren erstmals fuhr, war für mich rasch klar, dass der Sandero beste Voraussetzungen für seinen Erfolg mitbrachte. Gegenüber dem Vorgänger war der Fortschritt enorm, während der Abstand zu seinen Rivalen deutlich geschrumpft war. Heute stellte sich mir allerdings eine andere Frage: Warum steht der Dacia Sandero nach wie vor so weit oben?
Schließlich gibt es trotz seines günstigen Preises inzwischen Alternativen mit ähnlichen Preisvorstellungen. Auch sein Design, vor allem bei dieser Stepway-Ausführung, sieht zwar weiterhin zeitgemäß aus, bleibt wegen des großen Erfolgs des Modells selbst aber nicht völlig von Abnutzungserscheinungen verschont.
Um das herauszufinden, holte ich den Sandero aus dem Pressefuhrpark der Renault-Gruppe. Nach mehreren Tagen und vielen Kilometern in seiner Gesellschaft wurde klar, was nach wie vor so viele Menschen von ihm überzeugt.
Weiterentwicklung mit Augenmaß
Es klingt nach einem Klischee, beschreibt jedoch die Strategie, mit der Dacia den Sandero über die Jahre aktuell hält, sehr treffend. Da sein Design schon von Beginn an gelungen war, wurden die Anpassungen vor allem mit einem Ziel vorgenommen: Er soll zur aktuellen Formensprache der Marke passen.
Als Stepway setzt er weiterhin auf eine abenteuerlich wirkende Optik, die ihn in die Nähe der SUV- und Crossover-Welt rückt. Wer sich wenig um klassische Fahrzeugsegmente kümmert, erhält damit eine leistbare Möglichkeit, im Trend zu liegen. Das erinnert mich an die Modeerscheinung rund um die Hosen einer bekannten Marke, als ich ein Kind war.
Damals kaufte nur eine kleine Gruppe diese Hosen im Originalgeschäft. Die anderen griffen zu Nachahmungen, die sich optisch kaum unterschieden und uns trotzdem das Gefühl gaben, Teil dieses gesellschaftlichen Phänomens zu sein. Mir persönlich gefällt der Stil des Sandero weiterhin, besonders in dieser Variante.
Dacia Sandero Stepway: zeitgemäß und unkompliziert
Am Innenraum lässt sich der günstige Preis des Dacia Sandero Stepway am ehesten erkennen. Nach weichen Oberflächen sucht man vergeblich. Alles ist auf Kosteneffizienz ausgelegt, was jedoch keineswegs bedeutet, dass der Innenraum minderwertig wirkt: Die Verarbeitung bewegt sich auf einem guten Niveau.
Die Bedienung ist einfach und intuitiv. Im Sandero treffen physische Tasten auf einen unkomplizierten Zentralbildschirm ohne überladene Menüstrukturen. Damit lässt sich dieses Auto selbst Eltern empfehlen, die mit digitalen Technologien wenig anfangen können.
Einige Punkte ließen sich dennoch besser lösen. Das Stoffband, das sich über das Armaturenbrett zieht, fühlt sich weniger angenehm an als jenes im gleichen Modell vor etwa sechs Jahren. Auch das Material der Sitze erwies sich an heißen Tagen, besonders auf längeren Fahrten, als nicht besonders rückenfreundlich.
Positiv fällt hingegen die offenbar solide Montage auf. Zumindest legen die wenigen Störgeräusche, die bei meinen Ausflügen auf die abenteuerlichere Seite dieses rumänischen Kleinwagens auftraten, diesen Schluss nahe.
Platz für alles
Zwar trägt der Jogger unter den Dacia-Modellen dieses Segments den Beinamen „Königin des Platzangebots“, doch deshalb sollte man den Sandero nicht automatisch aus dieser Betrachtung streichen.
Vorne wie hinten reisen die Insassen mit angenehm viel Bewegungsfreiheit. Zwei Kindersitze samt ihren jeweiligen kleinen Passagieren auf der Rückbank unterzubringen, gelingt problemlos – nicht nur wegen des vorhandenen Raums, sondern auch dank der weit öffnenden hinteren Türen.
Der Kofferraum ist weiterhin groß genug für die Bedürfnisse einer jungen Familie. Während der Tage mit dem Sandero dachte ich mehrmals, dass er zu jenen Angeboten zählt, die zwar so viel kosten wie ein Kleinwagen, beim Raumangebot aber bereits dem nächsthöheren Segment nahekommen.
Bis ans Ende der Welt und weiter
In den vergangenen Jahren hat Dacia Autogas zu einem seiner wichtigsten Themen gemacht, und ein Teil des Sandero-Erfolgs beruht auf den bivalenten Versionen. Für diesen Test kam daher keine andere Motorisierung infrage.
Der überarbeitete Antrieb leistet nun 120 PS und arbeitet mit einem Sechsgang-Automatikgetriebe zusammen. Ehrlich gesagt war er noch nie so gut wie jetzt. Der Wechsel zwischen Benzin und Autogas erfolgt beinahe unmerklich, und beim günstigsten fossilen Kraftstoff am Markt liegen die Verbräuche spürbar niedriger.
Nach knapp 1000 km am Steuer des Sandero Stepway zeigte der Bordcomputer durchschnittlich 5,7 l/100 km im Benzinbetrieb und rund 7 l/100 km mit Autogas an. Die Reichweite? Sie wurde mit ungefähr 1000 km angegeben, wobei ich das zugeben muss: Überprüft habe ich diesen Wert nicht.
Bei den Fahrleistungen harmoniert das Getriebe gut mit dem Motor. Dadurch bewältigt der Sandero Stepway längere Strecken ohne jene Minderwertigkeitskomplexe, die früher mit besonders günstigen Fahrzeugen verbunden waren.
Natürlich ist er kein Sprinter. Überholmanöver verlangen aber keine übermäßigen Berechnungen, höhere Autobahngeschwindigkeiten werden nicht zur Tortur, und im Stadtverkehr stehen jederzeit ausreichend Leistung und Drehmoment zur Verfügung, um „obenauf zu bleiben“.
Komfortabel und vielseitig
Wie der Text bereits vermuten lässt, absolvierte ich einen großen Teil der Kilometer im Sandero Stepway auf Landstraßen und Autobahnen. Das ist vermutlich das Einsatzgebiet, in dem er am seltensten unterwegs sein wird und in dem seine Grenzen theoretisch am deutlichsten sichtbar werden müssten.
Nach vielen Kilometern gefiel der Sandero vor allem durch seinen Fahrkomfort. Dafür sorgen die Reifen mit höherem Querschnitt und die Federung, die klar darauf abgestimmt ist, Unebenheiten zu schlucken. Bei höherem Tempo macht sich Windgeräusch bemerkbar, doch angesichts der Positionierung des Modells weder in besonders schwerwiegender noch in unerwarteter Form.
In Kurven erledigt der Sandero seine Aufgabe ordentlich, ohne zu begeistern – genau wie bisher. Den dynamischen Ehrgeiz überlässt er seinem französischen „Cousin“, dem Renault Clio. Die Lenkung arbeitet ausreichend präzise und direkt, doch das war nie sein Schwerpunkt.
Verglichen mit seinen aus meiner Sicht natürlichen Rivalen – Citroën C3 und FIAT Grande Panda – macht der Dacia eine gute Figur. In bestimmten Situationen wirkt er wegen seiner geringeren Karosseriehöhe und größeren Breite sogar stabiler.
Zuletzt ermöglichen die größere Bodenfreiheit und die gute Dämpfung auch Ausflüge auf unbefestigte Wege. Sogar eine kleine Taste zur Steuerung der Traktionskontrolle für schwierigere Situationen ist vorhanden (glauben Sie mir, sie ist sehr nützlich).
Angesichts dieser Vielseitigkeit lässt sich der Erfolg des Sandero leicht nachvollziehen. Für wenig Geld erhält man ein Auto für den städtischen Alltag, Reisen und Wochenendausflüge, das einen sogar etwas weiter bringt, wenn einen die Abenteuerlust packt.
Sparen lohnt sich
So viele Argumente der Dacia Sandero Stepway auch vorweisen kann: Der Preis bleibt unübersehbar sein größter Verkaufstreiber. Er bringt viele Kundinnen und Kunden überhaupt erst dazu, sich das Modell anzusehen, selbst wenn sie seine weiteren Qualitäten erst danach entdecken.
Neben dem Preis von rund 22.000 Euro für das getestete, gut ausgestattete Fahrzeug trägt auch der Autogasbetrieb wesentlich dazu bei, die laufenden Kosten zu senken. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels kostete Autogas in Portugal durchschnittlich 0,977 € / l, gegenüber 2,139 € / l für Benzin 95.
Ein Unterschied von rund 54 % je Liter, der dieses Modell in einem Markt, der zunehmend von Kosten beeinflusst wird, zu einer besonders interessanten Option macht.






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