Der BYD Dolphin G DM-i ist eine Zwischenlösung für die Elektrifizierung, die bei mir eine Frage aufwirft: Weshalb setzen nicht mehr Marken in den kleineren Segmenten auf diese Technik?
Im Kleinwagensegment ist das Angebot normalerweise klar: Benzinmotoren, klassische Hybride und zunehmend Elektroautos. Der BYD Dolphin G DM-i bringt diese gewohnte Aufteilung durcheinander.
Als Plug-in-Hybrid kann er bis zu 105 km rein elektrisch zurücklegen. Gleichzeitig steht ein Benzinmotor bereit, wenn die Batterie leer ist oder eine Fahrt weiter führt, als die elektrische Reichweite erlaubt.
Eine solche Lösung ist in dieser Klasse selten. Sie soll zwei Nutzungsarten vereinen, die bei Kleinwagen bislang kaum zusammenkamen: elektrisches Fahren im Alltag und die Freiheit, lange Strecken ohne Abhängigkeit von der Ladeinfrastruktur zu bewältigen.
Auf dem Papier verbindet das die Vorzüge beider Welten. Doch funktioniert dieses Konzept auch im Alltag? Um das herauszufinden, war ich einige Tage mit dem günstigsten Plug-in-Hybrid auf dem Markt unterwegs.
Unauffällig von Grund auf
Trotz der auffälligen Lackierung des Testwagens ist das neueste Mitglied der „Dolphin-Familie“ – zu der bereits der Dolphin und der Dolphin Surf gehören – das konventionellste Modell dieser Baureihe.
Seine Silhouette liegt zwischen klassischer Limousine und Van. Das Design bleibt zurückhaltend, wirkt aber keineswegs beliebig. Auf grosse stilistische Übertreibungen verzichtet BYD, wodurch dieser Wagen zu jenen Autos zählt, die „allen gefallen können“.
Minimalistisch wie erwartet
Im Innenraum folgt BYD einem Rezept, das bereits aus anderen Modellen der Marke bekannt ist: Minimalismus und Bildschirme stehen im Mittelpunkt. Besonders ins Auge fällt der zentrale 12,8-Zoll-Bildschirm. Vor dem Fahrer sitzt zusätzlich ein digitales 8,8-Zoll-Kombiinstrument.
Die Bedienung gestaltet sich recht unkompliziert. Positiv sind die physischen Tasten für einige wichtige Funktionen, ebenso wie das mittlerweile nahezu „obligatorische“ Apple CarPlay und Android Auto.
Die erhöhte Sitzposition hat einen technischen Grund: Die Batterie ist unter dem Fahrgastraum untergebracht. Daran musste ich mich zunächst etwas gewöhnen, doch grundsätzlich ist das kein Nachteil. Gerade in der Stadt sorgt sie sogar für einen guten Überblick über das Verkehrsgeschehen.
Die Materialien sind zwar hart – schliesslich handelt es sich um einen Kleinwagen –, machen aber einen langlebigen Eindruck. Auch die Verarbeitung wirkt solide, und auffällige Klapper- oder Nebengeräusche gibt es nicht.
Viel Platz im BYD Dolphin G DM-i
Vorne steht reichlich Platz zur Verfügung, und auf der Rückbank finden zwei Erwachsene ohne grössere Einschränkungen Platz. Vor allem die Beinfreiheit ist angesichts der Aussenmasse bemerkenswert. Davon profitieren der lange Radstand und die eher vanartige Karosserieform.
Auch der Kofferraum verdient ein positives Urteil. Sein Volumen beträgt 425 Liter, ergänzt durch weitere 45 Liter in einem Fach unter dem Boden. Damit zählt der Dolphin G DM-i zu den besseren Angeboten seines Segments und liegt deutlich vor Hybridkonkurrenten wie Toyota Yaris oder Renault Clio.
Der elektrische Antrieb gibt den Ton an
Am Steuer zeigt der Dolphin G DM-i seine wichtigsten Stärken. Solange die Batterie geladen ist, übernimmt der Elektromotor den grössten Teil der Arbeit, und das Fahrerlebnis ähnelt stark jenem eines Elektroautos. Das Ansprechen auf das Gaspedal erfolgt unmittelbar, der Antrieb arbeitet leise und die Beschleunigung verläuft sehr gleichmässig.
Die Systemleistung liegt bei 212 PS – ein beachtlicher Wert für einen Kleinwagen. In aussergewöhnliche Fahrleistungen mündet das allerdings nicht: Von 0 auf 100 km/h geht es in 8,3 s, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 180 km/h.
Abseits der Zahlen bietet der BYD Dolphin G DM-i mehr als genug Durchzugskraft, um zu überholen oder auf einer Autobahnauffahrt zügig Tempo aufzunehmen. Dabei wirkt er nie übermässig ruppig.
Sinkt der Batterieladestand und der 1,5-Liter-Benzinmotor übernimmt eine wichtigere Rolle, verändert sich der Eindruck. Der Geräuschpegel steigt, und speziell bei kräftigem Beschleunigen ist die Arbeit des Verbrennungsmotors deutlich wahrnehmbar. Unangenehm wird das nicht, doch die im Elektrobetrieb vorhandene Laufruhe nimmt spürbar ab.
Auf Komfort abgestimmt
Bei der Lenkung besteht noch Entwicklungspotenzial. Ihr Gewicht ist angemessen, doch sie liefert wenig Rückmeldung und reagiert nicht besonders direkt. In der Stadt erfüllt sie ihren Zweck gut; auf kurvigen Strassen wünscht man sich jedoch etwas mehr Verbindung zwischen den Händen und den Vorderrädern.
Auch das Gewicht macht sich in bestimmten Situationen bemerkbar. Mit mehr als 1500 kg zählt der Dolphin G nicht zu den leichtesten Modellen seiner Klasse. Das fällt vor allem bei höherem Tempo und schnellen Richtungswechseln auf. Trotzdem bleibt sein Fahrverhalten sicher und berechenbar.
Nach wenigen Kilometern wird eines deutlich: Komfort hat Priorität. Das Fahrwerk filtert die meisten Unebenheiten wirkungsvoll heraus, und auf der Autobahn vermittelt der Dolphin G DM-i ein angenehm sicheres und stabiles Gefühl.
In der Stadt machen die sanfte Arbeitsweise des Plug-in-Hybrid-Systems und die hohe Sitzposition diesen BYD schliesslich zu einem unkompliziert zu fahrenden Auto.
Und der Verbrauch?
BYD gibt 1,4 l/100 km an, doch dieser Wert braucht Einordnung. Um ihn zu erreichen, muss die elektrische Reichweite regelmässig genutzt werden.
Mit voll geladener Batterie lassen sich viele Kilometer fahren, ohne den Verbrennungsmotor zu starten. BYD verspricht 105 km, und nach meinen Eindrücken liegt dieser Wert nicht weit von der Realität entfernt – auch auf gemischten Strecken mit Autobahn- und Stadtverkehr.
Wer täglich 30, 40 oder 50 km fährt und zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann, könnte davon deutlich profitieren. So ist es möglich, fast immer unterwegs zu sein, ohne den Benzinmotor einzusetzen.
Ist die Batterie entladen, steigt der Verbrauch naturgemäss an und der Dolphin G DM-i verhält sich eher wie ein klassischer Hybrid.
Dennoch zeigt die Praxis, dass sich sehr niedrige Verbrauchswerte problemlos erzielen lassen, wenn täglich mit voller Batterie gestartet wird. Auf längeren Fahrten, bei denen der elektrische Anteil aufgebraucht ist, muss man hingegen mit Werten rechnen, die näher an jenen eines konventionellen Hybrids liegen.
Am Ende dieses Tests zeigte der Bordcomputer beispielsweise 4,4 l/100 km an, obwohl bereits viele Kilometer mit leerer Batterie zurückgelegt worden waren.
Der günstigste Plug-in-Hybrid
An dieser Tatsache führt kein Weg vorbei: Mit einem Grundpreis von 28 975 Euro ist der BYD Dolphin G DM-i derzeit der günstigste Einstieg in die Welt der Plug-in-Hybride.
Noch wichtiger ist seine Positionierung neben mehreren klassischen Hybriden. Ohne Aktionen startet der Toyota Yaris bei 26 530 Euro, der Renault Clio bei 28 990 Euro und der Honda Jazz bei 29 625 Euro. Keiner von ihnen kann jedoch bis zu 105 km rein elektrisch fahren, während sich der Dolphin G zudem durch sein Platzangebot im Innenraum abhebt.
In der getesteten Comfort-Ausstattung für 30 275 Euro fällt die Ausstattung noch umfangreicher aus. Dazu gehören ein Panorama-Glasdach, ein Head-up-Display, eine 360°-Kamera und ein elektrisch verstellbarer Fahrersitz.
Diese Positionierung macht den Dolphin G besonders interessant für alle, die einen elektrifizierten Kleinwagen suchen, bei längeren Reisen aber flexibel bleiben möchten. Allerdings gilt: Sparen lässt sich nur mit einer Lademöglichkeit – andernfalls ist ein klassischer Hybrid die bessere Wahl.






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