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Jaguar Type 00: Das neue Supercoupé im Überblick

Futuristisches rosa Elektroauto mit scharfem Design und LED-Lichtern in urbanem Tunnel bei Abenddämmerung.
In diesem Artikel
  1. Jaguar Type 00: Gestaltung mit Wucht
  2. Innenraum des Jaguar Type 00: Stein, Messing und digitale Ruhe
  3. Serienmodell und Neuausrichtung von Jaguar

Und nun zum Auto. Dass tatsächlich noch ein Fahrzeug kommen würde, war doch klar, oder?

Mit seiner im Internet hitzig diskutierten Werbekampagne ist Jaguar unbeabsichtigt an die Front der Kulturkämpfe geraten. Dabei rückte beinahe in den Hintergrund, dass das Unternehmen Autos verkauft und ein wirklich wichtiges neues Modell in Vorbereitung hat. Jetzt ist es da: der Type 00. Das monolithische, rosafarbene Supercoupé bewegt sich irgendwo zwischen Rolls-Royce Spectre und Tesla Cybertruck und gibt einen Ausblick auf die neue Ausrichtung der Marke. Ja, Jaguar legt tatsächlich noch nach. Allerdings gibt es den Wagen auch in „London-Blau“.

JLR-Kreativchef Gerry McGovern erklärt: „Der Type 00 ist ein reiner Ausdruck der neuen kreativen Philosophie von Jaguar. Er ist das Ergebnis mutigen, ungezügelten kreativen Denkens und unbeirrbarer Entschlossenheit. Er ist unsere erste physische Manifestation und der Grundstein für eine neue Familie von Jaguars, die anders aussehen werden als alles, was Sie bisher gesehen haben.“

Jaguar Type 00: Gestaltung mit Wucht

Das lässt sich kaum bestreiten. Der Type 00 setzt vor allem ein gewaltiges Zeichen – und das in jeder Hinsicht. Er führt eine neue Gestaltungsphilosophie ein, die sich, wie bei solchen Konzepten üblich, auf zwei Worte bringen lässt: überschwänglicher Modernismus. Auch der Einsatz von Farbe spielt eine Schlüsselrolle. Der Type 00 ist mehr als fünf Meter lang. Zwar finden sich noch immer Rundungen, doch seine Flächen sind steil, wuchtig und unverblümt brutal.

Vor allem an die Front muss man sich erst gewöhnen. Das irritierende neue Logo sitzt zwischen einer Reihe erhabener Streben auf einer Nase, neben der eine durchschnittliche Felswand geradezu zierlich wirkt. An anderen Stellen trägt der Type 00 eine „Durchstreich“-Grafik aus horizontalen Linien: vor der Windschutzscheibe, auf dem Dach und am Heck. Darin verbergen sich Rückleuchten über die gesamte Fahrzeugbreite.

Die Fahrgastzelle ist auffallend weit nach hinten versetzt. Selbst mit seinen 23-Zoll-Rädern, umgerechnet rund 58,4 Zentimeter, reizt der Wagen die heiligen Regeln für Stand und Proportionen ganz bewusst aus. Man beachte die sogenannte „Prestige-Masse“, also den Bereich zwischen Vorderachse und Armaturenbrett: Er ist enorm. Die seitliche Fensteröffnung hingegen fällt minimal aus. Im Profil erinnert der Wagen tatsächlich an maßgefertigte Ultraluxusautos der 1920er- und 1930er-Jahre, etwa das Bugatti Royale Kellner Coupé oder den Bucciali TAV8-32 mit Saoutchik-Karosserie. Deren lange Motorhauben kündigten einen riesigen Verbrennungsmotor an. Hier ist das anders. Auch Cadillacs Konzeptfahrzeug Sixteen aus dem Jahr 2003 kommt einem in den Sinn. Wer alt genug ist, denkt vielleicht ebenso an Lady Penelopes Rolls-Royce aus Thunderbirds.

Trotz dieser höchst unterschiedlichen Einflüsse gelingt es dem Type 00, daraus etwas mit unbestreitbarer Wirkung zu formen. Genau das hatten seine Schöpfer beabsichtigt. Auffällig ist außerdem das fehlende Heckfenster – ein mutiger Kniff, der beim Polestar 4 bereits in Serie umgesetzt wird. Die Rückfahrkameras verstecken sich in messingfarbenen „Barren“ in den seitlichen Karosseriepaneelen, die mit dem springenden Jaguar als „Herstellerzeichen“ verziert sind. Hochtechnologie trifft hier auf handwerkliche Anmutung.

Der Name Type 00 legt übrigens nahe, dass Jaguar seine Vergangenheit keineswegs vollständig über Bord wirft, anders als manches Gejammer in sozialen Medien behauptet. Der E-Type gehört zu den größten Automobilen aller Zeiten und wird das immer tun. Sein Schatten ist so allgegenwärtig, dass es für Jaguar geradezu töricht wäre, ihn abschütteln zu wollen. Entscheidend ist aber: Als der E-Type 1961 praktisch aus dem Nichts auftauchte, versetzte er alle in Staunen. Jaguar hofft nun auf einen ähnlich überwältigenden Effekt – und wir können das gut nachvollziehen. Und die Nullen? Der Type 00 ist das Fahrzeug null in der neuen Design-Zeitrechnung. Zudem fährt er vollelektrisch und verursacht am nicht vorhandenen Auspuff keine Emissionen.

Innenraum des Jaguar Type 00: Stein, Messing und digitale Ruhe

Wer das Äußere schon eindrucksvoll findet, sollte erst einen Blick hinter die Schmetterlingstüren werfen, die dem Konzeptfahrzeug vorbehalten sind. Messing, Travertin und Textilien bestimmen hier die wichtigsten Kontaktflächen. Der Stein bildet einen Sockel, der die Sitze und einen mittigen Träger stützt. Auf den Sitzen und über der Klangschiene liegt ein Wollmischgewebe. Die Anzeigen für Instrumente und Infotainment gleiten nahtlos ins Sichtfeld und wieder heraus. Der Type 00 bietet sämtliche Vernetzungsmöglichkeiten, die man von einem Auto in diesem fortgeschrittenen Stadium des 21. Jahrhunderts erwartet, greift aber zugleich den zeitgemäßen Gedanken einer digitalen Auszeit auf.

Mit der Prism-Box wird diese Idee weitergeführt – und der Type 00 bewegt sich endgültig in Richtung Science-Fiction. Dahinter steckt eine geheimnisvolle Schale in einem eigenen Fach an der Karosserieseite. Sie enthält drei „Totems“ aus natürlichen Materialien: Messing, Travertin und Alabaster. Legt ein Insasse eines davon in die vorgesehene Aufnahme in der Mittelkonsole, lässt sich die Stimmung im Innenraum unterschiedlich gestalten: über Umgebungslicht, Klang, Duft und Bildschirmgrafiken. Jaguar bezeichnet das als neues Konzept der Personalisierung. Gegenüber der Wahl zwischen schwarzem Hochglanz und Walnussfurnier im XJ ist es ein erheblicher Schritt. Verborgene Ablagen öffnen sich und geben Farbakzente frei. Weil ein Heckfenster fehlt, ersetzt eine Clearsight-Anzeige den Rückspiegel. Einen Aschenbecher gibt es nicht.

Serienmodell und Neuausrichtung von Jaguar

Abgesehen vom Innenraum und den extravaganten Türen liegt der Type 00 laut Jaguar nahe an jenem Serienfahrzeug, das in ungefähr einem Jahr erscheinen soll. Beide wurden vom selben Designteam entworfen. Bereits kursierende Bilder eines getarnten Testwagens bestätigen, dass die verblüffenden Proportionen erhalten bleiben. Das Serienmodell wird ein viersitziger GT für mehr als 120.000 Pfund sein, höchstwahrscheinlich mit hinten angeschlagenen Türen nach Art von Rolls-Royce oder Ferrari Purosangue – und übrigens auch des längst vergessenen, durchaus hübschen Jaguar-Konzepts R-D6 von 2003. Eine neue Plattform namens JEA bildet die Grundlage der vollelektrischen Jaguar-Familie, bei der die traditionellen Stärken Fahrverhalten, Handling und Komfort im Mittelpunkt stehen. Versprochen werden bis zu 769 Kilometer Reichweite nach WLTP und, ebenso wichtig, rund 322 Kilometer durch eine 15-minütige Schnellladung. Wie groß oder schwer der Akku dafür sein wird, weiß wohl nur der Himmel. Die technischen Einzelheiten sind jedenfalls ein Thema für einen anderen Tag.

In den vergangenen vier Jahren hat Jaguars 800-köpfiges Team an einem umfassenden Neustart auf einem völlig unbeschriebenen Blatt gearbeitet. „Wir wollen reine Emotion mit rationalem Denken in Einklang bringen“, erklärt uns Markendesigndirektor Richard Stevens. „Die Menschen sollen mehr fühlen, als sie denken. ‚Kopiere nichts‘ ist eine Idee, die Sir William Lyons vorgegeben hat. Stellen Sie sich vor, jeden Tag mit diesem Gedanken zur Arbeit zu kommen.“

Neben der vollständigen Neuausrichtung von Gestaltung und Markenbild will Jaguar auch „die Kundenbeziehung neu gestalten“. Dazu soll ein neues digitales Ökosystem entstehen. Statt an klassische Autohäuser und Händler soll man eher an Hermès, Dior oder Louis Vuitton denken. Das erste sorgfältig kuratierte Markengeschäft soll in Paris eröffnen, mitten im Modeviertel des 8. Arrondissements. Zweifellos werden dort winzige Häppchen gereicht, aufgetragen von schlanken, androgynen Supermodels. Lauwarmer Kaffee im Plastikbecher war gestern.

Auch die Enthüllung des Autos in Miami zu Beginn der weithin beachteten Kunstwoche der Stadt passt dazu: Jaguar möchte das vielfältige, jüngere und kreativere Publikum erreichen, das sich dort versammelt. Dass die Freidenker in solchen Kreisen normalerweise wenig davon halten, so energisch umworben zu werden, sei dahingestellt. Wer allerdings jemals den Spruch „Woke werden, pleitegehen“ von sich gegeben hat, für den ist dieser Jaguar nichts. Zur Erinnerung: David Bowie trug 1971 auf einem Albumcover ein Kleid. Das Unternehmen betont, seine bisherigen Kunden und Händler nicht im Stich zu lassen. Dennoch ist offensichtlich eine grundlegende Neuausrichtung im Gang.

Über das Auto und das gesamte Konzept sagt Gerry McGovern: „Es wird Ihnen Unbehagen bereiten. Das ist in Ordnung. Wir müssen es weiterentwickeln, und es wird fortlaufend kuratiert werden. Denn die Welt steht nicht still.“

6 Minuten 35 Sekunden

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Katharina Leitner

Katharina Leitner ist Kulturwissenschafterin und Autorin aus Graz mit Schwerpunkt auf österreichischer Alltagskultur und regionalen Sprachbesonderheiten. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Schmolik, dessen Traditionen, Bedeutungen und zeitgemäßen Entwicklungen, und sammelt dazu Geschichten, Rezepte und Erfahrungsberichte aus ganz Österreich.

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