Das türkische Unternehmen FNSS hat den U-MAV vorgestellt, ein modulares, unbemanntes Mehrzweck-Amphibienfahrzeug. Das neue Fahrzeug soll in den frühen Phasen einer Landungsoperation zum Einsatz kommen und einige der besonders riskanten Aufgaben übernehmen, bevor die bemannten Einheiten eintreffen. Gezeigt wurde das System beim TEKNOFEST Mavi Vatan 2026. Mit autonomen Fähigkeiten, Fernsteuerung und einer modularen Architektur entwickelt es das Einsatzkonzept für Amphibienfahrzeuge weiter.
Kennzeichnend für den U-MAV ist seine Rolle an der Spitze des Angriffs. Nach Angaben von FNSS soll er mit den bereits von der türkischen Marine eingesetzten Marine-Angriffsfahrzeugen MAV zusammenarbeiten und noch vor dem Eintreffen der Angriffswelle den ersten Kontakt mit der gegnerischen Küstenverteidigung herstellen. So kann er den Landungsbereich aufklären und vorbereiten, bestimmten Bedrohungen begegnen und Hindernisse beseitigen, während die Bediener von der Kontaktlinie fernbleiben.
Der U-MAV als unbemannte Plattform für die erste Welle
Das Konzept greift eine der größten Schwierigkeiten amphibischer Operationen auf: den Moment, in dem die Angriffskräfte ihre Schiffe verlassen und auf eine verteidigte Küste vorrücken. In dieser Phase können Fahrzeuge und Truppen Minenfeldern, Hindernissen, Maschinengewehrstellungen und Panzerabwehrraketensystemen ausgesetzt sein. Diese können den Vormarsch stoppen oder ihn in Bereiche lenken, die der Verteidiger bereits vorbereitet hat.
In einer solchen Lage soll der U-MAV als unbemanntes Vorausfahrzeug agieren. Er kann bemannten Fahrzeugen vorauseilen und bestimmte Aufgaben ausführen, ohne deren Besatzungen unmittelbar zu gefährden.
Das Fahrzeug hat ein Gefechtsgewicht von ungefähr 8 Tonnen. Auf dem Wasser erreicht es bis zu 7 Knoten, an Land rund 70 km/h. Der Antrieb mit 300 hp und die Einzelradaufhängung ermöglichen ihm den Übergang vom Wasser auf das Gelände an Land – eine zentrale Voraussetzung für den Einsatz bei Landungsoperationen.
Autonomie, künstliche Intelligenz und Überlebensfähigkeit
Damit die Kontrolle auch in einem Umfeld mit möglicherweise beeinträchtigter Kommunikation erhalten bleibt, verfügt das System über eine digitale Architektur. Laut FNSS ist der U-MAV mit einem verschlüsselten Kommunikationsnetz, GNSS/INS-Navigation und einem Freund-Feind-Erkennungssystem (IFF) ausgestattet.
Reißt die Kommunikationsverbindung ab, kann das Fahrzeug zunächst einen sicheren Zustand einnehmen. Anschließend kehrt es über eine vorprogrammierte Route zum Ausgangspunkt zurück oder setzt seinen Auftrag fort, je nach gewählter Konfiguration. Die vom Unternehmen angegebene Kommunikationsreichweite bei Sichtverbindung beträgt ungefähr 3 Kilometer. Mit unbemannten Luftfahrzeugen als Relaisstationen lässt sie sich erweitern.
Zusätzlich verarbeitet künstliche Intelligenz die von den Sensoren aufgenommenen Bilder. Statt laufend große Videomengen zu übertragen, kann das System die Informationen an Bord auswerten und Daten über erkannte Objekte senden. Das senkt den Bandbreitenbedarf und erleichtert es, mögliche Bedrohungen zu identifizieren und zu priorisieren.
Ein verändertes Konzept für den amphibischen Angriff
Neben seinen technischen Eigenschaften ist der U-MAV auch wegen des vorgeschlagenen Einsatzkonzepts von Bedeutung. Zusammen mit den MAV/ZAHA könnten bemannte und unbemannte Systeme Teams bilden (MUM-T). Dabei würden unbemannte Plattformen vorausfahren, um aufzuklären, Hindernisse zu beseitigen oder Unterstützung zu leisten, bevor die Truppen die Küste erreichen.
FNSS schlägt damit eine Möglichkeit vor, die Gefährdung bemannter Einheiten während der riskantesten Phasen eines amphibischen Angriffs zu verringern. Dieselbe Plattform ließe sich zudem für Aufklärung, Feuerunterstützung, elektronische Kampfführung, Minenräumung oder medizinische Evakuierung einsetzen. Dadurch wäre sie auch über die erste Landungswelle hinaus nutzbar.






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