Der Mitsubishi Pajero ist ein Name, der kaum einer Vorstellung bedarf. Seit seinem Debüt 1982 gewann er die Dakar zwölfmal, davon siebenmal in Folge, durchlief vier Generationen und prägte maßgeblich den Ruf, den Mitsubishi im Gelände bis heute genießt.
2021 verschwand das Modell. Fünf Jahre lang schien der Name Pajero nur noch in den Geschichtsbüchern vorzukommen. Bis jetzt.
Mitsubishi hat soeben eine völlig neue Generation vorgestellt, deren Rezept überraschend vertraut ist: Ein Leiterrahmen und das Allradsystem Super Select 4WD-II gehören ebenso dazu wie ein Dieselmotor ohne elektrische Unterstützung – und das zu einer Zeit, in der die Elektrifizierung beinahe überall Einzug hält.
Dabei soll es nicht bei diesem einen Modell bleiben. Mitsubishi hat bereits bestätigt, dass aus dem Pajero eine Modellfamilie entstehen wird. Welche Fahrzeuge dazugehören, ist allerdings noch offen.
Unter dem Mitsubishi Pajero steckt der L200
Bei der Entwicklung begann Mitsubishi nicht bei null. Als Grundlage diente der robuste Leiterrahmen des Pick-ups L200, der in anderen Märkten Triton heißt. Er wurde jedoch mehrfach überarbeitet und soll laut Hersteller durch den Einsatz hochfester Stähle steifer sein.
Auch das Fahrwerk erhielt eine eigene Abstimmung. Vorne kommen doppelte Querlenker zum Einsatz, hinten weichen die Blattfedern des L200 einer neuen, an fünf Lenkern geführten Starrachse. Laut Mitsubishi eignet sich diese Lösung besser für den Kompromiss aus Geländefähigkeit und Straßenkomfort.
Der neue Mitsubishi Pajero fällt stattlich aus: Er ist 4,92 m lang, 1,93 m breit und 1,91 m hoch. Der Radstand beträgt 2,87 m. Damit bewegt er sich unmittelbar im Größenbereich des Toyota Land Cruiser, der sich als sein größter Konkurrent abzeichnet.
Abseits befestigter Straßen stehen 230 mm Bodenfreiheit zur Verfügung. Der Böschungswinkel vorne beträgt 30,4°, der Rampenwinkel 22,6° und der Böschungswinkel hinten 25,8°.
Diesel gibt weiterhin den Ton an
Auch unter der Motorhaube besteht eine Verbindung zum L200: Dort arbeitet ein Vierzylinder-Diesel mit 2,4 Litern Hubraum. Das Aggregat ist eine Weiterentwicklung des Motors aus dem Pick-up und besitzt hier einen Turbolader mit variabler Geometrie.
Eine offizielle Leistungsangabe gibt es nicht – mehrere Medien nennen 204 PS. Mitsubishi beziffert das maximale Drehmoment jedoch mit 480 Nm. Neu ist das Getriebe des Mitsubishi Pajero: Die Achtgangautomatik verfügt sogar über einen Sportmodus.
Bemerkenswerter ist, was im Datenblatt fehlt: eine Elektrifizierung. Zumindest für diese Phase hat Mitsubishi weder eine teilweise noch eine vollständige Elektrifizierung des Antriebsstrangs angekündigt.
Diesel und Automatik dürften 2026 für viele nach einem überholten Rezept klingen. Genau diese Kombination wollten jedoch zahlreiche Pajero-Fans hören.
Ist er noch ein echter Geländewagen?
Ebenfalls zurück ist Super Select 4WD-II. Das System bietet vier Einstellungen: 2H mit Hinterradantrieb, 4H mit permanentem Allradantrieb, 4HLc mit gesperrtem Mittendifferenzial und 4LLc, das zusätzlich die Untersetzung aktiviert.
Dazu kommt S-AWC (Super-All Wheel Control), das mehrere Fahrdynamiksysteme koordiniert. Eines davon ist Active Yaw Control: Es unterstützt das Fahrzeug beim Einlenken und hilft ihm, die gewünschte Spur zu halten. Den Namen dieser Technik dürften Besitzer und Fans des Lancer Evolution kennen. Sieben Fahrmodi passen außerdem die Reaktion des Fahrzeugs an unterschiedliche Untergründe an.
Der Neigungsmesser kehrt zurück
Mitsubishi wollte mehrere gestalterische Elemente früherer Pajero-Generationen aufgreifen, ohne ein Retrofahrzeug daraus zu machen. Die Silhouette steht sehr aufrecht, die Kotflügel sind ausgeprägt, und die C-Säule orientiert sich am ursprünglichen Pajero.
Eine der interessantesten Anspielungen auf die Geschichte des Pajero findet sich aber im Innenraum. Das neue Multi-meter lässt die bekannten Zusatzinstrumente, die verschiedene Generationen des Modells begleiteten, in digitaler Form wiederaufleben.
Zurück ist auch der Neigungsmesser, den es im Pajero seit 1982 gibt. Er wird nun von einem Kompass und Angaben zu Höhe, Außentemperatur, Längs- und Querneigung sowie zur Funktion von Active Yaw Control ergänzt.
Das Multi-meter ist in die digitale Instrumentierung mit zwei Bildschirmen von jeweils 14,3 Zoll beziehungsweise rund 36,3 cm integriert – Nostalgie in hoher Auflösung. In den günstigeren Versionen fallen die Bildschirme kleiner aus.
Auch der übrige Innenraum zeigt den Aufstieg des Pajero, der bei Mitsubishi nun die Rolle des Spitzenmodells übernimmt. Es gibt sieben Sitze in drei Reihen, hochwertiger ausgeführte Materialien, eine Dreizonen-Klimaautomatik und sogar ein Yamaha-Soundsystem mit 12 Lautsprechern.
Kommt der Pajero nach Europa?
Gebaut wird der neue Mitsubishi Pajero in Thailand, wo er auch als Erstes auf den Markt kommt. Japan und Australien sollen im laufenden japanischen Geschäftsjahr folgen, das am 31. März 2027 endet.
Danach möchte Mitsubishi den Vertrieb auf 100 Märkte weltweit ausweiten. Ausdrücklich genannt wurden Länder in Südostasien, Lateinamerika und im Nahen Osten. Für Europa gibt es weiterhin keine Bestätigung.
Der europäische Kontinent gehört nicht zu den angekündigten Regionen. Ob der Pajero auf dem „alten Kontinent“ eingeführt wird oder nicht, hat Mitsubishi allerdings noch nicht festgelegt. Die Liste der rund 100 Märkte ist ebenfalls noch offen, was den Fans des Modells etwas Hoffnung lässt.
Bei aller Begeisterung: Die aktuelle Generation des Mitsubishi L200, die als Basis für den Pajero dient, wird nicht einmal in Portugal angeboten. Zudem dürfte es schwierig sein, einen großen Diesel-Geländewagen mit den immer strengeren Emissionszielen der Europäischen Union zu vereinbaren.






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