Der Italo-Österreicher Carlo Abarth gründete Abarth im Jahr 1949. Berühmt wurde die Marke vor allem aus zwei Gründen: zum einen wegen ihres Skorpion-Symbols, zum anderen, weil sie sich während eines Großteils ihrer Geschichte darauf konzentrierte, aus braven Fiat-Modellen leistungsstarke Autos mit reichlich Adrenalinpotenzial zu machen.
Die lange Verbindung zwischen Abarth und Fiat sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die beiden Marken keine exklusive Beziehung führten. Zwar veredelte Abarth praktisch seit seiner Gründung Modelle der italienischen Marke und wurde 1971 sogar von Fiat gekauft, doch die Zusammenarbeit beschränkte sich nicht auf diesen Hersteller.
Als Tuner und als Konstrukteur ließ Abarth seinen Skorpion auch Marken wie Porsche, Ferrari, Simca und Alfa Romeo „stechen“. Daneben entstanden sogar eigene Modelle.
Hier sind 9 Abarth ohne Fiat und ein „Extra“:
Cisitalia 204A Abarth Spider Corsa
Ausgerechnet das erste Modell mit dem Namen Abarth war zugleich das letzte, das die Bezeichnung Cisitalia trug. Die Marke ging kurz darauf in Konkurs. Der 1948 entstandene Sportwagen wurde insgesamt fünfmal gebaut.
Der für den Rennsport entwickelte Cisitalia 204A Abarth Spider Corsa gewann insgesamt 19 Rennen. Der berühmte Tazio Nuvolari feierte am Steuer eines Cisitalia 204A Abarth Spider Corsa seinen letzten Sieg.
Unter der Motorhaube arbeitete ein vom Fiat 1100 abgeleiteter Motor mit zwei Weber-Vergasern und 83 PS. Über ein manuelles Vierganggetriebe trieb er den 510 kg schweren Cisitalia 204A Abarth Spider Corsa auf bis zu 190 km/h an.
Abarth 205 Vignale Berlinetta
Nach seinem Abschied von Cisitalia wandte sich Carlo Abarth der Entwicklung eigener Modelle zu. Den Anfang machte der wunderschöne 205 Vignale Berlinetta, der denselben Fiat-Vierzylinder wie der Cisitalia 204A Abarth Spider Corsa verwendete.
Für die Karosserie zeichnete Alfredo Vignale verantwortlich, den Entwurf übernahm Giovanni Michelotti. Von dem kleinen, 800 kg schweren Coupé entstanden insgesamt nur drei Exemplare.
Ferrari-Abarth 166 MM/53
Der von Carlo Abarth entworfene und auf dem Ferrari 166 aufgebaute Ferrari-Abarth 166 MM/53 ist bis heute der einzige Ferrari mit Abarths „Handschrift“. Auftraggeber war der Rennfahrer Giulio Musitelli, der mit dem Wagen antrat. Unter der von Abarth gezeichneten Karosserie steckte ein Ferrari-V12 mit gerade einmal 2,0 l Hubraum und 160 PS.
Porsche 356 Carrera Abarth GTL
Im September 1959 schloss sich Porsche mit Carlo Abarth zusammen, um zunächst 20 Rennwagen auf Basis des 356B zu bauen. Daraus entstand der 356 Carrera Abarth GTL, der gegen die Konkurrenz in der GT-Kategorie antreten sollte.
Der „Porsche-Abarth“ war leichter als sein Ausgangsmodell und trug eine eigenständige, in Italien entworfene und gefertigte Karosserie. Zum Einsatz kamen Vierzylinder-Boxermotoren mit 1,6 l und 128 PS bis 135 PS sowie mit 2,0 l und 155 PS bis 180 PS.
Obwohl der 356 Carrera Abarth GTL bei seinen Renneinsätzen erfolgreich war, kündigte Porsche den Vertrag mit Abarth, nachdem die ersten 21 Autos fertiggestellt waren. Der Grund für die Trennung war einfach: Die mangelhafte Qualität der ersten Prototypen und anfängliche Verzögerungen hatten bei Porsche einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Abarth Simca 1300 GT
Als Simca eine schnellere Ausführung des bescheidenen 1000 schaffen wollte, wandte sich die französische Marke ohne langes Zögern an Carlo Abarth. Laut Vereinbarung sollte Abarth einige Prototypen auf Basis des Simca 1000 bauen. Heraus kam der von 1962 bis 1965 produzierte Abarth Simca 1300, der sich deutlich vom Ausgangswagen unterschied.
Er erhielt eine neue, wesentlich aerodynamischere und sportlicher gezeichnete Karosserie sowie einen neuen Motor: An die Stelle des kleinen 0,9-l-Aggregats mit 35 PS trat ein 1,3-l-Motor mit 125 PS. Vom 1000 blieben kaum mehr als Fahrgestell, Aufhängung und Lenkung übrig, denn an allen vier Rädern kamen nun Scheibenbremsen zum Einsatz.
Das Ergebnis war ein kleiner Sportwagen mit nur 600 kg Gewicht – 200 kg weniger als der Simca 1000 – und einer beeindruckenden Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h. Später folgten der 1600 GT und der 2000 GT. Letzterer erreichte mit seinem 2,0-l-Motor und 202 PS bis zu 270 km/h.
Simca Abarth 1150
Der zweite Vertreter der Zusammenarbeit zwischen Abarth und Simca in unserer Liste ist die aufgepeppte Variante des Simca 1000. Anders als beim 1300 GT fiel der Umbau weniger radikal aus: Der Simca 1150 war im Grunde eine verbesserte Version des bescheidenen französischen Modells.
Nach seiner Vorstellung Ende 1964 blieb er nur kurz im Verkauf. Die Übernahme von Simca durch Chrysler besiegelte 1965 sein Aus. Angeboten wurde er in vier Versionen mit Leistungen von 55 PS bis 85 PS; dazwischen lagen Varianten mit 58 PS und 65 PS.
Autobianchi A112 Abarth
Der zwischen 1971 und 1985 gebaute Autobianchi A112 Abarth sollte vor allem dem Mini Cooper und dessen italienischer Variante, dem Innocenti Mini, Konkurrenz machen.
Insgesamt gab es sieben Versionen des Autobianchi A112 Abarth, von dem 121 600 Exemplare des temperamentvollen Stadtautos gebaut wurden. Zum Start 1971 besaß er einen 1,0-l-Motor mit 58 PS. Unter den späteren Varianten des A112 Abarth stechen jene mit manuellem Fünfganggetriebe oder einem 1,0-l-Motor mit 70 PS hervor.
Abarth 1300 Scorpione SS
Der von 1968 bis 1972 beim italienischen Unternehmen Carrozzeria Francis Lombardi produzierte Abarth 1300 Scorpione SS trug im Laufe seiner Karriere mehrere Namen. Er hieß OTAS 820, Giannini und natürlich auch Abarth Grand Prix und Scorpione.
Vorgestellt wurde der Abarth 1300 Scorpione SS auf dem Genfer Autosalon 1968. Er sollte das letzte Produkt bleiben, das Abarth als unabhängige Marke entwickelte; 1971 wurde das Unternehmen von Fiat gekauft.
Technisch bot er einen 1,3-l-Reihenvierzylinder mit zwei Weber-Vergasern und 100 PS, ein manuelles Vierganggetriebe, Einzelradaufhängung an allen vier Rädern sowie vier Bremsscheiben.
Lancia 037
Nach der Übernahme durch Fiat war Abarth für die Vorbereitung und Entwicklung der Rennfahrzeuge des Konzerns zuständig. Dazu zählte der Lancia 037, das letzte Auto mit Heckantrieb, das Rallye-Weltmeister wurde.
Das gemeinsam von Abarth, Lancia und Dallara entwickelte „Monster“ besaß einen Mittelmotor vor der Hinterachse, einen Rohrhilfsrahmen, Einzelradaufhängung und zwei riesige Hauben vorne und hinten. Für die Homologation entstand außerdem eine Straßenversion, der 037 Rally Stradale, von dem 217 Stück gebaut wurden.
Ein weiterer von Abarth entwickelter Lancia war der leistungsstarke Delta S4, der Nachfolger des 037 im Rallyesport. Wie sein Vorgänger erhielt auch er für die Homologation eine Straßenversion: den S4 Stradale.
Abarth 1000 Monoposto
Der 1965 vollständig von Carlo Abarth entwickelte Abarth 1000 Monoposto bescherte der Marke ihren 100. Weltrekord und stellte vier Weltrekorde auf. Am Steuer saß Carlo Abarth selbst. Um in das enge Cockpit zu passen, unterzog sich der damals 57-Jährige einer strengen Diät und nahm 30 kg ab.
Angetrieben wurde der konsequent auf Aerodynamik ausgelegte Einsitzer von einem 1,0-l-Fiat-Motor, der vom 1964 in der Formel 2 eingesetzten Aggregat abstammte. Der Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen leistete beeindruckende 105 PS und bewegte den lediglich 500 kg schweren Einsitzer.
Abarth 2400 Coupé Allemano
Zugegeben: Dieses letzte Exemplar basiert auf einem Fiat, dem 2300. Wegen seiner eigenständig gezeichneten Karosserie und weil er zu Carlo Abarths Lieblingsautos gehörte – er fuhr ihn mehrere Jahre im Alltag –, haben wir den Wagen dennoch für diese Gruppe ausgewählt.
Der 1961 vorgestellte Abarth 2400 Coupé Allemano war eine Weiterentwicklung des 2200 Coupé auf Basis des Fiat 2100. Giovanni Michelotti entwarf das Design, während das Studio Allemano die Produktion übernahm – daher auch der Name.
Unter der Motorhaube saß ein Reihensechszylinder mit drei Weber-Doppelvergasern und 142 PS. Außerdem erhielt der Abarth 2400 Coupé Allemano eine vollständig neu gestaltete Auspuffanlage.
Obwohl die Produktion bereits 1962 endete, brachte Carlo Abarth 1964 noch ein Exemplar des Abarth 2400 Coupé Allemano zum Genfer Autosalon. So sehr schätzte er dieses Auto.






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