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Ferrari Elettrica: So klingt der elektrische Ferrari

Elektroauto-Fahrgestell mit Batterien und Antriebskomponenten vor roter Ferrari-Wand mit Pferde-Logo.
In diesem Artikel
  1. Der Klang des Ferrari Elettrica
  2. Authentische Rückmeldung für den Fahrer
  3. Drehmoment und Soundtrack im elektrischen Ferrari

Es ist eine der großen philosophischen Fragen: Wie soll ein elektrischer Ferrari klingen? Laut Antonio Palermo wie Jimi Hendrix, David Gilmour oder Jimmy Page. Palermo verantwortet Klang und Vibrationen beim neuen Ferrari Elettrica.

Nicht ganz wie diese prägenden Gitarrenhelden natürlich, doch ihre Einflüsse spielen eindeutig mit. Palermo greift selbst zur Gitarre, weshalb der Vergleich naheliegt. Für ihn und sein 20-köpfiges Ingenieursteam standen bei der klanglichen Gestaltung des elektrischen Ferrari zwei Ziele im Mittelpunkt: Der Sound durfte weder künstlich erzeugt werden noch einen bestehenden Ferrari-Motor nachahmen. Er sollte eigenständig und authentisch sein.

Der Klang des Ferrari Elettrica

Die Lösung ist bemerkenswert: Ein Beschleunigungssensor am Inverter-Gehäuse der Hinterachse erfasst die Frequenzen des Antriebsstrangs, die anschliessend im Innenraum verstärkt werden. Daher auch die Parallele zur E-Gitarre: Ein Tonabnehmer wandelt die Schwingungen der Saiten in ein elektrisches Signal um, das danach zum Verstärker gelangt. Man könnte sagen, das ist das Wesen von Rock’n’Roll – seit Les Paul und Leo Fender in den Fünfzigerjahren die Musikwelt auf den Kopf stellten.

Ein Verbrennungsmotor erzeugt bekanntlich Vibrationen und Luftschwingungen – so selbstverständlich wie das Atmen. Doch befinden sich in einem Metallgehäuse tatsächlich Klänge, die es wert sind, verstärkt zu werden? Palermo ist davon überzeugt.

„Man kann es tatsächlich als Musikinstrument betrachten. Es besitzt seinen eigenen Klangcharakter“, erklärt er. „Wir müssen störende Geräusche herausfiltern, denn es hat keinen Sinn, etwa das Heulen der Zahnräder zu verstärken. Aber es gibt viele andere schöne Frequenzen, mit denen wir arbeiten und die wir hörbar machen können. Bei Verbrennungsmotoren sprechen wir von Orchestern. Auch in dieser Maschine steckt ein anderer Typ von Orchester.

„Von links nach rechts passieren unterschiedliche Dinge. Je nachdem, wie schnell der Motor dreht, entsteht ein anderer Klang. Vielleicht könnten wir einen LFO – also einen Niederfrequenzoszillator, der in der elektronischen Tanzmusik beliebt ist – darüberlegen und einen pulsierenden Klang wie ‚wo, wo, wo …‘ erzeugen. Doch das menschliche Gehirn erkennt solche künstlichen Elemente sehr schnell. Die Tonhöhe ist zwar vorhanden, aber der Klangcharakter verändert sich – und genau das verbindet das Gehirn mit dem, was gerade passiert.“

Authentische Rückmeldung für den Fahrer

Ferrari bezeichnet diesen Ansatz als „Sprache und Verbindung“. Dass das Elektroauto nicht nur faszinierend, sondern auch glaubwürdig klingt, erwies sich als Herausforderung. „Das Projekt stand auf allen Ebenen im Fokus“, sagt Palermo mit einem vielsagenden Lächeln. „Es hat lange gedauert, bis wir einen Konsens erreicht hatten. Wir wollen weder eine Kopie noch etwas ‚erfinden‘. Das war entscheidend und gehört zur Unternehmenskultur.

„Unser erster Kunde sind die Testfahrer. Wir fragten sie nach ihrer Meinung, und wenn ihnen etwas gefiel, nutzten wir ihre Rückmeldung gewissermassen als Schutzschild. Wenn sich unsere Testfahrer irgendwann nicht mehr eingebunden fühlten, hoben sie die Hand. Dann haben wir gemessen, wann das passieren könnte. Wenn ihnen unsere Lösung gefiel, gab uns das die Sicherheit, auf dem richtigen Weg zu sein.“

Ein weiterer zentraler Punkt war die Beseitigung von Verzögerungen. Anders gesagt: Der Klang muss die Ohren des Fahrers in dem Moment erreichen, in dem er entsteht. „Es hat lange gedauert, die Latenz zu minimieren. Sie liegt unterhalb der menschlichen Wahrnehmungsschwelle, der Klang ist augenblicklich“, bestätigt Palermo.

Drehmoment und Soundtrack im elektrischen Ferrari

Das Team erprobte 50 unterschiedliche Positionen für den Sensor, bevor es sich für den endgültigen Einbauort entschied. Ein einziger Sensor genügte, weil die Struktur des Fahrzeugs eine so hohe Torsionssteifigkeit besitzt. Der resultierende Klang erfüllt zudem eine Funktion: Wird der Elettrica wie ein echter Ferrari bewegt – also kräftig beschleunigt –, steigert sich das Geräusch zu einem vollen Crescendo. Bei gleichmässigem Tempo auf der Autobahn verstummt es hingegen.

Das Elektroauto verfügt ausserdem über eine Funktion namens Torque Shift Engagement. Sie definiert fünf Leistungs- und Drehmomentstufen, die über die rechte Schaltwippe abgerufen werden. Der Beschleunigungssensor registriert die Drehmomentanforderung, worauf sich auch der Soundtrack verändert. Darüber hinaus kann das System zwischen Beschleunigen und Rekuperation unterscheiden.

Wie der Ferrari Elettrica letztlich tatsächlich klingt – aussen ebenso wie im Innenraum –, werde man laut Palermo bald erfahren. „Der Klang, zu dem wir gelangt sind, wird sich durch Nuancen offenbaren, nicht durch Effekthascherei und Feuerwerk.“

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Katharina Leitner

Katharina Leitner ist Kulturwissenschafterin und Autorin aus Graz mit Schwerpunkt auf österreichischer Alltagskultur und regionalen Sprachbesonderheiten. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Schmolik, dessen Traditionen, Bedeutungen und zeitgemäßen Entwicklungen, und sammelt dazu Geschichten, Rezepte und Erfahrungsberichte aus ganz Österreich.

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