Über die riesige Doppelniere des BMW 4er wurde bereits reichlich diskutiert. Den Blick kann man ihr kaum entziehen: Wie ein schwarzes Loch scheint sie alles anzuziehen - sogar das Licht selbst. Nun ja … beinahe alles … Ist dir schon aufgefallen, wie sich das vordere Kennzeichen ungeschickt über die Doppelniere legt?
Es springt sofort ins Auge - und leider nicht auf eine vorteilhafte Weise. Unabhängig davon, ob einem die XL-Doppelniere des 4er gefällt oder nicht: Das Kennzeichen stört ihre Wirkung und durchkreuzt den von den Designerinnen und Designern beabsichtigten Effekt.
Der 4er ist damit allerdings nicht allein. Gibt es überhaupt ein Modell, an dessen Front ein Kennzeichen wirklich gut aussieht?
BMW 4er und das vordere Kennzeichen
Man könnte den Designern vorwerfen, die Kennzeichentafel von Beginn an im Entwurfsprozess „vergessen“ zu haben. Sobald der unschöne Metallrechteck angebracht werden muss, wirkt er jedenfalls oft wie eine nachträgliche Ergänzung.
Beim Concept 4, dem Vorläufer des Serien-BMW 4er, wurde das Problem mit einer unrealistischen, aber attraktiveren und optisch weniger aufdringlichen transparenten Kennzeichentafel umgangen. Dass diese Lösung nie in die Serienproduktion gelangen würde, war jedoch klar: Sie ist nicht zulässig.
Während man in Europa auf ein vorderes Kennzeichen nicht verzichten darf, ist das anderswo möglich. Wie würde das BMW 4er Coupé ohne dieses aussehen? Die offiziellen Bilder von BMW sprechen für sich.
Warum Kennzeichentafeln im Entwurf oft fehlen
Verfolgt man die Gestaltung eines Autos, zeigt sich: Bei den ersten Skizzen eines neuen Modells - ob auf Papier oder am Computerbildschirm - wird das vordere Kennzeichen nur selten berücksichtigt. Interessanterweise gilt das für das Heck nicht in gleichem Mass.
Der Grund für dieses „Vergessen“ liegt nahe. An der Front steht weniger nutzbare Fläche zur Verfügung, während dort üblicherweise mehr Bauteile untergebracht werden: Scheinwerfer, der stets grösser werdende Kühlergrill und Lufteinlässe, ob echt oder nur vorgetäuscht. Muss von Anfang an Platz für eine Kennzeichentafel eingeplant werden, kann das Designer bei der Suche nach neuen visuellen Lösungen stark einschränken. Vielleicht gäbe es dann aber auch nicht so viele Beispiele, die wirken, als wären sie hastig angeklebt worden.
Hätte Alfa Romeo dem eleganten 156 - und allen nachfolgenden Modellen - wohl ebenfalls ein so grosses Scudetto verpasst, wenn das Kennzeichen nicht seitlich hätte angebracht werden können? Vermutlich nicht. In der Mitte würde es die Wirkung des dreieckigen Scudetto zu stark beeinträchtigen; alternativ müsste es vor dem wichtigsten Lufteinlass für den Motor sitzen.
Kleinere Kennzeichen als Kompromiss
Ganz überzeugend ist aber auch diese Lösung nicht. Der Makel wird nicht etwa verborgen, sondern nur zur Seite geschoben. Und schon ist die Symmetrie der Fahrzeugfront dahin.
Welche Lösung gäbe es also? Ideal wäre es, die Kennzeichentafel ganz loszuwerden, wie es in einigen US-Bundesstaaten möglich ist. Weshalb übernimmt man dieses Prinzip nicht?
„Wir schicken bemannte Missionen zum Mars, finden aber keinen Weg, diese hässlichen Metallrechtecke loszuwerden - (sarkastisch) Prioritäten …“
Als Kompromiss könnte man dem italienischen und schweizerischen Beispiel folgen und eine kleinere vordere Kennzeichentafel verwenden. Zumindest fällt sie weniger störend auf …
Gibt es noch andere Möglichkeiten, die Fronten von Autos optisch zu „bereinigen“?






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