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Lamborghini Sián Roadster: 819 PS für mehr als 3,5 Millionen Euro

Blauer Lamborghini Supersportwagen mit goldenen Felgen in modernem Showroom mit Spiegelwänden.
In diesem Artikel
  1. Lamborghini Sián Roadster: Testosteron aus jeder Pore
  2. 350 km/h, 2,9 s von 0 auf 100 km/h, 2 kg/PS …
  3. Spezielle „Batterie“ für die Rennstrecke
  4. 19 x >3,5 Millionen

Der Lamborghini Sián Roadster ist nun offen unterwegs, bleibt ein Zweisitzer und übernimmt den V12 sowie die 819 PS des Coupés. Seine Auflage ist auf 19 Exemplare begrenzt. Obwohl jedes Fahrzeug mehr als 3,5 Millionen Euro kostet, haben sämtliche 15.561 Pferdestärken bereits einen Käufer gefunden …

Selbst für Hersteller von Supersportwagen ist die Hybridisierung der Antriebe der einzige Weg, um langfristig zu bestehen. Sie steigert die Fahrleistungen wirksam und senkt zugleich Verbrauch sowie Emissionen, ohne auf das akustische und emotionale „Drama“ verzichten zu müssen, das nur ein Benzinmotor liefern kann.

Lamborghini bereitete diesen Weg zunächst mit dem elektrifizierten Asterion LPI 910-4 vor, einem Plug-in-Hybrid-Konzept aus dem Jahr 2014. Später, 2017, wagte sich die Marke mit dem vollständig elektrischen Konzept Terzo Millennio noch weiter vor; dessen Umsetzung liegt allerdings in der Zukunft.

Mit dem Sián, der in zwei Karosserievarianten angeboten wird, erscheint nun das erste Serienmodell der Marke mit einem Elektromotor zur Unterstützung des V12-Benziners. Die Produktion ist auf 63 Coupés und 19 Roadster beschränkt, was auch den Namen erklärt: Im Dialekt von Bologna – jener Region, in der Sant’Agata Bolognese liegt, Geburts- und Unternehmenssitz der Marke mit dem wilden Stier – bedeutet Sián „Lichtblitz“ oder „Blitz“.

Lamborghini Sián Roadster: Testosteron aus jeder Pore

Aus der Vogelperspektive betrachtet, zitiert der Sián Roadster die ikonische Periskop-Linie des ersten Countach. Sie verläuft diagonal vom Cockpit zum kraftvoll geformten Heck und mündet in den aerodynamischen Profilen hinter Fahrer und Beifahrer.

Wie beim Coupé verbinden sich die dramatisch modellierten Konturen und die vom Wind geformten Karosserieflächen mit einer flachen Front. Beim Roadster kommt zusätzlich das „Drama“ des fehlenden Dachs hinzu. Der Frontsplitter aus Carbon reicht an seinen Enden bis zu den markanten Y-förmigen Scheinwerfern.

Auch Technologie prägte dieses radikale Design. Ein Beispiel sind die aktiven Kühllamellen am Heck, die Materialien aus der Luft- und Raumfahrttechnik nutzen und von Lamborghini für die Automobilindustrie patentiert wurden. Diese beweglichen Elemente verändern ihren Luftdurchlass durch thermische Verformung, abhängig von der Temperatur an den Auspuffauslässen – eine leichte und raffinierte Kühllösung.

Das ausdrucksstarke Heck greift das sechseckige Lamborghini-Grafikmotiv auf, unter anderem mit sechs vom Countach inspirierten Rückleuchten. Der Heckflügel ist in die Karosserielinie integriert und fährt nur während der Fahrt aus, um Fahrverhalten und Performance zu verbessern.

Der Sián Roadster ist – ebenso wie das Coupé – der zweitgrößte Lamborghini aller Zeiten; nur der aktuelle Urus SUV ist größer. Mit 4,98 m Länge, 2,10 m Breite und 1,13 m Höhe ist er 18 cm länger als der Aventador, mit dem er Plattform und Radstand teilt, und zudem 7 cm breiter.

350 km/h, 2,9 s von 0 auf 100 km/h, 2 kg/PS …

Sein Leistungsniveau ist ebenso überbordend wie sein Stil: mehr als 350 km/h Höchstgeschwindigkeit, der Sprint von 0 auf 100 km/h in „weniger als 2,9 s“ – eine Zehntelsekunde langsamer als beim Coupé – sowie besonders beeindruckende Zwischenspurts, die selbst Menschen mit Erfahrung bei extremen Beschleunigungen schwindlig machen können.

Für die Beschleunigung von 70 auf 120 km/h im 6. und 7. Gang benötigt er 1,2 Sekunden weniger als ein Lamborghini Aventador SVJ. Dafür sorgt der zusätzliche Schub des nur 34 PS starken Elektromotors, der an das Getriebe gekoppelt ist und mit 48 V arbeitet. Ab 130 km/h wird er abgeschaltet; als alleiniger Antrieb kann er das Fahrzeug jedoch nicht bewegen.

Dennoch genügt seine Leistung, um die Durchzugskraft zu verbessern – laut den italienischen Ingenieuren um 10 % – und die Gangwechsel des automatisierten Siebenganggetriebes sanfter zu gestalten. Das bei einem herkömmlichen Verbrennungsmotor während des Schaltens spürbare Verzögern und Drehmomentloch wird durch das Drehmoment des Elektromotors überbrückt. Die Insassen nehmen dadurch nur den Druck der Beschleunigung in den Sitz wahr, ohne unangenehme Rucke.

Im Zentrum der Fahrdynamik des Sián Roadster steht selbstverständlich der V12. Auch er stammt vom Aventador, leistet hier jedoch 15 PS mehr: Seine Spitzenleistung beträgt 785 PS, womit sich eine Systemleistung von 819 PS ergibt. Damit bewegt sich der Roadster in einem Bereich, der bislang den ebenfalls hybridisierten Ferrari La Ferrari (963 PS, 0 auf 100 km/h in 3,0s und 350 km/h Höchstgeschwindigkeit) und Porsche 918 Spyder (887 PS, 2,6s und 345 km/h) vorbehalten war.

Spezielle „Batterie“ für die Rennstrecke

Zu den wichtigsten technischen Innovationen des Sián zählt der Superkondensator. Er kann zehnmal mehr Energie speichern als eine Lithium-Ionen-Batterie und ist an der Trennwand zwischen Cockpit und Motor montiert, um die Gewichtsverteilung des Fahrzeugs zu optimieren.

Bei identischem Gewicht ist er dreimal leistungsstärker als eine Batterie; gegenüber einer Batterie mit gleicher Leistung ist er dreimal leichter. Das gesamte elektrische System aus Kondensator und Elektromotor wiegt nur 34 kg und trägt zum sensationellen Leistungsgewicht des Sián Roadster von lediglich 2,0 kg/PS bei.

Der symmetrische Energiefluss gewährleistet beim Laden und Entladen dieselbe Effizienz beziehungsweise Leistung. Das bedeutet auch, dass beim Bremsen mehr Energie zurückgewonnen wird.

Einige technische Daten übernimmt er vom Coupé: Der Antrieb erfolgt über alle vier Räder, mit Haldex-Kupplung und selbstsperrendem Hinterachsdifferenzial. Das Chassis besteht aus Carbon, während Vorder- und Hinterachsträger aus Aluminium gefertigt sind. Hinter den ultraleichten Felgen sitzen Carbon-Keramik-Bremsscheiben; bereift ist der Roadster vorne mit Pirelli P Zero Corsa 255/30 ZR20 und hinten mit 355/25 ZR21.

19 x >3,5 Millionen

Dabei handelt es sich nicht um eine mathematische Formel – obwohl die Finanzabteilung von Lamborghini damit wohl berechnen kann, was in die Kassen fließt. Es ist die Stückzahl der gebauten Fahrzeuge multipliziert mit dem Preis von mehr als 3,5 Millionen Euro pro Exemplar.

Bei einer derart imposanten Summe ist es nur folgerichtig, dass jedes Fahrzeug innen wie außen vollständig individualisiert werden kann. Das reicht bis zu 3D-gedruckten Initialen des Kunden. Verantwortlich für die Fertigung dieses Sammlerstücks auf Rädern ist die Lamborghini-Abteilung Ad Personam.

Der auf den Bildern gezeigte Sián Roadster trägt die Farbe Blue Uranus, die das Himmelsblau nachbilden soll, zu dem man in dieser dachlosen Version besonders leicht „Zugang“ hat. Dazu kommen Oro-Electrum-Felgen in einem Farbton, der auf seine Elektrifizierung verweist.

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Katharina Leitner

Katharina Leitner ist Kulturwissenschafterin und Autorin aus Graz mit Schwerpunkt auf österreichischer Alltagskultur und regionalen Sprachbesonderheiten. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Schmolik, dessen Traditionen, Bedeutungen und zeitgemäßen Entwicklungen, und sammelt dazu Geschichten, Rezepte und Erfahrungsberichte aus ganz Österreich.

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