Er wirkt teurer, als er tatsächlich ist, und bietet viel – doch der erste Eindruck vom Jaecoo 7 erzählt nicht die ganze Geschichte.
Der Jaecoo 7 gehört zu jenen Fahrzeugen, die auftauchen, auffallen und rasch Erfolge feiern. Vor etwas mehr als einem Jahr war die Marke in Europa noch weitgehend unbekannt. Inzwischen ist er hinter dem BYD Seal U und dem Atto 2 bereits der drittmeistverkaufte Plug-in-Hybrid des Kontinents.
Einen wesentlichen Anteil am Aufstieg des Jaecoo 7 hat jedoch Grossbritannien. Auf den britischen Inseln wurde er deutlich enthusiastischer aufgenommen als in jedem anderen Markt. Im März führte dieses chinesische SUV dort sogar die Neuwagen-Verkaufsstatistik an – in einem Land, das weiterhin zu Europas grössten Automärkten zählt.
Auch in anderen europäischen Ländern rangiert der Jaecoo 7 unter den gefragtesten Plug-in-Hybriden. In Portugal ist er von einem vergleichbaren Erfolg allerdings noch weit entfernt.
Was überzeugt europäische Käufer an diesem Auto also? Nach einigen Tagen hinter dem Lenkrad drängen sich zwei direkte Antworten auf. Die erste ist auf Anhieb sichtbar, die zweite offenbart sich beim Blick auf die Preisliste.
Der „Temu-Range-Rover“
In Grossbritannien erhielt er rasch den Beinamen „Temu-Range-Rover“. Das ist nicht unbedingt schmeichelhaft, erklärt aber zugleich einen wichtigen Teil seines Erfolgs.
Von einer unverhohlenen Kopie, wie sie bei manchen chinesischen Modellen noch vorkommt, kann keine Rede sein. Dennoch ist die Nähe des Jaecoo 7 zur britischen Marke klar erkennbar, vor allem daran, wie horizontale und vertikale Linien die Elemente eines Designs ohne extravagante Details gliedern.
Wer genauer hinsieht, vermisst allerdings die Proportionen, die Flächengestaltung und die Liebe zum Detail, welche die besten Range Rover auszeichnen.
Für jene, denen sein Auftritt gefällt, spielt das kaum eine Rolle. Der Jaecoo 7 bemüht sich nicht krampfhaft um Andersartigkeit und verschwindet zugleich nicht in der Austauschbarkeit vieler chinesischer Landsleute. Er wirkt zurückhaltend, klar gegliedert und präsent. Selbst der riesige Kühlergrill – das einzige alles andere als dezente Element – verleiht einem SUV, das innerhalb seines Segments nicht zu den grössten zählt, mehr Autorität.
Es ist daher leicht nachzuvollziehen, warum jemand im Schauraum den Eindruck gewinnen kann, vor einem deutlich teureren Auto zu stehen.
38 900 Euro erklären vieles
Der getestete Jaecoo 7 SHS-P Select kostet 38 900 Euro. Zwar handelt es sich um die Einstiegsvariante, doch die Bezeichnung „Basismodell“ würde ihr kaum gerecht.
Serienmässig sind 19-Zoll-Räder, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, LED-Scheinwerfer, eine 540-Grad-Rundumkamera, elektrisch verstellbare Vordersitze, ein 14,8-Zoll-Bildschirm, Navigation, kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sowie eine umfangreiche Auswahl an Fahrerassistenzsystemen an Bord. Als einzige Option bleibt die Lackfarbe.
Für weitere 2590 Euro ergänzt die Ausführung Exclusive die Ausstattung um einige Dinge, die mir gefehlt haben: beheizte und belüftete Sitze, ein Head-up-Display, ein Sony-Soundsystem, ein 50-Watt-Wireless-Ladegerät, ein Panoramadach und eine elektrische Heckklappe, neben weiteren Extras.
Dazu kommen 279 PS, ordentliche Fahrleistungen und 90 km elektrische Reichweite im kombinierten WLTP-Zyklus. Damit kostet er zwar mehr als 40 000 Euro, bietet für den verlangten Betrag aber weiterhin sehr viel Auto.
Der Volkswagen Tiguan eHybrid, den der Jaecoo 7 vom Podest der meistverkauften Plug-in-Hybride verdrängt hat, liegt preislich rund 10 000 Euro höher. Mit 204 PS ist er weniger leistungsstark, stellt jedoch mehr Platz und eine höhere elektrische Reichweite bereit. Preislich näher liegt der Citroën C5 Aircross Plug-in-Hybrid, der Komfort und Fahrverhalten besser miteinander verbindet.
Die direktesten Konkurrenten stammen letztlich ebenfalls aus China. Der bereits getestete MG HS PHEV und der Changan Deepal S05 treten mit ähnlichen Argumenten an.
Anonymer Innenraum, der dennoch auf mehreren Ebenen überzeugt
Der Innenraum untermauert den gelungenen ersten Eindruck. Sein Layout ähnelt zwar bedauerlicherweise stark jenem zahlreicher anderer chinesischer Modelle, doch die Materialien im oberen Bereich des Armaturenbretts und an den Türen fühlen sich angenehm an, während die Verarbeitung einen soliden Eindruck hinterliess.
Auch an Raum mangelt es nicht. In der zweiten Reihe gibt es sehr viel Beinfreiheit, die Lehnen lassen sich in zwei Stufen verstellen, und eigene Luftausströmer sind ebenfalls vorhanden.
Der Kofferraum ist dagegen schwer zu entschuldigen: 340 Liter sind für ein SUV mit 4,5 m Länge, knapp 1,9 m Breite und beinahe 1,7 m Höhe wenig. Der neue Volkswagen ID. Polo, fast einen halben Meter kürzer, gibt mehr als 100 Liter zusätzliches Volumen an. Immerhin gibt es einen doppelten Ladeboden, unter dem sich die Ladekabel verstauen lassen.
Beim Jaecoo 7 müsste nicht alles über den Bildschirm laufen
Ganz nach chinesischer Machart gibt es im Jaecoo 7 nur wenige physische Bedienelemente, weshalb man übermässig stark vom zentralen Display abhängig ist.
Allerdings scheint Jaecoo bei den Besten abgeschaut zu haben. Die Bedienoberfläche arbeitet schnell und nachvollziehbar, erinnert an jene von Tesla und erleichtert damit die Eingewöhnung. Die Bündelung so vieler Funktionen beeinträchtigt dennoch die Bedienbarkeit. Warum zum Einstellen eines Aussenspiegels ein Menü oder Untermenü geöffnet werden muss, bleibt unverständlich.
Ebenso unerquicklich ist, bestimmte Fahrerassistenzsysteme bei jedem Losfahren erneut deaktivieren zu müssen. Eine physische Taste zum Stummschalten und/oder Abschalten würde einen grossen Teil dieses Ärgernisses beseitigen. Wenn Dacia so eine Lösung anbietet, warum nicht andere Hersteller?
Dafür verfügt das Lenkrad über eine frei belegbare Taste, die sich als sehr praktisch erwies. Sie kann die Assistenzsysteme zwar nicht abschalten, ich habe sie aber für den Wechsel zwischen den drei Rekuperationsstufen eingestellt. Das spart viele Eingriffe am Bildschirm und in dessen Menüs. Schaltwippen hinter dem Lenkrad wären noch besser.
Das Hybridsystem ist interessanter, als es zunächst wirkt
In Portugal wird der Jaecoo 7 ausschliesslich als Plug-in-Hybrid angeboten. Er kombiniert einen 1,5-Liter-Turbobenziner mit zwei Elektromotoren und einer 18,3-kWh-LFP-Batterie von BYD. Damit enden die Gemeinsamkeiten mit anderen Plug-in-Hybriden jedoch bereits.
Statt eines konventionellen Getriebes kommt eine DHT (Dedicated Hybrid Transmission) zum Einsatz. Diese vereint die beiden Elektromotoren – einen Generator und einen Antriebsmotor – mit Zahnrädern und Kupplungen. Sie verfügt nur über eine Übersetzung.
Dank dieser Einheit kann der Jaecoo 7 rein elektrisch fahren, wobei der Verbrennungsmotor ausgeschaltet bleibt. Zudem beherrscht er den seriellen Hybridbetrieb, bei dem der Verbrenner ausschliesslich Strom erzeugt und nicht mit den Rädern verbunden ist, den parallelen Hybridbetrieb mit gemeinsamem Drehmoment von Verbrennungs- und Elektromotor an den Rädern sowie den Direktmodus, in dem allein der Verbrenner die Räder antreibt.
Die DHT steuert diese Wechsel selbstständig. Das Prinzip ähnelt dem e:HEV-System von Honda, wobei hier ein wesentlich grösserer Akku eingesetzt wird. Wie dort ist bei höheren Reisetempi nur der 143 PS starke Benzinmotor mit den Rädern verbunden, weil dies effizienter ist, als für den Elektromotor erst Strom zu erzeugen.
Wie hoch ist der Verbrauch? Gute Frage
Der Benzinmotor des Jaecoo 7 erreicht einen thermischen Wirkungsgrad von 44,5 % – einen der höchsten Werte weltweit. Das übertrifft die 40–41 % der Toyota-Hybridmotoren und entspricht dem Niveau mancher Dieselmotoren. Entsprechend gross war die Neugier auf den Verbrauch bei entladenem Akku.
Zunächst zur Realität: Rein elektrisch sind 70–80 km möglich. Das liegt unter den offiziell angegebenen 90 km, reicht für die täglichen Wege vieler Menschen aber aus.
Ausserdem ist die Batterie nie wirklich „leer“. Fällt ihr Ladestand unter 20 %, greift der Benzinmotor ein, um eine Reserve zu halten. Man kann ihn sogar zum Nachladen des Akkus zwingen, ohne den Jaecoo 7 an eine Steckdose anzuschliessen.
Wie viel verbraucht er bei niedrigem Ladezustand? Eine exakte Antwort kann ich nicht geben. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen zeigt der Bordcomputer des Jaecoo 7 nur die letzten 50 gefahrenen Kilometer an, weshalb ich ihn laufend kontrollieren musste.
Wiederholt erschienen Werte um 5,5 l/100 km. Das ist sehr ordentlich und liegt unter den im WLTP-Ladeerhaltungsmodus angegebenen 6,0 l/100 km. Eine endgültige Bestätigung hätte den klassischen Vergleich von getankten Litern und gefahrenen Kilometern erfordert, wofür sich keine Gelegenheit ergab.
Hinter dem Lenkrad verliert der Jaecoo 7 am meisten
Zuerst das Positive: Trotz seiner Komplexität arbeitet das Hybridsystem ausgesprochen sanft. Man muss genau hinsehen, um Wechsel zwischen den Betriebsarten oder das Zuschalten des Verbrenners überhaupt zu bemerken.
Auch fühlt er sich schneller an, als die 8,5 s für den Sprint von 0 auf 100 km/h vermuten lassen. Weil die 279 PS nur unter bestimmten Bedingungen abrufbar sind, bewegt meist lediglich der 150-kW-Elektromotor mit 204 PS die knapp 1900 kg. Das erklärt die eher mässige Beschleunigung. Die unmittelbare Reaktion und das Fehlen von Gangwechseln vermitteln jedoch den Eindruck grösserer Schnelligkeit.
Sobald man dem Auto mehr abverlangt, treten aber seine grössten Schwächen zutage. Einen Sportwagen habe ich selbstverständlich nicht erwartet, doch dieses Familien-SUV liegt mehrere Klassen hinter seinen europäischen Rivalen.
Die Lenkung bleibt stets sehr leicht und unpräzise, als wäre sie nicht mit den Vorderrädern verbunden. Die Karosserie bewegt sich mehr als erwartet, und die Vorderachse verliert bei entschlossenerem Gasgeben verhältnismässig leicht an Traktion. Das Fahrverhalten wird nie unberechenbar oder unsicher, lädt aber schlicht nicht zum Fahren ein.
Seltsam ist, dass der Jaecoo 7 trotz seiner weichen Abstimmung auch beim Komfort nicht wirklich punktet. Kleine Unebenheiten bei niedrigen Geschwindigkeiten federt er gut ab, auf andere reagiert er hingegen überraschend harsch. Auch der Fahrersitz dürfte die Beine besser abstützen.
Auf der Autobahn gewinnt er einige Punkte zurück. Er liegt stabil und bleibt leise, wobei Wind- und Abrollgeräusche gut gedämmt werden. Weitere Pluspunkte bringt das Bremspedal, das sauber zwischen rekuperativer und hydraulischer Verzögerung übergeht. Die Empfindlichkeit des Bremspedals lässt sich sogar in zwei Stufen einstellen … ganz wie bei einem BMW M3.
Nach diesem Test bleibt der Eindruck, dass dem Jaecoo 7 eine zusätzliche Entwicklungsrunde in europäischen Händen guttun würde.






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