Nach sieben Generationen und rund 14 Millionen verkauften Fahrzeugen steht dem BMW 3er eine der tiefgreifendsten Veränderungen seiner Geschichte bevor, die 1975 begann und nun 51 Jahre umfasst.
Die Verbrennungsmotoren bleiben im Programm, doch erstmals muss sich der 3er die Aufmerksamkeit mit dem i3 teilen: Die rein elektrische Ausführung hat BMW bereits vor Monaten vorgestellt und die Produktion läuft schon.
Wodurch unterscheidet sich der nun präsentierte 3er vom i3, den wir seit März kennen? Wir haben ihn in München in Deutschland erstmals aus der Nähe gesehen und uns die Neuerungen angesehen.
Äußerlich bleibt der neue 3er eine Limousine mit 2,5-Box-Karosserie, langem Radstand und deutlich nach hinten geneigter Silhouette.
Das Erscheinungsbild an Front und Heck wird wesentlich von den Lichtsignaturen geprägt. Mit dem Paket Iconic Glow fällt die Optik nochmals markanter aus.
Dabei handelt es sich um einen beleuchteten Kühlergrill, der den Wagen vor allem bei Nacht leichter erkennbar macht. Zugleich ist er Teil der Willkommensanimation, die der 3er startet, sobald sich der Nutzer mit dem Fahrzeugschlüssel nähert.
Sowohl die Frontscheinwerfer, die gemeinsam mit dem Kühlergrill eine Einheit bilden, als auch die Rückleuchten mit 3D-Effekt sind schmal und horizontal ausgeführt. Sie ziehen sich so weit zur Mitte, dass sie einander beinahe berühren.
Kurze Karosserieüberhänge, kräftig ausgeformte Radhäuser, ein Panorama-Glasdach über die gesamte Länge des Innenraums sowie die hinten geringfügig breitere Spur prägen den Außenauftritt des 3er zusätzlich.
BMW 3er wächst in allen Dimensionen
Gegenüber seinem Vorgänger legt er außen um 5,2 cm in der Länge zu und misst nun 4,765 Meter. Die Breite steigt um 2,3 cm auf 1,850 m, während die Höhe lediglich um 0,7 cm auf 1,455 m wächst.
Der Radstand wurde zugleich um 1 cm auf 2,860 m verlängert. Die Spurweite nimmt um 2,8 cm zu und beträgt vorne beziehungsweise hinten 1,597 m und 1,617 m.
Im direkten Vergleich mit dem i3, mit dem er Fahrwerk, Elektronik, Außendesign und Innenraum teilt, zeigt sich: Der elektrische 3er ist 1,5 cm breiter, besitzt vorne eine um 1 cm größere und hinten eine um 0,3 cm kleinere Spurweite. Die entscheidenden Unterschiede liegen beim um 3,7 cm längeren Radstand und bei der um 2,5 cm höheren Karosserie. Hier macht sich die große Batterie des i3 zwischen den Achsen am deutlichsten bemerkbar.
Innenraum mit BMW Panoramic iDrive
Im Innenraum finden sich optisch und funktional ähnliche Elemente wie im kürzlich eingeführten iX3, die auch aus dem i3 bekannt sind. Dazu zählt insbesondere das Infotainmentsystem BMW Panoramic iDrive, das Inhalte über die gesamte untere horizontale Zone der Windschutzscheibe projiziert.
Vor dem Fahrer zeigt diese breite Anzeige die für ihn relevanten Informationen, während der übrige Bereich individuell konfigurierbar ist. Daten können dabei zum oder vom hinterleuchteten zentralen 17,9-Zoll-Infotainmentbildschirm übertragen werden. Dieser ist gegenüber dem iX3 um genau drei Grad stärker zum Fahrer geneigt.
Das Lenkrad hat einen kleinen Durchmesser, einen dicken Kranz sowie oben und unten abgeflachte Bereiche. Es verfügt über haptische Bedienelemente, die teilweise hinterleuchtet sind: Weiß signalisiert eine verfügbare Funktion, Grün eine aktivierte Funktion.
Der technologische Anspruch zeigt sich außerdem im Head-up-Display mit animierten Grafiken, optionalen 3D-Effekten und Augmented Reality sowie im intelligenten Bordassistenten, der Funktionen künstlicher Intelligenz und Amazon Alexa verbindet.
Der 3er kann mit einem Panorama-Glasdach ausgestattet werden, das sich über die gesamte Länge des Innenraums erstreckt. Es sorgt tagsüber für mehr Helligkeit und besitzt ein Filtersystem gegen Sonneneinstrahlung, um eine Überhitzung zu vermeiden.
Kofferraum verliert 30 Liter
Der Kofferraum fasst 450 Liter und damit 30 Liter weniger als beim Vorgänger. Durch das vollständige oder im Verhältnis 40:20:40 geteilte Umklappen der hinteren Sitzlehnen lässt sich das Ladevolumen erweitern.
Der i3 bietet im Hauptkofferraum mit 420 Litern etwas weniger Platz, gleicht dies jedoch teilweise durch zusätzliche 31 Liter Stauraum unter der vorderen Haube aus. Unterm Strich ist das Ladevolumen bei beiden Modellen exakt gleich.
Keine Dieselmotoren
Für den neuen 3er sind drei Benzinmotorisierungen vorgesehen. Alle sind aufgeladen und jeweils mit einem 48-Volt-Mild-Hybrid-System kombiniert.
Dieselmotoren? Fehlanzeige. Im Jahr 2027 folgt jedoch eine Plug-in-Hybrid-Version. Unabhängig von der gewählten Motorisierung übernimmt stets die achtstufige Steptronic-Automatik mit Drehmomentwandler die Kraftübertragung.
In Portugal startet das Angebot des neuen 3er mit dem heckangetriebenen 320. Sein 2,0-Liter-Vierzylinder leistet 211 PS/330 Nm, erreicht 240 km/h Höchstgeschwindigkeit und absolviert den Sprint von 0 auf 100 km/h in 7,4 Sekunden.
Den Benzinmotor unterstützt ein 48-Volt-Mild-Hybrid-System mit einem kleinen Elektromotor. Dieser sitzt vorne am Motor an der Stelle, an der üblicherweise die Lichtmaschine untergebracht wäre, und steuert 8 kW/11 PS sowie 25 Nm bei.
Im Vergleich zum Vorgänger 320 ist der zusätzliche Elektromotor in den Fahrleistungen allerdings kaum spürbar: Die Beschleunigung bleibt identisch, die Höchstgeschwindigkeit steigt nur um 5 km/h. Auch beim Verbrauch bringt er keinen Vorteil – der frühere 320 kam auf 6,5 l/100 km.
Die „Schuld“ trägt das deutlich gestiegene Gewicht des 320, das von 1590 auf 1755 Kilogramm zunimmt und den Effizienzgewinn „aufhebt“ – obwohl der neue 320 über 27 PS und 30 Nm mehr verfügt.
An der Spitze der Baureihe steht zunächst der M350 xDrive (Allradantrieb) mit 3,0-Liter-Reihensechszylinder und Mild-Hybrid-System. Dieses wird von einer 0,9-kWh-Batterie unterstützt, die doppelt so groß ist wie jene im Vorgänger.
Der Benzinmotor liefert 426 PS/540 Nm. Gemeinsam mit den 13 kW/18 PS und 200 Nm des Elektromotors steigt die Gesamtleistung des Antriebs auf 443 PS/580 Nm.
Gegenüber dem bisherigen M340i xDrive bedeutet das ein Plus von 51 PS und 50 Nm sowie eine um zwei Zehntelsekunden bessere Beschleunigung von 0 auf 100 km/h.
Auch das Fahrwerk wurde überarbeitet
Beim Fahrwerk setzt der neue 3er auf zwei Einzelradaufhängungen: vorne mit doppelten Dreieckslenkern, hinten mit einer Fünflenkerachse. Hinzu kommen variable elektronische Dämpfer beim 310 und M350 xDrive, innenbelüftete Bremsscheiben an allen vier Rädern sowie eine variable Sport-Servolenkung in den Topversionen.
Und die Preise?
In Portugal beginnen die Preise für den neuen BMW 3er beim 320 bei 53.600 Euro. Der M350 xDrive ist für 92.000 Euro erhältlich.
Dort dürfte sich ein beachtlicher Teil der potenziellen Käufer für den i3 entscheiden, dessen Preise attraktiver ausfallen als in anderen Märkten. Der Grund: Elektroautos werden in Portugal steuerlich geringer belastet als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.






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