Zum Inhalt springen
Nachrichten

BMW 320d: Abschied von einer Diesel-Ikone

Blauer BMW 320d Legend Limousine im Autohaus vor großen Fenstern stehend, modernes Design und sportliche Felgen.
In diesem Artikel
  1. Das Ende des BMW 320d
  2. Fast 30 Jahre BMW 320d
  3. BMW 320i als Nachfolger des Diesel

Wer Autos liebt, müsse dem Ende eines Dieselmotors keine Träne nachweinen – diese Haltung kann ich akzeptieren, teile sie aber nicht. Mit zunehmendem Alter fühle ich mich diesen Debatten über die vermeintliche Noblesse von Motoren immer weniger verbunden. Der „junge Guilherme“ wäre wohl erstaunt, dass der „erwachsene Guilherme“ hinter dem Lenkrad eines langsamen, aber leisen Mercedes 190 D (W201) ausgesprochen glücklich war und inzwischen sogar ein Elektroauto in der Garage stehen hat.

Für mich ist heute dennoch ein trauriger Tag. Vielleicht habt ihr die Nachricht bereits gehört: Der gute alte BMW 320d hat seine Papiere für die Pension eingereicht. Mit der neuen G50-Generation der 3er-Reihe endet diese Variante. Wer diese deutsche Limousine künftig mit Verbrennungsmotor möchte, muss zum Benziner greifen.

Das Ende des BMW 320d

Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Seien wir realistisch: Die Zeiten haben sich gewandelt, Diesel ist sehr teuer geworden, die Verkaufszahlen sind gesunken – und BMW hat richtig entschieden, bei diesem Motor den Stecker zu ziehen. Alle Details findet ihr in diesem Video:

Für die Jüngeren sei jedoch gesagt: Es gab eine Zeit, in der wir Automagazine aufschlugen und bei Dieselmotoren nur staunen konnten. Einer dieser Augenblicke kam 1998, als BMW der Welt die E46-Generation der 3er-Reihe präsentierte.

In dieser Baureihe führte BMW seinen neuen 2,0-Liter-Turbodiesel mit vier Zylindern und Direkteinspritzung ein, den M47D20. Damit begann die goldene Ära der Dieselmotoren.

Der kompakte, aber kräftige Motor leistete 136 PS und brachte es einige Jahre später sogar auf 150 PS. Für alle, die bei Autos mit mehr als 300 PS nur noch gähnen: Damals waren das Werte, die Respekt einflössten. Der Fortschritt war so deutlich, dass der vorherige BMW 318tds daneben wie eine Nähmaschine wirkte.

Fast 30 Jahre BMW 320d

Im Lauf der Jahre gewann der BMW 320d sowohl an Leistung als auch an Effizienz. Diesel und sportlich in einem Satz zu nennen, begann plötzlich Sinn zu ergeben. Ob man dem zustimmt oder nicht: Lange Zeit war er einer der wichtigsten Verkaufstreiber der Marke.

Seine Laufbahn erstreckte sich über beinahe 30 Jahre. BMW stolperte dabei über den N47, der bis heute die Meinungen spaltet, und schloss den Kreis mit dem B47. Dieser beendete seine Karriere in der nun auslaufenden 3er-Reihe der Generation G20. Sein Abschied fiel eindrucksvoll aus: 190 PS, ein Sprint von 0 auf 100 km/h in weniger als 7 Sekunden und ein Verbrauch von unter 5 Litern auf 100 km.

Und das gelang ihm, obwohl BMW – wie praktisch alle Hersteller – zwischen Krümmer und Auspuffendrohr ein regelrechtes Labor zur Abgasnachbehandlung unterbringen musste. Er hielt dagegen, erwies sich als zäher Gegner und verabschiedete sich effizienter sowie leiser als je zuvor.

BMW 320i als Nachfolger des Diesel

Nun übergibt er den Staffelstab. Für alle, die es sich leisten können, kein Elektroauto zu haben – ja, leisten können … – und auf der Autobahn ohne Sorgen um das Tempo unterwegs sein wollen, gibt unser 320d die Rolle an einen anderen alten Bekannten weiter, der immer wichtiger geworden ist: den BMW 320i. Auch dieser Motor hat über die Jahre seinen Durst gezügelt und zugleich an Kraft gewonnen – dank Turboladern mit variabler Geometrie und Direkteinspritzung, also genau jenen Kniffen moderner Diesel.

Gemeint ist der BMW-Motor B48, der so tüchtig ist, dass selbst Toyota ihn sich für den Supra ausgeborgt hat. Und gerade sie sind bei der Frage der Zuverlässigkeit heikel …

Doch auch das Ende dieses Motors ist bereits absehbar. Natürlich ist das den Elektroautos zu verdanken, die immer weitere Strecken schaffen und auf ein immer dichteres Ladenetz zurückgreifen können. Zugleich tragen unsere Regierungen Verantwortung: Sie haben die Regeln für die Raffination in Europa so stark verschärft, dass sie mit einem Schlag sowohl unserer Energiesouveränität – wir importieren immer mehr Kraftstoffe – als auch unserem Geldbörsel geschadet haben. Bei Kraftstoffpreisen von mehr als 2 Euro je Liter kann kein Verbrennungsmotor bestehen. Wenn das so weitergeht, muss man das Ende der Verbrennungsmotoren nicht einmal mehr im Kalender markieren. Sie werden von selbst ersticken: an Steuern und schlechten Entscheidungen.

Mit diesen letzten Sätzen wird mir klar, dass die Nostalgie vielleicht nicht allein diesem Motor gilt. Sie hängt ebenso mit dem zusammen, wofür er stand: ein starkes und pragmatisches Europa, das sich nicht selbst ein Bein stellte.

Gerade beliebt

Katharina Leitner

Katharina Leitner ist Kulturwissenschafterin und Autorin aus Graz mit Schwerpunkt auf österreichischer Alltagskultur und regionalen Sprachbesonderheiten. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Schmolik, dessen Traditionen, Bedeutungen und zeitgemäßen Entwicklungen, und sammelt dazu Geschichten, Rezepte und Erfahrungsberichte aus ganz Österreich.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen