Das ist nicht gerade die übliche Fahrt zur Schule. Wir befinden uns auf rund 1.500 Metern Höhe, mitten in einem Schneesturm, der jede Sicht nimmt. Der Asphalt ist schon lange verschwunden, kurz darauf auch die Straßenränder, und nun ist der Himmel voller Schnee. Zu erkennen sind nur noch die dünnen Stangen, die markieren, wo früher einmal die Fahrbahn endete.
Draußen gibt es Wölfe und Bären, unmittelbar neben der Straße liegen dampfende Schlammtümpel, und irgendwo dort drüben geht es etliche Dutzend Meter hinunter in einen Canyon. Zum Glück sitze ich in einem Auto, mit dem man Kinder zur Schule bringt.
Mit dem Jeep Grand Cherokee im Schneesturm
Es ist ein großer Geländewagen mit Allradantrieb, genauer gesagt ein Jeep Grand Cherokee 2.7 CRD Overland. In Montana ist das ein Tag wie jeder andere. Ich bin im Yellowstone-Nationalpark, wo jedes Jahr trotz Warnschildern vor angreifenden Bisons und brühend heißem Schlamm mehrere Dutzend Menschen aufgespießt oder zu Tode verbrüht werden. Hier bitte eine Pause für einen grausamen Amerikanerwitz einlegen.
Ein angreifender Bison erreicht rund 48 km/h und würde unseren Grand Cherokee in diesem Schnee mühelos einholen. Daran ändert auch Quadra-Drive nichts: Jeeps ausgeklügeltes Allradsystem erkennt das anliegende Drehmoment und ist leistungsfähiger als die meisten vergleichbaren Systeme.
Doch ich schweife ab. In der städtischen Vorstadtlandschaft, wo dieser Grand Cherokee vermutlich meistens eingesetzt wird, ist die Fähigkeit, mit einem Schneesturm ohne Sicht zurechtzukommen, eher theoretisch gefragt. Dort entscheidet man sich aus ganz anderen Gründen für große, komfortable Geländewagen mit Allradantrieb. Zwei davon sind Status und eine eindrucksvolle Erscheinung.
Ausstattung und Fahrwerk des Grand Cherokee Overland
In beiden Punkten ist der Grand Cherokee gegenüber neueren Modellen wie dem BMW X5 und der Mercedes M-Klasse etwas ins Hintertreffen geraten. Auch seine Vorliebe für die gute alte, aber kostspielige Kraft eines US-V8 half ihm nicht gegen die vielleicht weniger begeisternden, dafür sparsameren Diesel seiner Konkurrenten.
Vor einem Jahr erhielt eine Ausführung des großen Jeep einen Daimler-Diesel. Nun steckt derselbe Motor auch im Spitzenmodell Overland und soll jenen vornehmen Dieselwagen bieten, den wir Europäer offenbar haben wollen.
Entsprechend komplett fällt die Ausstattung aus: Ein CD-Spieler für zehn CDs, Verkleidungen aus Wildleder und Leder, elektrisch verstellbare Sitze, Redwood-Maserholz am Armaturenbrett und Fünfspeichen-Leichtmetallräder sind an Bord. Dazu kommen Schutzschienen für die Schweller, falls jemand tatsächlich so ausgefallen sein sollte, ins Gelände zu fahren. Für die Modelle des Jahres 2003 wurde der Fahrkomfort verbessert, außerdem lassen sich Bremsen und Lenkung leichter betätigen. Weshalb man Letzteres für nötig hielt, ist schwer nachvollziehbar: Beim Lenken des großen Jeep kam man noch nie ins Schwitzen. Ebenso wenig war die Federung vorher ausgesprochen bretthart.
Dieselantrieb und amerikanischer Charakter
Der 2,7-Liter-Fünfzylinder-Diesel mit Common-Rail-Einspritzung zieht so gelassen durch, wie man es von einem solchen Motor erwartet. Er leistet rund 165 PS, wichtiger sind jedoch die rund 400 Nm Drehmoment, die schon bei weniger als 2.000 Umdrehungen anliegen. Damit erfüllt er sämtliche Anforderungen an einen modernen Diesel: Abgesehen von einem leichten Nageln im Hintergrund beim Start läuft er ruhig, sein Verbrauch hält sich mit rund 9,7 l/100 km in Grenzen, und bei Autobahntempo fühlt er sich wohl. Wirklich schnell ist er zwar nicht, doch wenn er aus dem Stand schneller beschleunigen soll als ein Bison, macht er sich auch nicht völlig lächerlich.
Für den europäischen Markt wird der Overland in Österreich gebaut. Mit seinen weichen Sitzen, dem komfortablen Fahrverhalten sowie Anmutung und Stil des Innenraums gibt er sich dennoch unverhohlen amerikanisch. Warum auch nicht? Ein paar Tage in den USA erinnern daran, dass Geländefahren dort weit mehr bedeutet, als zwei Räder auf den Randstein zu stellen.
Kevin Blick






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