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Lexus LC500 Limited Edition: der sanfte Sportwagen im Test

Schwarzer Lexus Sportwagen auf Kopfsteinpflaster an Hafenpromenade bei Sonnenuntergang vor historischen Gebäuden.
In diesem Artikel
  1. Lexus LC500 Limited Edition: V8 und Sonderausstattung
  2. Anzeigen und Bedienung im Lexus LC500
  3. Der Lexus LC500 auf der Straße

Der Lexus LC500 Limited Edition ist mein Sportwagen für die Rückkehr ans Steuer. Er ist nicht nur das erste Auto dieser Art, das ich nach vier Monaten Lockdown gefahren bin, sondern auch das erste, mit dem ich nach einer Operation wieder etwas zügiger unterwegs war. Bei diesem Eingriff verlor ich aus wirklich beängstigenden Gründen meinen linken Hoden.

Diese allzu persönliche Mitteilung ist tatsächlich von Bedeutung. Normalerweise mag ich Autos nämlich „hart“. Je schmaler der Schalensitz und je straffer der Renngurt sitzt, desto besser. Auch bei der Zahl der Entwicklungsrunden auf einer 21 Kilometer langen deutschen Mautstrecke lautet meine Vorliebe: „viele“. Eine kräftige Klimaanlage und eine ordentliche Stereoanlage sind zwar willkommen, aber keineswegs unverzichtbar.

Doch vorübergehend hat sich mein Geschmack geändert. Und wenn ein Auto genau auf das zugeschnitten scheint, wonach mir und meiner unteren Körperhälfte zuletzt der Sinn stand, dann ist es der Lexus LC: Hinter seiner Supersportwagen-Optik verbirgt sich ein ausgeglichener Gran Turismo.

Lexus LC500 Limited Edition: V8 und Sonderausstattung

Serienmäßig gibt es zwei Varianten, deren Preise nur wenige hundert Pfund auseinanderliegen und jeweils bei etwa 80.000 Pfund beginnen. Der LC500 besitzt einen herrlich altmodischen 5,0-Liter-V8, während der LC500h mit einem V6-Benzin-Elektroantrieb einen völlig anderen Weg einschlägt. Auch wenn es wenig überraschend klingen mag: Uns hat der Erstere schon immer deutlich besser gefallen. Er ist obendrein der günstigere der beiden, obwohl seine 464 Brems-PS erheblich mehr sind, als der Hybrid leistet.

Auch hier fahren wir den V8, und zwar als Limited Edition für 90.425 Pfund. Das Sondermodell interpretiert die Kombination aus Grün und hellbraunem Leder auf eigene Weise – jene Farbpaarung also, die Autonarren wie wir unermüdlich als „das, was man haben will“ anpreisen.

Außen trägt der Wagen einen satten Farbton, der sich je nach Wetter verändert. Unter der typisch britischen Wolkendecke verschmilzt er allerdings mit den Hecken am Straßenrand – etwas, das schüchterne Gemüter wie ich lieben. Im Innenraum erwartet einen ein Braun wie aus den Siebzigerjahren, das erstaunlich gut zu den wilden Linien und Einschnitten im Cockpit des LC500 passt.

Anzeigen und Bedienung im Lexus LC500

Insgesamt lenkt diese Gestaltung wohl angenehm davon ab, dass das Auto an Stellen nach seiner inzwischen vorgestellten Modellpflege verlangte, an denen man es nicht unbedingt erwarten würde. Technisch beeindruckt zwar, wie die digitalen Instrumente beim ersten Druck auf den Startknopf erwachen. Auch der Drehzahlmesser, der beim Blättern durch den Bordcomputer schön, aber zweckfrei zur Seite surrt, ist ein Schauspiel. Eine Smartphone-Anbindung fehlt jedoch, weshalb man auf das bordeigene Unterhaltungssystem von Lexus angewiesen ist.

Das wäre kein Problem, würde es nicht über das haptische Bedienfeld gesteuert, das einem gelegentlich – nun ja – empfindlich auf die Nerven geht. Es ist auf eine vergnüglich eigenwillige Art gestaltet, wie man sie von japanischen Sportwagen seit jeher kennt, bis zur Eingewöhnung aber ausgesprochen unfreundlich in der Bedienung.

Der Lexus LC500 auf der Straße

Meine frühere Erfahrung mit dem LC500 beschränkte sich auf die durchnässte Rennstrecke von Knockhill. Dort war er so lebhaft, dass meine Oberarme danach an Popeye nach einer Portion Spinat erinnerten. Weiter unten ist zu sehen, wie Chris Harris vorführt, was ich erreichen wollte. Auf trockener Straße geht es wohl zwangsläufig weit weniger wild zu: Hier verhält sich der Wagen viel eher so, wie es seine Gran-Turismo-Anlagen erwarten lassen.

Sobald man sich – etwas vorsichtiger als sonst – in den Sitz hinabgelassen hat und sich vom wilden Äußeren nicht länger täuschen lässt, gibt es reichlich Hinweise darauf, was man erwarten darf.

Die Automatik hat zwar zehn (!) Gänge, diese sind aber überraschend lang übersetzt. Innerhalb der britischen Tempolimits lässt sich daher nur der zweite Gang bis zum wunderbaren Crescendo des V8 ausdrehen. Das macht nachdrücklich klar, dass dies kein Sportwagen ist, noch bevor das Leergewicht von zwei Tonnen und die gelegentlich ungebärdigen Karosseriebewegungen ihren Beitrag dazu leisten können.

Fünf Fahrmodi stehen zur Wahl, von Eco bis Sport+. Ob man nun einen heiklen Eingriff hinter sich hat oder nicht: Ich vermute, dass man rasch bei Comfort bleiben wird. Zwar zeigt dieses Auto eine animalische Seite, wenn man sie sucht. Dennoch dürfte man häufiger den direkten Weg wählen als die längere, landschaftlich reizvollere Strecke. Seine beruhigende Art wird einen wohl öfter in ihren Bann ziehen, als man in die ernsthafteren Modi schaltet und ihm sagt, was es zu tun hat.

Vielleicht macht die typisch japanische Modellpflege den LC sportlicher: Die äußere Hülle blieb unbeachtet, während darunter mit forensischer Genauigkeit nachgebessert wurde. Fahrwerkskomponenten wurden etwas leichter, das Getriebe reagiert direkter, und dem V8 entlockte man ein wenig mehr Klang, obwohl er weiterhin zurückhaltend bleibt, solange man ihn nicht hart hernimmt.

Was ich mir am Ende wünschte, war nämlich ein aufgemotzter LC F, der die in den sportlicheren Modi des LC500 freigesetzte Angriffslust auf die Spitze treibt. Ein kleiner LFA, der meinem üblichen, im Schritt etwas unsanften Geschmack viel eher entspricht; ein Sportwagen mit einem ordentlichen Paar … Sie wissen schon. Ich verspreche aber, dass man auch ohne auskommt. Und das nicht nur, weil dieser grün-hellbraune Sanftling es beweist.

7/10

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Katharina Leitner

Katharina Leitner ist Kulturwissenschafterin und Autorin aus Graz mit Schwerpunkt auf österreichischer Alltagskultur und regionalen Sprachbesonderheiten. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Schmolik, dessen Traditionen, Bedeutungen und zeitgemäßen Entwicklungen, und sammelt dazu Geschichten, Rezepte und Erfahrungsberichte aus ganz Österreich.

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