Mein Gott, wie groß ist denn dieser Mann?
Ja, neben einem echten Porsche 550 Spyder wäre das möglicherweise ein Fall für das Guinness-Buch der Rekorde. Tatsächlich steht hier aber ein Motorjournalist von ganz gewöhnlicher Größe neben dem Porsche 550 J von Hedley Studios, der im Maßstab 80 Prozent gebaut wird. Und ist dieses kleine Auto nicht großartig?
Hedley Studios – wer war das noch einmal?
Erinnern Sie sich an The Little Car Company? Das Unternehmen wurde 2024 in Hedley Studios umbenannt und erlebte danach finanziell schwierige Jahre. Inzwischen hat der ursprüngliche Gründer Ben Hedley die Firma gemeinsam mit neuen und zurückkehrenden privaten Investoren wieder übernommen. Wie es heißt, sicherte diese Vereinbarung die Zukunft des Unternehmens. Der 550 J ist bereits die sechste Zusammenarbeit mit einem Fahrzeughersteller, bei der ein Klassiker im Kleinformat entsteht.
Was war der Porsche 550 noch einmal?
Gut, dass Sie fragen. Der 550 Spyder mit Mittelmotor war das erste eigens als Rennwagen entwickelte Auto von Porsche. Nach seiner Vorstellung im Jahr 1953 machte er sich rasch als Bezwinger weit größerer Gegner einen Namen: Trotz seines vergleichsweise bescheidenen 1,5-Liter-Vierzylinder-Boxermotors holte er allerorts Klassen- und Gesamtsiege.
Von 1953 bis 1956 entstanden rund 90 Exemplare des ursprünglichen Modells. Danach baute Porsche weitere 40 Fahrzeuge vom Typ 550A, die einen leichteren und steiferen Gitterrohrrahmen besaßen. Mit diesem Modell gelang Porsche bei der Targa Florio 1956 der erste große Sieg im Sportwagensport. Dass Originale heute für viele Millionen Pfund verkauft werden, überrascht daher kaum.
Wie hat Hedley Studios den 550 J gebaut?
Das J steht, wie Sie sich vielleicht schon gedacht haben, für Junior. Hedleys kleine Kreation ist 2,9 Meter lang und 1,2 Meter breit. Für die Entwicklung des 550 J gewährte Porsche den Briten uneingeschränkten Zugang zu seinen Archiven. Nach dem Studium der ursprünglichen technischen Zeichnungen und einem 3D-Scan eines 550 in Originalgröße entwickelte Hedley eine Gitterrohrkonstruktion, die jener des 550A ähnelt.
Auch die Vorderradaufhängung mit doppelten Längslenkern und die Pendelachse hinten übernahm Hedley nach dem Vorbild von Porsche. Dazu kommen allerdings moderne Scheibenbremsen von Brembo, Federn von Eibach und Stoßdämpfer von Bilstein. Nicht schlecht.
Die verkleinerten Karosserieteile bestehen heute vollständig aus Kohlefaser. Dennoch sind alle klassischen Details des 550 zu erkennen: die ausgeformten Kotflügel vorne und hinten, der einzelne Spiegel und die Lüftungsschlitze über dem Motorraum. Dort fehlt allerdings eindeutig ein luftgekühlter Motor. Tatsächlich fehlt überhaupt ein Motor dieser Art, denn wie alle Kreationen von The Little Car Company fährt auch dieses Fahrzeug elektrisch.
Und wie lauten die technischen Daten?
Im 550 J arbeitet ein 48-Volt-Antrieb, der einen Elektromotor mit rund 11,2 PS mit zwei kleinen Lithium-Ionen-Batterien zu je 1,8 kWh kombiniert. Da das Auto lediglich 330 Kilogramm wiegt, erreicht es dennoch rund 64 km/h und kommt ungefähr 48 Kilometer weit.
Wer für den Grand Prix im eigenen Garten mehr Kraft möchte, kann das optionale RS Pack bestellen. Es steigert die Leistung auf rund 21,3 PS, die Höchstgeschwindigkeit auf etwa 80 km/h und die Reichweite auf rund 80 Kilometer. Möglich machen das zwei zusätzliche Batteriepacks.
Sitzt man darin überhaupt bequem?
Laut Hedley bietet das Cockpit tatsächlich mehr Beinfreiheit als das Original. Außerdem sollen im Junior zwei Erwachsene nebeneinander Platz finden. Ausprobiert haben wir diese Behauptung nicht, können aber bestätigen, dass ein großes Kind mit 1,85 Metern Körpergröße hinter dem Lenkrad reichlich Platz hat.
Der Innenraum ist ausgesprochen hübsch gestaltet: Die Sitze sind mit Leder bezogen, dazu gibt es ein Holzlenkrad von Nardi und Instrumente, die genau wie jene des Originals aussehen, nun aber sämtliche für ein kleines Elektroauto nötigen Daten anzeigen. Wie man uns erklärt, sollen die Fahrzeuge von Hedley Studios jedoch „keine sklavisch genauen Nachbildungen sein“. Deshalb gibt es auch eine Verbeugung vor modernen Porsche-Modellen: den Fahrstufenwahlschalter und den Drehregler für die Fahrmodi in schön gefräster Ausführung.
Wie fährt sich der Porsche 550 J?
Auf dem Weg zur Handlingstrecke im Porsche Experience Centre in Silverstone stellen wir den Drehregler natürlich sofort auf Sport+. Damit steht die volle Höchstgeschwindigkeit von rund 64 km/h im Serienfahrzeug zur Verfügung. Die rasante Beschleunigung, die man von einem Elektroauto vielleicht erwarten würde, bietet es allerdings nicht. Vermutlich ist das auch besser so, schließlich sitzt man nicht angeschnallt im Auto.
In Kurven ist der 550 J dafür ausgesprochen liebenswert. Weil die Batteriepacks hinter dem Fahrer dicht an der Trennwand sitzen, fühlt er sich beim Herumwerfen tatsächlich wie ein kleiner Mittelmotor-Sportwagen an. Auf den 13-Zoll-Stahlrädern sitzen Ökoreifen eines Renault Twizy, und auf feuchter Strecke geht es reichlich seitwärts. Sogar eine hydraulische Handbremse ist vorhanden.
Will man da nicht unbedingt das RS Pack?
Nach einigen Runden steigen wir in das stärkere Auto um. Und ja, die zusätzlichen 9.500 Pfund würde man wohl schon allein für die Verdoppelung der Leistung ausgeben. Der Wagen wirkt sofort verspielter. Wer möchte, kann ihn sauber und schnell fahren, doch viel mehr Spaß macht es, kräftig auf die Bremse zu steigen, Vollgas zu geben und am Lenkrad zu kurbeln, während man sich als übergroßer Rennfahrer der 1950er-Jahre ausgibt. Weil das Auto so klein ist, bleibt auf einer normal breiten Straße mehr Platz zum Spielen – und den wollen wir nutzen.
„Weil die Batteriepacks hinter dem Fahrer dicht an der Trennwand sitzen, fühlt er sich tatsächlich wie ein kleiner Mittelmotor-Sportwagen an.“
Zum RS Pack gehören außerdem gelochte Bremsscheiben, die kräftig zupacken und ein ausgezeichnetes Pedalgefühl vermitteln. Hinzu kommen aufwendige einstellbare Stoßdämpfer. Diese sind vermutlich nützlich, wenn die riesige eigene Einfahrt gerade von Schlaglöchern übersät ist. Auf dem glatten Belag der kleinen Porsche-Strecke bekommen wir allerdings kaum Gelegenheit, den Fahrkomfort zu beurteilen.
Darf man damit auf öffentlichen Straßen fahren?
Leider wird es für den kompakten Porsche anders als für den Bentley Blower Jnr keine Ausführung mit Straßenzulassung geben. Man versichert uns allerdings, er sei „weitgehend an die L7e-Vorschriften angelehnt“. Vielleicht hilft es, sehr höflich nachzufragen?
Überzeugt bin ich schon – was kostet der Porsche 550 J?
Tja, das Auto mag winzig sein, der Preis ist es nicht. Vom 550 J werden nur 250 Exemplare gebaut; los geht es bei 69.500 Pfund.
Aber nicht vergessen: Es ist ein Porsche, und entsprechend stehen viele zusätzliche Optionen bereit. Hedley darf sogar auf die gesamte Farbpalette von Paint to Sample zugreifen. So lässt sich der kleine 550 passend zum modernen 911 konfigurieren. Auch eine Alcantara-Innenausstattung und sichtbare Kohlefaserteile sind erhältlich.
Oder man entscheidet sich ganz für den Retro-Look und lässt James Deans Little Bastard nachbilden. Ebenso möglich sind eine historische Rennlackierung, eine Miniaturausgabe des Porsche-Banjo-Lenkrads und Pepita-Stoff für die Sitze. Dazu lassen sich eine aerodynamische Verkleidung, eine vom Rennsport inspirierte Abdeckung für den Beifahrersitz und eine Aerodynamik-Windschutzscheibe bestellen. Gegen Aufpreis natürlich.
Hedley rechnet damit, dass im Schnitt rund 14.000 Pfund für Extras ausgegeben werden. Wer beim Ankreuzen allerdings etwas zu begeistert ist und sämtliche Optionen bestellt, verdoppelt den Grundpreis beinahe.






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