Mit dem direkt einbaufertigen Umrüstsatz von Electrogenic lässt sich ein alter Mini in der eigenen Garage zum Elektroauto machen. Angeblich ist der Einbau so unkompliziert, dass ihn sogar Anfänger schaffen …
„Das ist supereinfach“, stand in der Nachricht von Redakteur Rix. „Ziel ist es, den kompletten Elektrobausatz an einem Tag in einen Mini einzubauen. Beweise, wie einfach das ist.“ Ähm, schon klar. Ich gebe bereitwillig zu: Über Autos kann ich reden und schreiben, bis die Pferdestärken heimkommen. Mit dem Schraubenschlüssel bin ich allerdings nicht gerade am geschicktesten.
Der Bausatz ist das neueste Angebot von Electrogenic. Das Unternehmen aus Oxfordshire rüstet seit 2018 Klassiker um und baut auf freundliche Anfrage auch weiterhin Kundenautos selbst um. Weil sich inzwischen aber eine Warteliste von zwei Jahren angesammelt hat, treibt die Firma nun ihr Selbstbauprogramm voran. Jason Momoas elektrischen Rolls-Royce Phantom II von 1929 wird man im eigenen Wohnzimmer zwar nicht so bald nachbauen – Electrogenic hält dieses Projekt für „die ehrgeizigste und komplexeste Elektroauto-Umrüstung, die je durchgeführt wurde“. Beim Mini-Bausatz sind jedoch keine Arbeiten an der Hochvoltanlage nötig. Wer ein wenig mechanische Erfahrung, eine Hebebühne und ordentliches Werkzeug mitbringt, kann den Umbau deshalb selbst erledigen.
Fotos: Huckleberry Mountain
Genau diese unkomplizierte Handhabung wollen wir prüfen. Sie ist auch der Grund, weshalb der Electrogenic Mini für uns der Retro-Held des Jahres 2024 war. Ach ja: Der umgebaute Cooper-Kastenwagen hat außerdem den Moke und den Microlino klar hinter sich gelassen.
Electrogenic Mini: Vorbereitung und Elektroantrieb
Wenn wir heute noch mit dem Wagen aus der Werkstatt fahren wollen, sollten wir anfangen. Zum Glück hat mich Electrogenic in der Werkstatt, einer ehemaligen TWR-Anlage in Kidlington, nicht einfach in eine Ecke gestellt und mir selbst überlassen. Ingenieur Louis Hayes-Hamilton hilft mir seinen gesamten Arbeitstag lang dabei, diesen Rover Mini von 1996 in japanischer Ausführung in einen ordentlich umgebauten Elektroklassiker zu verwandeln.
Praktischerweise hat Electrogenic vor meiner Ankunft bereits zwei Tage in die Vorbereitung des Autos gesteckt und unter anderem den winzigen Motor der A-Serie ausgebaut. Der Umrüstsatz liegt dagegen genauso bereit, wie ihn auch Kunden erhalten würden. Erstaunlicherweise passt die gesamte Anlage unter die Motorhaube des ursprünglichen Mini und ist bereits auf einem neuen vorderen Hilfsrahmen montiert, den Electrogenic selbst fertigt.
Zum Paket gehören ein integriertes 3,3-kW-Wechselstromladegerät und ein Elektromotor mit 61 PS (45 kW). Darüber sitzt eine 20-kWh-Batterie, die für rund 129 Kilometer Reichweite sorgen soll. Eine weitere 20-kWh-Einheit im Kofferraum wird optional erhältlich sein, muss aber möglicherweise von einem der „Einbaupartner“ von Electrogenic montiert werden.
Wie sich herausstellt, ist der vordere Hilfsrahmen des Mini mit gerade einmal sechs Schrauben an der Karosserie befestigt. Nachdem wir die winzigen 12-Zoll-Räder abgenommen, die Kugelgelenke ausgebaut und die Stoßdämpfer gelöst haben, können wir den ursprünglichen Hilfsrahmen von Hand ablassen.
Um an dieser Stelle schneller voranzukommen, holt Louis fachkundige Verstärkung aus dem Electrogenic-Team. Dieser Mini soll später als Vorführwagen dienen – mutig, Top Gear überhaupt in seine Nähe zu lassen. Deshalb nutzen wir die Gelegenheit, Bremsscheiben, Bremsbeläge, Hauptbremszylinder, Bremsleitungen, Stoßdämpfer und jede Menge Buchsen zu erneuern, während die Radaufhängung auf den neuen Hilfsrahmen wandert. Wer den Umbau auf Elektroantrieb daheim vornimmt, würde vermutlich ebenfalls die Gelegenheit dazu nutzen – selbst wenn der Motor mit seinen 61 PS lediglich die Leistung des Originals erreicht.
Der Einbau des Elektrobausatzes in den Mini
Als Nächstes müssen wir das Auto auf seinen neuen Hilfsrahmen absenken und den 28 Jahre alten Mini mit seinem neuen Herzen bekannt machen. Dabei wird es an den Bremsleitungen, den Gummimanschetten der Antriebswellen und der Motorhaubenentriegelung äußerst eng. Nachdem wir geklärt haben, wo tatsächlich „hinten“ und „vorne“ ist, bringt Louis alles in Position – mithilfe einer Brechstange und ein paar Holzklötzen. Wer hätte gedacht, dass vorn in einem Mini so wenig Platz ist? Zeit fürs Mittagessen.
Nach noch einem Kaffee darf ich die Schrauben, die unseren neuen Hilfsrahmen mit der Karosserie verbinden, mit dem richtigen Drehmoment anziehen. Nur eine von sechs wird dabei rundgedreht – für mich eine durchaus ordentliche Bilanz. Die gesamte Anlage ist wassergekühlt, deshalb kommt als Nächstes der neue Kühler hinein, der von einem Motorrad stammt. Er sitzt an derselben Stelle wie bei einem Verbrennungsmotor, doch der Lüfter lässt sich ausgesprochen mühsam befestigen.
Ich verzichte darauf, Jeremys zeitsparende Caterham-Baumethode anzuwenden und Unterlegscheiben wegzulassen. Unter Louis’ Leitung wäre das ohnehin nicht durchgegangen: Eine vergesse ich versehentlich, und er bemerkt es binnen Sekunden. Anschließend wird der Hochvolt-Sicherungskasten montiert, und wir bekommen sämtliche benötigten Halterungen an ihren Platz. Ich sage „wir“, doch ohne Louis würde vorn wohl zwangsläufig noch immer ein riesiges Loch klaffen.
Die Zeit läuft davon, und das Team möchte noch vor Mitternacht nach Hause. Daher wird Ben Davies hinzugezogen, um sich um die Niedervoltverkabelung zu kümmern, während Louis die Bremsen entlüftet. Normalerweise müsste man bei einem solchen Umbau einen Schaltplan zur Hand nehmen und einige Kabel selbst verbinden. Ben hat jedoch schon zahlreiche Steckverbinder angebracht, um uns den Tag etwas leichter zu machen. Im Grunde muss nun fast alles nur noch zusammengesteckt werden. Der Bausatz von Electrogenic nutzt sämtliche vorhandenen Kabeldurchführungen, und am Armaturenbrett muss überhaupt nichts ausgeschnitten werden. Das Unternehmen ist stolz darauf, dass seine Umbauten rückgängig gemacht werden können, falls man es sich anders überlegt und wieder mit Benzin fahren möchte.
Jetzt gibt es für uns aber kein Zurück mehr. Wir bauen ein Gaspedal mit Potenziometer ein – tatsächlich dasselbe, das Electrogenic bei seinen Umbauten des Land Rover Defender verwendet, allerdings mit einer neuen Halterung. Dadurch kann beim Lupfen des Pedals die Bremsenergierückgewinnung einsetzen. Das einigermaßen hübsche Holzarmaturenbrett kommt mit nur drei Schrauben wieder an seinen Platz. Einfach. Electrogenic bindet alle ursprünglichen Schalter und Anzeigen ein, sodass bei Befolgung der Anleitung alles wie gewohnt funktionieren sollte. Auch der originale Kabelbaum bleibt erhalten, damit selbst die kniffligsten Teile wieder in den Serienzustand versetzt werden können.
In dieses Auto setzen wir einen Fahrstufenwähler aus dem 3-D-Drucker ein. Auf Kundenwunsch ließe er sich offenbar auch durch einen einfachen Schalter am Armaturenbrett ersetzen. Die Rückkehr zum Werkszustand könnte bei genau diesem Wagen allerdings etwas schwieriger sein als üblich: Ein Blick unter den Teppich verrät, dass er früher britisch-renngrün statt wie heute türkis lackiert war.
„Nach ein paar Runden um den Block wünschte ich, wir würden ihn behalten.“
Erste Fahrt mit dem elektrischen Electrogenic Mini
Als die Räder nach der Transplantation erstmals wieder festen Boden berühren, erwacht der Mini surrend zum Leben. Kunden erhalten eine Diagnose-App, mit der sie an diesem Punkt prüfen können, ob alles funktioniert, wie es soll. Wir verwenden hingegen das eigene Diagnosegerät von Electrogenic und können damit bestätigen, dass ich nichts allzu gründlich vermasselt habe. Die Antriebsstränge sämtlicher Mini-Bausätze werden vor dem Versand vollständig auf dem Prüfstand getestet, Überraschungen sollte es also keine geben. Die Temperaturen von Batterie, Motor und Wechselrichter sind allesamt zufriedenstellend. Nachdem wir die Vorderachse angehoben haben, können wir zudem überprüfen, ob der Bausatz seine Leistung an die Räder überträgt. Er lebt.
Während abends Nebel aufzieht, hebt sich das Rolltor, und ich fahre den elektrischen Umbau von Top Gear in die Dunkelheit. Nach ein paar Runden um den Block wünschte ich, wir würden ihn behalten. Der Elektroantrieb passt perfekt zum Auto: Jederzeit stehen 136 Nm Drehmoment bereit, und die Bremsenergierückgewinnung reicht aus, um mit nur einem Pedal zu fahren. Dazu gibt es weiterhin die herrliche Lenkung ohne Servounterstützung, und ein Gewichtsunterschied ist nicht spürbar. Dieser Umbau bietet sogar die Fahrmodi Normal, Eco und Sport.
Technisch steckt eine komplexe Konstruktion dahinter, doch Electrogenic hat den Bausatz so ausgelegt, dass ihn sogar ein Autojournalist montieren kann. Ich glaube, ich hätte es auch ohne die Hilfe der Ingenieure geschafft, die ihn entwickelt haben. Nun ja: mit der vollständigen Anleitung und einem Zeitlimit von zwölf Tagen statt zwölf Stunden.
Gründer und Geschäftsführer Steve Drummond erzählt uns, dass die ersten Bausätze zu Ostern 2025 verschickt werden sollen; endgültige Preise stehen aber noch nicht fest. Sein Ziel ist, dass Liebhaber rund 7.000 Pfund für ein Spenderfahrzeug ausgeben und anschließend den Bausatz kaufen und einbauen können – insgesamt für weniger als den Preis eines neuen Mini Cooper E um 30.000 Pfund. Wir wissen, welchen wir lieber hätten.






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