Unsere Reise durch die Sportwagen der 90er-Jahre geht weiter – ein Jahrzehnt, in dem auch Jeanskleidung schwer angesagt war.
Im dritten Teil unserer Liste taucht der erste Diesel auf – und zugleich der letzte. In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre erlebten Dieselmotoren, man verzeihe den Ausdruck, eine regelrechte „Explosion“. Doch passten sie überhaupt in einen Sportwagen?
Außerdem begegnen uns ein wohlerzogener Deutscher und zwei ziemlich freche Franzosen. Hoffentlich gefällt euch diese Auswahl an Taschenraketen.
Peugeot 106 Rallye (1993): das Messer zwischen den Zähnen
Ihr jungen Wölfe der Straße, die ihr heute schon über 30 oder sogar über 40 seid: Erinnert ihr euch noch an diesen kleinen Teufel? Falls nicht: Lange bevor sich das Bierbäuchlein bemerkbar machte und eure Haare vom Oberkopf in die Ohren abwanderten, habt ihr von genau diesem Auto geträumt. Dann kamen Kinder, Verpflichtungen und Großraumlimousinen …
Spaß beiseite: In den Geschichtsbüchern sollte stehen, dass zu den größten Jugendträumen jener Zeit der Peugeot 106 Rallye und … Pamela Anderson zählten. Über Pamela Anderson schreibe ich lieber nichts weiter, schließlich war ich 1993 erst sechs Jahre alt. Über den Peugeot 106 Rallye könnt und solltet ihr hingegen den Artikel lesen, auf den wir unten verweisen:
SEAT Ibiza GT TDI (1997): das Dieselfieber
Für Handel und Autoindustrie gab es eine Zeit vor und eine nach dem 1.9 TDI mit 110 PS aus dem Volkswagen-Konzern – für Freunde auch AFN genannt. Vielleicht begann mit diesem Motor erst der eigentliche Siegeszug des Diesels durch Europa. Der SEAT Ibiza blieb vom Dieselfieber ebenso wenig verschont wie von diesem Antrieb, der in einer endlosen Reihe von Modellen zum Einsatz kam – darunter auch Großraumlimousinen.
Zurück zum Ibiza: Der spanische Kleinwagen verkaufte sich bestens, als die Marke 1996 beschloss, sein Äußeres leicht zu überarbeiten und die Technik tiefgreifend zu verändern. Das Ergebnis war der neue SEAT Ibiza GT TDI – einer der gelungensten Auftritte des berühmten 1.9 TDI.
Weil Nutzfahrzeuge in Portugal steuerlich gegenüber den Pkw-Versionen stark begünstigt waren, brachte SEAT dort auch eine „Nutzfahrzeugversion“ des GT TDI heraus. Das Ergebnis war ein durchschlagender Erfolg.
Obwohl der Ibiza „nur“ 110 PS leistete, brachte er auch lediglich 1158 kg auf die Waage und stellte schon bei 1900 U/min ein Drehmoment von 235 Nm bereit.
Wer ihn gefahren war, lobte vor allem das kräftige Leistungs- und Drehmomentgefühl bei niedrigen Drehzahlen. Noch heute schwärmen manche vom Charakter der alten TDI-Motoren des Volkswagen-Konzerns mit Einspritzpumpe. Der Motor war so verbreitet, dass ihn die meisten Menschen – ob Fachleute oder nicht – allein am Geräusch erkannten. Zu dieser Gruppe von Motoren, bei denen man gar nicht erst hinsehen musste, gehörte auch jener des Ford Transit. Erinnert ihr euch?
Direkt vom Händler weg beschleunigte der SEAT Ibiza GT TDI in nur 10,5 s von 0 auf 100 km/h, lief über 200 km/h und verbrauchte im Alltag weniger als 5,0 l/100 km.
Ich sage ausdrücklich direkt vom Händler, denn danach behielten nur wenige ihre ursprünglichen Werte. Damals erreichte Portugal das Fieber der Diesel-Chipoptimierung: Für etwas mehr als 50 Contos in der alten Währung, also 250 Euro, ließ sich die Leistung um über 40 PS steigern, ohne die Zuverlässigkeit anzutasten – sagt man jedenfalls …
Abseits der Rauchwolken und extremen Umbauten, mit denen viele Ibiza GT TDI auf mehr als 300 PS gebracht wurden – zulasten der Umwelt und der Verkehrssicherheit –, bleiben sein Design, seine Zuverlässigkeit und eine Ausstattungsliste in Erinnerung, auf der damals wirklich nichts fehlte. Ein ausgezeichneter Kleinwagen und ein guter Sportwagen … trotz Diesel!
Volkswagen Golf GTI (1991): der wohlerzogene Junge
Wenn wir schon in Erinnerungen schwelgen, sollten wir uns auch daran erinnern: Bevor die Premiummarken in der Kompaktklasse ankamen, fiel dem Volkswagen Golf in seinen besser ausgestatteten Versionen die edle Aufgabe zu, die jungen Leute aus „gutem und wohlhabendem Hause“ zu befördern. Jung zu sein und einen Golf zu besitzen, galt als gesellschaftliches Statussymbol. Vielleicht legte die dritte Golf-Generation deshalb ihr bekanntes kämpferisches Auftreten ab und gab sich zivilisierter.
Der 1991 vorgestellte Golf GTI Mk3 startete zunächst mit einem betagten 2,0-Liter-Motor mit acht Ventilen und gerade einmal 115 PS. Die Ingenieure der deutschen Marke erkannten ihren Fehler, räumten ihn ein und brachten kurz darauf eine Variante desselben 2,0-Liter-Motors heraus – nun mit 16 Ventilen und deutlich interessanteren 150 PS.
Schon dieses Update genügte, damit der GTI zur Konkurrenz aufschloss. Dazu kamen eine hochwertigere Materialqualität und eine bessere Verarbeitung.
Weil junge Leute unabhängig von ihrem gesellschaftlichen Status gern aufs Gas steigen, stellte ausgerechnet Volkswagen selbst dem Golf GTI einen seiner größten Rivalen zur Seite. Der Golf VR6 besaß einen kompakten 2,8-Liter-V6 mit 190 PS. Für den Sprint von 0 auf 100 km/h brauchte er 7,0 s und ließ den traditionsreichen GTI mühelos hinter sich.
Aus all diesen Gründen erreichte der Golf GTI Mk3 nie die Beliebtheit seiner Vorgänger. Wie wir wissen, schaffte es Volkswagen mit der vierten Golf-Generation aber noch schlechter – erst mit der nächsten Generation kam alles wieder ins Lot …
Citroën AX GTi (1992): als 100 PS noch viel waren
Für mich ist er das beste Auto der Welt – warum, könnt ihr in diesem völlig unvoreingenommenen Artikel nachlesen, hüstel, hüstel! Noch bevor das Fieber um den Ibiza GT TDI und den Saxo Cup 16V ausbrach, diente der Citroën AX GTi vielen Menschen als Fahrschule. Die kleine Rakete hatte einen munteren 1,4-Liter-Motor mit acht Ventilen und 100 PS an Bord, wog nur 795 kg und erreichte 100 km/h in gerade einmal 8,7 s.
Das Modell hinterließ in Portugal deutliche Spuren, sowohl durch seinen Verkaufserfolg als auch im Motorsport. Die legendäre AX-Trophäe schrieb einige der unterhaltsamsten Kapitel im Rennsport. Ob serienmäßig oder bis zum Äußersten getunt: Die Autos ließen sich leicht vorbereiten und warten und machten am Steuer riesigen Spaß. Ich lade euch ein, den Artikel über diese französische „Taschenrakete“ zu lesen oder erneut zu lesen:






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