Zum Inhalt springen
Nachrichten

Defender bei der Rallye Dakar 2026: Der Sieg in der Stock-Klasse

Drei Land Rover Defender vor Zelten mit einem Team in Outdoor-Bekleidung bei Sonnenuntergang auf Sandboden.
In diesem Artikel
  1. Warum Defender die Stock-Klasse für die Dakar wählte
  2. Defender bei den Marathon-Etappen der Dakar 2026
  3. Defenders Weg zum Dakar-Sieg in der Stock-Klasse

Defenders überlegener Auftritt bei der Rallye Dakar 2026 wird vor allem wegen drei Dingen in Erinnerung bleiben: Die Marke gewann ihre Klasse gleich beim ersten Anlauf, der junge Fahrer Rokas Baciuška etablierte sich auf der Weltbühne und die Stock-Kategorie erlebte einen Aufschwung.

Für eine Marke, die so eng mit geländegängigen Allradfahrzeugen verbunden ist, wirkt es kaum vorstellbar, dass Defender heuer erstmals offiziell bei der legendären, zwei Wochen dauernden Geländelangstreckenrallye antrat. Tatsächlich war der Start bei der 48. Dakar überhaupt der erste Motorsport-Werkseinsatz der Marke. Ein Sprung ins kalte Wasser also.

Bei der Dakar anzutreten und alles mühelos aussehen zu lassen, gelingt normalerweise nicht. Defender kam dem allerdings ziemlich nahe: Zwischen dem 3. und 17. Jänner gewann das Team in Saudi-Arabien jeden Abschnitt – den Prolog als Qualifikationslauf und alle 13 Etappen – und sicherte sich damit den Sieg in der Stock-Klasse für serienbasierte Fahrzeuge. Nicht weniger als zehnmal belegte Defender sämtliche Podestplätze. Angeführt wurde der beeindruckende Vormarsch vom 26-jährigen Baciuška, der die Gesamtwertung von der ersten Etappe bis ins Ziel anführte und mit gewaltigen vier Stunden Vorsprung triumphierte. Dass Teamkollegin Sara Price den Doppelsieg komplettierte, machte den Erfolg noch schöner.

„Die drei Defender gemeinsam über die Ziellinie fahren zu sehen, ist der Höhepunkt einer unglaublichen Teamleistung“, fasste Defender-Geschäftsführer Mark Cameron zusammen. „Dass wir gleich bei unserem ersten Rennen gewonnen haben, ist historisch, und dann auch noch auf so beeindruckende Weise Zweite geworden sind. Der Teamgeist war einfach unglaublich. Sie sind alle sehr stolz.“

Warum Defender die Stock-Klasse für die Dakar wählte

Lange bevor Defender am Start in Yanbu an der Küste des Roten Meeres ankam, musste die Marke festlegen, wie ihr erstes Dakar-Abenteuer aussehen sollte. Eine Möglichkeit wäre die Kategorie T1+ gewesen, das Geländesport-Pendant zur Formel 1. Dort fahren eigens angefertigte Silhouetten-Prototypen auf Gitterrohrrahmen, die mit Fahrzeugen mit Kennzeichen fast nichts gemeinsam haben.

Defender entschied sich deshalb für die neue Stock-Kategorie, die Fahrzeugen in einer Ausführung vorbehalten ist, wie man sie tatsächlich im Schauraum kaufen kann. Getriebe, Antriebsstränge, Fahrgestell und Karosserie des Defender Dakar D7X-R stammen direkt vom Produktionsband im slowakischen Nitra. Selbst der 4,4-Liter-V8 mit zwei Turboladern kommt unmittelbar aus dem Defender OCTA. Die wesentlichen Anpassungen an den Rallye-Raid-Einsatz beschränken sich auf verbreiterte Radhäuser, etwas mehr Kühlung, Langstreckentanks, eine verstärkte Aufhängung und die vorgeschriebene Sicherheitsausrüstung.

Als Neueinsteiger setzte sich Defender für die Dakar 2026 ein einfaches Ziel: nach 8.000 Kilometern überhaupt ins Ziel kommen. Die konkurrierenden Toyota Land Cruiser und Nissan Patrol zu schlagen, stand zunächst nicht im Vordergrund. Daran änderte sich auch nichts, als Price, die bereits einen Lauf der Extreme E gewonnen hatte, am ersten Tag den kurzen Prolog für sich entschied. Die US-Amerikanerin und ihr Beifahrer Sean Berriman waren auf dem 23 Kilometer langen Abschnitt in Yanbu am schnellsten und durften dadurch ihre Position in der Startreihenfolge für die erste reguläre Etappe 24 Stunden später wählen. Die Teamkollegen Peterhansel und Baciuška unterstrichen den vielversprechenden Auftakt mit den Plätzen zwei und drei.

Am nächsten Tag zeigte sich, weshalb Defender sein Ziel bescheiden gehalten hatte. Die unerbittliche Dakar quittierte Price’ frühes Tempo auf Etappe 1 mit einem gebrochenen hinteren Aufhängungslenker. Zwei Stunden verlor sie, während sie auf einen Service-Lkw und Hilfe bei der Reparatur wartete. Auch Peterhansel musste sich gehörig anstrengen: Ein Problem mit der Servolenkung bescherte ihm ein ungeplantes Oberkörpertraining. Teamkollege Baciuška hatte es zum Glück weniger beschwerlich. Auf der 305 Kilometer langen Strecke holte er Platz eins und übernahm die Führung in der Stock-Klasse. Damals ahnte noch niemand, dass er sie nicht mehr abgeben würde.

Price verkörperte am folgenden Tag den wahren Geist der Dakar. Die Medaillengewinnerin der X-Games schlug sofort zurück und gewann Etappe 2, deren Route ins Landesinnere zur antiken Stadt AlUla führte. Auf dem 400 Kilometer langen Wertungsabschnitt gab sie das Tempo vor und führte einen dreifachen Defender-Erfolg an. Nachdem Baciuška und Price nun jeweils einen Sieg hatten, war Peterhansel an der Reihe.

Angesichts seiner zahlreichen Erfolge in einer glänzenden Karriere ist es bemerkenswert, dass Peterhansel noch immer Neuland betreten kann. Seinen Beinamen „Mr Dakar“ verdient der 60-Jährige mit 14 Siegen bei der Veranstaltung – die ersten sechs davon auf einem Motorrad – mehr als nur. Er ist 36-mal bei der Dakar angetreten und hatte schon vor dem Start der Ausgabe 2026 rund 83 Etappensiege gesammelt. Am Dienstag, dem 6. Jänner, gelang ihm dennoch etwas Neues: sein erster Erfolg in der Stock-Klasse. Gemeinsam mit Navigator Michaël Metge beendete er Etappe 3 mit mehr als einer Minute Vorsprung auf Baciuška. Price machte als Dritte einen weiteren vollständigen Defender-Podestplatzsatz perfekt.

Defender bei den Marathon-Etappen der Dakar 2026

Zum Feiern blieb allerdings keine Zeit, denn als Nächstes stand die erste von zwei 48 Stunden dauernden Marathon-Etappen an. Dieser Teil des Dakar-Formats war nach zwei Jahren Pause auf vielfachen Wunsch zurückgekehrt. Statt wie üblich im weitläufigen Basislager mit dem restlichen Team zusammenzutreffen und die Fahrzeuge von Mechanikern überprüfen zu lassen, waren die Teilnehmenden auf sich allein gestellt. Nachdem Peterhansel auf Etappe 4 die Bestzeit gefahren war – obwohl sein D7X-R zwischenzeitlich auf der Seite gelegen hatte –, mussten die Teams daher notwendige Reparaturen selbst erledigen, bevor sie ein Zelt aufschlugen, Militärrationen aßen und früh am nächsten Tag wieder aufbrachen.

Für Baciuška und Beifahrer Oriol Vidal wurde es spät, weil sie hinten rechts einen Achsschenkel tauschen mussten. Ihre Arbeit mit dem Werkzeug zahlte sich jedoch reichlich aus: Auf dem Weg nach Ha’il gewann das Duo den zweiten Teil des Marathons der ersten Woche. Zwar hatten sich die beiden Defender-Fahrer nun den Luxus einer Dusche verdient, doch der Dakar-Veranstalter ASO würde es ihnen nicht allzu bequem machen. Folgerichtig wartete der längste Tag des gesamten Programms.

Etappe 6 führte den Tross durch die Region Qassim im Herzen des Landes bis in die Hauptstadt Riad. Vor und nach dem 331 Kilometer langen Wettbewerbsabschnitt lagen insgesamt gewaltige 589 Kilometer Verbindungsetappen auf der Straße – zusammen ermüdende 920 Kilometer. Beim letzten Einsatz vor dem wohlverdienten Ruhetag führte Price vom Start bis ins Ziel und krönte damit die erste Hälfte von Defenders phänomenalem Vormarsch. Baciuška und Peterhansel sorgten für den fünften vollständigen Podesttriumph.

Zur Halbzeit lag Baciuška dank zwei Siegen, drei zweiten Plätzen und einem dritten Rang in der Gesamtwertung der Stock-Klasse 45 Minuten voraus. Peterhansel belegte Platz zwei, während Price nach ihrem Zeitverlust auf Etappe 1 hinter dem bestplatzierten Toyota von Ronald Basso Vierte war. Während Fahrer und Navigatoren die Pause genossen, arbeiteten die Mechaniker unter Zeitdruck daran, die drei Defender zu zerlegen, zu prüfen und für die noch ausstehenden sieben Etappen und 4.000 Kilometer wieder aufzubauen.

Befürchtungen, der Ruhetag könnte den Schwung des Teams bremsen, zerstreuten sich rasch. Trotz eines falschen Abzweigers sicherte sich Peterhansel den Sieg auf Etappe 7 knapp mit 21 Sekunden Vorsprung auf Baciuška. Price ließ sich weder von einem heftigen Aufprall an der Fahrzeugfront noch vom Verlust eines Außenspiegels an einem Baum aufhalten und komplettierte den nächsten dreifachen Erfolg. Anschließend ging es direkt in die Talregion Wadi ad-Dawasir, die erstmals seit 2022 wieder Teil der anspruchsvollen Dakar-Strecke war.

Von diesem Punkt an machte Baciuška deutlich, dass er nicht länger als aufstrebendes Talent im Rallye-Raid gelten wollte. Er war nun ein echter Star. Aus der Führung in der Stock-Gesamtwertung machten er und Vidal eine Dominanz: Mit Etappe 8 begann für den Litauer eine Serie von vier Siegen in Folge, während sein Vorsprung von 45 Minuten auf gewaltige vier Stunden anwuchs.

Ganz problemlos verlief die Dakar für Defender freilich nicht. Zu Beginn der zweiten Woche zerschlugen sich Peterhansels Hoffnungen auf einen Podestplatz in der Klasse. Als auf Etappe 8 noch 200 der insgesamt 483 Kilometer ausstanden, zwang ihn ein gerissener Lichtmaschinenriemen zum Anhalten. Das Warten auf die Bergung kostete zwölf Stunden. Dabei blieb es nicht: Für das Ausscheiden aus der Etappe erhielt er eine Zeitstrafe von 24 Stunden und fiel in der Gesamtwertung auf Platz vier zurück. Ein kleiner Trost war Price, die nach zwei Podestplätzen an ebenso vielen Tagen auf Rang zwei der Wertung vorrückte und die Probleme von Etappe 1 weit hinter sich ließ.

Baciuškas überragende Form zeigte sich auch auf den Etappen 9 und 10, die den zweiten kräftezehrenden Marathon bildeten. Im ersten Teil des Abschnitts mit Übernachtung lag er eine halbe Stunde vor Price, am zweiten Tag in den weichen Sanddünen 22 Minuten. Der wieder zurückgekehrte Peterhansel holte Platz drei und vervollständigte den nächsten Defender-Podesterfolg. Mit seinem Sieg auf Etappe 11 machte Baciuška die Viererreihe perfekt. Auf dem Weg von Bisha nach Al Henakiyah ging es allerdings deutlich enger zu: Er schlug Peterhansel um knappe 49 Sekunden.

Defenders Weg zum Dakar-Sieg in der Stock-Klasse

Am vorletzten Tag kehrte der Tross nach Yanbu zurück. Das Biwak-Basislager, an dem alles begonnen hatte, war keine Fata Morgana in der Wüste: Die Ziellinie rückte tatsächlich in Sichtweite. Doch bevor jemand an eine prestigeträchtige Dakar-Trophäe in der Vitrine denken konnte, wartete auf Etappe 12 noch ein 311 Kilometer langer Wertungsabschnitt zusammen mit 409 Kilometern auf der Straße.

Mit Blick auf das ursprüngliche Ziel, die Rallye überhaupt zu beenden, entschieden sich die drei Defender-Fahrer für eine gemeinsame Fahrt in Formation. Sie blieben auf der Strecke beisammen, und Peterhansel hatte Ersatzteile geladen, falls seine Teamkollegen kurz vor Schluss noch Schwierigkeiten bekämen. Nach mehreren Führungswechseln setzte sich Price in einem engen Duell gegen Peterhansel durch, während Baciuška Dritter wurde.

Damit blieb nur noch Etappe 13. Eine Unglückszahl für manche vielleicht, aber nicht für Defender. Der kurze, 105 Kilometer lange Wertungsabschnitt war keineswegs ein gemütlicher Nachtrag. Er führte mitten durch felsige Täler und weiche Lagunen und endete buchstäblich am Fuß des Veranstaltungspodests. Niemand hätte es Baciuška übel genommen, wenn er vorsichtig gefahren und jedem Hindernis ausgewichen wäre, das seine Chance auf den Sieg in der Stock-Klasse hätte gefährden können.

Doch daran dachte er nicht. 56 Minuten nach dem Start hatte er seinen siebenten Etappensieg in der Tasche. Unter dem Jubel des gesamten Defender-Teams an der Ziellinie schaffte Baciuška das Unvorstellbare: Er bewahrte die Siegquote der Marke von 100 % und besiegelte den Gewinn der Stock-Klasse. Ein schlechter Start ins neue Jahr war das nicht.

„Träume werden wahr!“, sagte er. „Das ganze Verdienst gebührt dem Defender-Team. Für das erste Jahr ist das fantastisch. Die Mechaniker haben großartige Arbeit geleistet. Ohne sie hätten wir das Ziel nicht erreicht. Was sie leisten, ist unglaublich. Sie arbeiten bis drei Uhr früh, um das Auto für die nächste Etappe vorzubereiten. Danke an sie und die Ingenieure – an das ganze Team. Es ist großartig.“

Auf zwei und vier Rädern hat Peterhansel die Dakar mittlerweile mit neun verschiedenen Herstellern bestritten. Sein Einsatz 2026 mit Defender wird ihm lange in Erinnerung bleiben, auch wenn er nicht unter die ersten drei kam. Er ergänzte: „Es war eine Dakar mit allen Emotionen. Manchmal ging es aufwärts, manchmal abwärts. Aber am Ende haben wir die Stock-Kategorie gewonnen. Rokas wurde Erster, Sara Zweite. Für uns war es etwas komplizierter. Was mir aber in Erinnerung bleibt, ist ein schönes Abenteuer mit einem ausgesprochen guten Team und einem ausgesprochen guten Teamgeist.

„Alle Mitglieder des Teams – die Mechaniker, die Mitarbeitenden, die Mannschaften, die Fahrer und die Beifahrer – standen einander sehr nahe. Für mich persönlich war es nicht ganz das Ergebnis, das ich erwartet hatte. Aber am Ende bin ich sehr glücklich, dabei gewesen zu sein, denn es war eine wirklich schöne Dakar.“

Sieben Etappensiege für Baciuška, drei für Price und drei für Peterhansel: Defenders Dakar-Debüt hat sich zweifellos einen Platz in den Geschichtsbüchern verdient. Den Titel erneut zu holen, wird allerdings noch schwieriger. Schließlich war auch die Stock-Klasse selbst eine Erfolgsgeschichte. Daher ist damit zu rechnen, dass im nächsten Jahr deutlich mehr Marken mit ihren straßentauglichen Rennfahrzeugen antreten und um den Sieg kämpfen.

Zuvor darf der Erfolg aber erst einmal wirken. Vor dem Rückflug sagte Ian James, Teamchef von Defender: „Ehrlich gesagt könnte ich nicht stolzer auf das gesamte Team sein. Nicht nur, dass wir die Dakar auf diese Weise gewonnen haben: Wie alle zusammengehalten und durchgehend so hart gearbeitet haben, war einfach herausragend.

„Ein riesiger Glückwunsch natürlich besonders an Rokas und Oriol, aber auch an jedes einzelne Teammitglied. Vielen Dank für alle Anstrengungen, die uns bis hierhergebracht haben. Hoffentlich geht es noch lange so weiter.“

Weiter geht es schon bald: Ende März in Portugal. Defender bestreitet nämlich im Rahmen eines Dreijahresprogramms auch den Rest der Saison 2026 in der Rallye-Raid-Weltmeisterschaft. Da kommt ein so starker Auftakt gerade recht.

Defender OCTA | Meister extremer Leistung, überall

Gerade beliebt

Katharina Leitner

Katharina Leitner ist Kulturwissenschafterin und Autorin aus Graz mit Schwerpunkt auf österreichischer Alltagskultur und regionalen Sprachbesonderheiten. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Schmolik, dessen Traditionen, Bedeutungen und zeitgemäßen Entwicklungen, und sammelt dazu Geschichten, Rezepte und Erfahrungsberichte aus ganz Österreich.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen