Zwischen den erfolgreichen SUVs und den unauffälligeren Kombis positionieren sich die sogenannten „Kombis mit hochgekrempelten Hosenbeinen“. Dieses einst stärker besetzte Teilsegment erhält mit dem Ford Focus Active SW erstmals einen Vertreter von Ford.
Wie der kürzlich von uns getestete Fiesta Active ist auch der Focus Active SW innerhalb des Ford-Angebots eine Alternative für alle, die mehr Vielseitigkeit brauchen, sich jedoch aus welchem Grund auch immer nicht für ein SUV entscheiden möchten – weder für den Ford Kuga noch für ein Modell einer anderen Marke.
Doch kann der Focus Active SW mit den erfolgreichen SUVs mithalten? Um das herauszufinden, haben wir ihn mit dem 120 PS starken 1.5 EcoBlue-Dieselmotor getestet.
Optisch ein klarer Gewinn an Eigenständigkeit
Ebenso wie sein „kleiner Bruder“ ist der Focus Active SW auf den ersten Blick von den übrigen Focus-SW-Versionen zu unterscheiden. Die größere Bodenfreiheit und die Karosseriebeplankung vermitteln deutlich mehr Lust auf Abwege.
Meiner Ansicht nach ist das Gesamtbild sehr gelungen. Ich muss zugeben, dass mir Kombis mit diesem robusteren Auftritt gefallen – und der Focus Active SW zählt hier zu den überzeugendsten Beispielen.
Selbst neben einigen Ausführungen des Ford Kuga wirkt dieser Focus Active SW besser für schlechte Wege gerüstet. Dafür sorgen vor allem die Kunststoffschutzleisten an der Karosserie, die ihn unverwechselbar machen.
Viel Platz im Ford Focus Active SW
Gegenüber den anderen Focus-SW-Modellen bietet der Innenraum des Focus Active SW spezielle Sitze, die komfortabel sind und guten Seitenhalt bieten, sowie eine geringfügig höhere Sitzposition. Man sitzt also nicht so hoch wie in einem SUV, profitiert aber dennoch etwas von der besseren Übersicht nach außen.
Verarbeitungs- und Materialqualität bewegen sich auf einem guten Niveau, was besonders auf „schlechten Wegen“ auffällt. Gestalterisch folgt der Focus Active SW zudem den jüngsten Ford-Modellen: Sein Erscheinungsbild ähnelt stark jenem des Kuga oder auch des Fiesta, während wichtige Funktionen weiterhin über physische Tasten bedient werden.
Diese Lösung mag weniger modern wirken als das nahezu tastenlose Armaturenbrett etwa im neuen Golf. Bei Ergonomie und Bedienbarkeit ist sie jedoch ein echter Vorteil für den Ford-Kombi.
Unverändert geblieben sind zum Glück die großzügigen Platzverhältnisse des Ford Focus Active SW. Der geräumige und komfortable Kombi befördert vier Erwachsene problemlos und lädt zu längeren Fahrten mit Familie oder Freunden ein.
Mit 608 Litern ist auch der Kofferraum vorbildlich dimensioniert und übertrifft das Angebot einiger SUVs wie des SEAT Ateca (510 Liter) oder Hyundai Tucson (513 Liter). Der konzerninterne „Rivale“ Kuga kommt in dieser Disziplin allerdings auf beeindruckende 645 Liter.
Für Stadtverkehr und Bergstraßen
Was diese Variante dem Focus SW neben der neuen Optik vor allem bringt, ist etwas mehr Bodenfreiheit – 30 mm an der Vorderachse und 34 mm an der Hinterachse – sowie andere Federn, Stoßdämpfer und Stabilisatoren. Aber leidet darunter die Fahrdynamik?
Die erfreuliche Antwort lautet: nein. Der Ford Focus Active SW bleibt präzise, souverän und in Kurven sogar unterhaltsam. Er animiert dazu, seine dynamischen Fähigkeiten auszuloten, und hebt sich in diesem Punkt von den meisten am Markt erhältlichen SUVs ab – wobei auch der niedrigere Schwerpunkt hilft.
Trotz seiner familientauglichen Ausrichtung erwischte ich mich dabei, für den Heimweg gezielt die kurvenreichste Strecke zu suchen, nur um das Zusammenspiel aus Fahrwerk, Federung und Lenkung noch etwas länger genießen zu können.
Noch besser: Verlässt man den Asphalt, lässt die zusätzliche Bodenfreiheit tatsächlich weitere Wege zu, ohne dass er SUVs etwas schuldig bleibt. Unter diesen Bedingungen fährt er sicher und berechenbar, bewahrt sich aber eine gewisse Portion Fahrspaß und erinnert daran, dass Ford im Rallyesport über viel Pedigree verfügt.
Fahrmodi für jeden Geschmack
Die Active-Version ergänzt die aus den anderen Focus-Modellen bekannten Modi Eco/Normal/Sport um zwei weitere Fahrprogramme: Rutschig und Unbefestigte Wege. Sie ersetzen zwar kein Allradsystem, erlauben aber ein entspannteres Befahren von Schotterwegen, indem sie etwa die Eingriffe der Traktions- und/oder Stabilitätskontrolle anpassen.
Bei den übrigen Modi sind die Unterschiede – anders als häufig bei solchen Systemen – tatsächlich spürbar. Der Modus „Eco“ dämpft die Gaspedalreaktion und eignet sich ideal für Fahrten mit konstantem Autobahntempo; „Normal“ stellt einen gelungenen Kompromiss zwischen Fahrleistungen und Verbrauch dar.
Der Modus „Sport“ macht nicht nur die ohnehin angenehme Lenkung etwas schwergängiger, sondern lässt auch das Gaspedal direkter ansprechen, ohne den Verbrauch stark zu beeinträchtigen.
In diesem Fall ergibt Diesel weiterhin Sinn
Obwohl Dieselmotoren derzeit etwas „verfolgt“ werden, gibt es weiterhin Autos, in denen sie sinnvoll sind. Der Ford Focus Active SW gehört meiner persönlichen Einschätzung nach dazu und harmoniert sehr gut mit dem 120 PS starken 1.5 EcoBlue.
Der Motor ist über den gesamten Drehzahlbereich angenehm nutzbar, verleiht dem Focus Active SW einen Charakter für lange Strecken, der ihm „wie angegossen“ passt, und zeigt sich zudem von Natur aus sparsam. Verbräuche von 5 bis 5,5 l/100 km sind ohne große Mühe erreichbar; bei zurückhaltender Fahrweise sind sogar rund 4,5 l/100 km möglich – welches SUV schafft schon solche Werte?
Und das Getriebe? Nun, das manuelle Sechsganggetriebe ist ebenso wie jenes im Fiesta Active sehr angenehm zu bedienen. Mit seinen kurzen Schaltwegen und dem mechanischen Gefühl möchte man beinahe Gänge „einfach so“ einlegen, nur um die angenehme Schaltpräzision zu genießen.
Ist er das richtige Auto für mich?
Durch die „SUV-Flut“ etwas in Vergessenheit geraten und sogar bedroht, haben Kombis mit „hochgekrempelten Hosenbeinen“ im Vergleich mit frontgetriebenen SUVs weiterhin überzeugende Argumente.
Mit seinem robusten, abenteuerlichen Auftritt muss sich der Ford Focus Active SW vor keinem SUV verstecken. Bei der Vielseitigkeit begegnet er ihnen auf Augenhöhe, während er ihnen auf kurvigen Strecken oder beim Transport von „Haus und Hof“ überlegen ist.
Wer einen geräumigen, sparsamen Kombi mit abenteuerlicherem Design sucht, das nicht bloß „Show“ ist, sollte den Focus Active SW unbedingt in Betracht ziehen. Er ist nicht nur eine gute Alternative innerhalb der Focus-Baureihe, sondern auch gegenüber SUVs: Er verbindet die dynamischen Qualitäten des Focus mit zusätzlicher Vielseitigkeit.
Um die im Titel gestellte Frage zu beantworten: Mit Angeboten wie dem Focus Active SW braucht man kein SUV – außer man legt Wert auf den Zusatznutzen eines Allradantriebs oder muss tatsächlich im „1. Stock“ sitzen.






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