Sir Gary Oldman hat eine Schwäche für alte Autos. Genauer gesagt für betagte, gelbe, verbeulte japanische Schrägheckmodelle, die über fünf Jahre bewusst glorreich vernachlässigter Bildschirmzeit ganz neue biologische Formen entwickelt haben.
„Da drin gibt es inzwischen Dinge, die schon da waren, als wir vor fünf Jahren angefangen haben“, erzählt Sir Gary Oldman TopGear.com über den Honda Civic, den seine Figur in Slow Horses fährt. „Darin wachsen Pilze.“
Als wir Sir Gary berichten, dass ein verschimmelter und mittlerweile vermutlich empfindungsfähiger Jaffa Cake aus Staffel eins ihn gegrüsst habe, lacht er laut auf. „Ich bin ihn wirklich gern gefahren“, sagt er liebevoll.
Fotografie: Jonny Fleetwood
Sir Gary Oldman und der Honda Civic aus Slow Horses
Wir treffen den frisch zum Ritter geschlagenen Hollywoodstar und Schauspielgiganten, während Slow Horses in die fünfte Staffel startet. Wer die Serie noch nicht gesehen hat, sollte alles stehen und liegen lassen und sie sofort ansehen: Sie ist grossartig. Sir Gary spielt darin den schmierigen, brillanten MI5-Agenten Jackson Lamb, der im fiktiven Slough House seine geliebten „Verlierer“ anführt, mit sichtlichem Genuss.
Wer die Serie doch kennt, braucht keine Einführung in die schäbige, verfallende Pracht von Y889 PDB.
„Am meisten bin ich ihn in Staffel eins gefahren, und da stand er nicht auf einem Autotransporter. Die Kamera war also entweder vor uns oder fuhr hinter uns her. Es war schön, in einer Szene zu sein und das Auto tatsächlich selbst zu fahren.
„Ich erinnere mich, dass sich das Getriebe ziemlich geschmeidig schalten liess. Er ist praktisch. Und er ist ... gelb.“
TopGear.com kann sowohl das sanfte Schalten als auch das Gelb bestätigen. Nach der exklusiven Testfahrt von TG durch London fragt er uns: „Hattet ihr Spass beim Fahren?“ Ja, den hatten wir: Einen alten, heruntergekommenen Wagen zu fahren, hat etwas wunderbar Befreiendes. „Ja“, lacht er.
Auch er selbst hatte bereits einige davon. Sein erstes Auto war ein Morris Minor „mit Anlasserkurbel“, darauf folgten ein Ford Fiesta und ein alter Suzuki Jimny, „zugig, laut“ und ein wenig furchteinflössend. „Ich dachte: Wenn ich eine Kurve zu scharf nehme, kippt das Ding um“, erzählt er. „Er war wie eine Blechschachtel auf Rädern.“
Danach stieg er auf einen grossen gebrauchten Rover SD1 um. „Diese ganz alten mit den grossen Ledersitzen und dem riesigen Lenkrad“, erinnert er sich, „und man brauchte mindestens 30 Meter, um zum Stehen zu kommen. Es war, als sässes man in einem Lehnstuhl. Er war rennwagengrün, und ich kaufte ihn einem meiner ältesten Freunde ab.
„Er ging dauernd kaputt. Danach hatte ich einfach eine Reihe von Mietwagen.“ TopGear.com weist Sir Gary höflich darauf hin, dass Mietwagen bekanntermassen die schnellsten Autos der Welt sind. Wieder bricht er in lautes Gelächter aus. „Ja! Manchmal wusste ich auch nicht mehr, wo ich sie abgestellt hatte.“
Später kam er zu Range Rovern, allerdings nicht zu neuen: Es waren „weitergereichte“ Fahrzeuge seines engsten Freundes, der den bei etwa 80.000 Kilometern einsetzenden „Selbstzerstörungsmechanismus“ entdeckt hatte. „Ja, den bauen sie ein“, lacht er. „Wunderschöne Autos, sehr verführerisch.“
Verführerisch war auch sein alter kirschroter Ford Thunderbird von 1955. „V8, drei Gänge, sehr leistbar. Ich glaube, er kostete weniger als 20.000 US-Dollar. Ziemlich robust, und er hatte einen Overdrive, der wie ein Spezialeffekt funktioniert. Ein lustiges Ding“, sagt er. „Vor allem liebe ich diese Heckflossen, wisst ihr?“
Sir Gary Oldman in Slow Horses
Alte Autodesigns, Porsche und der Runge RS
Ist er also ein Fan älterer Autogestaltung? „Heute wirkt für mich alles sehr beliebig. Alles sieht gleich aus. Wenn man sich einen Thunderbird, einen 550 Spyder oder auch einen Pontiac oder Impala ansieht, dann haben sie Seele und echten Charakter. Diese Designer hatten so eine Haltung von: ‚Lasst es uns einfach durchziehen.‘ Sehr Jetsons.“
Bei seinem früheren silbernen Porsche 911 S ging es allerdings weniger um „einfach durchziehen“ als vielmehr um „holt mich hier raus“. „Der hat mir ordentlich Schmerzen bereitet“, sagt er mit strengem Gesichtsausdruck.
„Sagen wir, du fährst von LA nach Palm Springs, machst diese Strecke, und es war, als ob meine Prostata ... Ich weiss nicht, was mit diesem Auto los war, aber ...“
Es genügt zu sagen, dass er sich von diesem prostataquälenden Wagen trennte und auf einen Porsche Cayenne umstieg. „Sehr, sehr komfortabel“, erklärt er, „und deshalb ist das mein Hauptauto.“
Daneben besitzt er einen Chuck Beck 550 Spyder. „Es ist ein Nachbau, grösstenteils aus Fiberglas. Ich habe die Embleme entfernt, weil es nicht das Original ist“, sagt er. „Entschuldigung, aber ich werde nicht herumfahren und so tun, als wäre er echt. Ich habe etwas Geld hineingesteckt und ihn neu lackieren lassen. Er hat einen VW-Boxermotor mit vier Zylindern, sehr klobig, sehr mechanisch.
„Wenn man ihn fährt, versteht man, warum James Dean nicht den Hauch einer Chance hatte, lebend auszusteigen“, fügt er ernst hinzu. „Aber es ist ein schönes Auto, um es auszuführen und entspannt herumzufahren. Sehr cool.“
Dazu kommt sein Runge RS: ein von Hand gebauter, leichter Flügeltürer aus Aluminium („A-lu-mi-ni-um“), den er sich selbst zum 65. Geburtstag schenkte. „Ich blätterte in einer Zeitschrift, da war ein Artikel über Chris Runge und ein Foto von diesem Auto. Ich war sofort völlig begeistert.“
Und die gute Nachricht: Er hat ihn tatsächlich auf einer Rennstrecke nahe seinem Wohnort in Kalifornien ausgefahren. „Er neigt zum Übersteuern“, sagt er, „aber er macht keine Angst. Man konzentriert sich. Man fährt das Auto wirklich. Er könnte einem schon entkommen, wenn ihr versteht, was ich meine. Man muss aufmerksam bleiben. Aber man spürt die Maschine richtig.“
Das schreckte ihn nicht ab, die BMWs, die als Streckenguides bereitstanden, hingegen schon. „Du berührst nur das Gaspedal, und schon geht es von 32 km/h auf über 161 km/h [schnippt mit den Fingern], so schnell, und dann näherst du dich einer Kurve und denkst: ‚Heiliger S*.‘ Ich finde, das ist zu viel.“
Hat er vor der Kamera viel Stuntfahrerei gemacht? „Ich sass im Tumbler [in Chris Nolans Batman-Trilogie], wo ich so getan habe, als würde ich ihn fahren. Aber ich habe ein wenig davon gemacht. Es gefällt mir. Schwierig wird es, wenn ich mit etwas mehr Gas anfahren soll und dann bremsen und punktgenau eine Markierung treffen muss.“
Was eine gute Verfolgungsjagd im Film ausmacht
Was macht nach Ansicht von Sir Gary eine gute Verfolgungsjagd im Film aus? Wir nennen Bullitt als Goldstandard. „Für mich ist das noch immer eine der grossartigen Verfolgungsjagden, weil so viel davon tatsächlich Fahren ist. Es ist live. Es wurde direkt vor der Kamera gedreht.
„Und das ist eines der Dinge, die Nolan macht. Er versucht, so wenig Computereffekte wie möglich einzusetzen. Die ganze Flugzeugszene in The Dark Knight Rises, mit den Männern, die am Flugzeug hängen ... ich meine, das war echt.
„Mit KI und Computereffekten sind wir inzwischen an einem Punkt, an dem das natürlich sehr gut aussieht, aber es gibt keine Gefahr. Das Publikum spürt das. Bei vielem aus Fast and Furious weiss man einfach, dass die Kamera unmöglich an der Stelle sein könnte, an der sie sich befindet. „Eine gute Verfolgungsjagd braucht das Echte.“
Trotzdem durfte er sich in Slow Horses ein wenig automobilen Übermut erlauben. „In Staffel vier durfte ich ein schwarzes London-Taxi fahren. Das hat Spass gemacht.
„Es hat etwas für sich, ein älteres Auto zu fahren – oder eines, das einem nicht gehört!“






Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen