Citroën 2CV. Fiat 500. Mini. VW Käfer. Dacia Hipster … Moment, wie bitte?
Bevor die Begeisterung zu gross wird: Der Hipster ist offiziell nach wie vor nur eine Studie. Trotzdem hat er unsere Aufmerksamkeit geweckt – trotz seiner überschaubaren Abmessungen. Er misst gerade einmal 3 m in der Länge und 1,5 m in der Breite, bietet aber vier Erwachsenen Platz; der Kofferraum fasst bis zu 500 Liter. Zudem ist er 20 Prozent leichter als Dacias kleiner Elektroflitzer Spring und soll über seinen gesamten Lebenszyklus nur halb so viel CO₂ verursachen wie die derzeit besten erhältlichen Elektroautos.
Der Hipster greift zudem ein weiteres wichtiges Problem auf: Selbst günstige Elektroautos sind noch immer zu teuer, um als Lösung für Massenmobilität zu taugen. Daher die Anspielung auf die – ja, ikonischen – «Autos für das Volk» weiter oben. Es ist Zeit für einen weiteren Paradigmenwechsel.
Dacia Hipster: Weniger Reichweite, mehr Vernunft
Im Kontext der Elektromobilität ist der Ansatz spannend. Laut Dacia bietet der Hipster genug Reichweite für die täglichen Fahrten und müsste theoretisch nur zweimal pro Woche geladen werden. In Frankreich legen beispielsweise 94 Prozent der Autofahrerinnen und Autofahrer täglich weniger als 39 km zurück. (Im Vereinigten Königreich sind es lediglich 19.) Auf dieser Grundlage lässt sich alles kleiner, leichter und im eigentlichen Wortsinn «essentieller» gestalten – auch wenn Dacia zur Batterie des Hipster noch nichts verrät.
Im grösseren Zusammenhang könnte man dieses kleine Auto als mobilen Lifehack bezeichnen. Es bedient die wachsende Überzeugung, dass die moderne Welt schlicht zu ablenkend und kompliziert geworden ist. Für Dacia ist das günstig, denn genau diese Botschaft vertritt die Marke schon seit einiger Zeit.
«Wir stellen fest, dass es heute tatsächlich sehr viel Zeit braucht, um etwas zu erledigen, das früher ziemlich einfach war», erklärt Dacias Design-Vizepräsident David Durand gegenüber TopGear.com. «Die Menschen hinterfragen neu, was sie von einem Auto wirklich wollen und brauchen – und wie viel sie dafür auszugeben bereit sind. Zunehmend sehen sie Einfachheit als Lösung.»
Dacia bezeichnet seinen Ansatz als «Eco-Smart», genauso gut könnte er jedoch «gesunder Menschenverstand» heissen. Die Rechnung ist simpel: Wird etwas leichter, braucht es weniger Energie, um es zu bewegen. Folglich genügt eine kleinere Batterie, was wiederum die Kosten senkt. Ausserdem werden bei der Herstellung weniger Materialien benötigt. «Dadurch entsteht ein positiver Kreislauf», bestätigt Durand. «Wir glauben, dass eine Reichweite von 150 km (93 Meilen) ausreicht.»
Natürlich hilft es auch, wenn man etwas gestaltet, das die Menschen tatsächlich haben wollen. Wer den Innenraum maximal ausnutzt, landet sehr rasch bei einer würfelförmigen Karosserie; möglichst kurze Überhänge sind ebenfalls sinnvoll. Dacia räumt offen ein, dass der Hipster im Grunde ein Block auf vier Rädern ist.
Kompakte Form und konsequent vereinfachte Konstruktion
Die Heckklappe erstreckt sich über die gesamte Fahrzeugbreite und öffnet sich zweigeteilt, wodurch eine grosse Öffnung zum einfachen Be- und Entladen entsteht. Die Rückleuchten sitzen hinter dem Glas der Heckklappe, weshalb weder ein separates Bauteil noch Vertiefungen nötig sind. Es gibt nur eine Karosseriefarbe und lediglich drei lackierte Teile. Fast wirkt das Auto wie ein Bausatz.
«Wir wollten nichts Kleines schaffen, das sich als irgendein anderes Auto ausgibt», sagt Durand. «Ein Würfel kann kräftig und robust wirken. Inspiriert haben uns auch die japanischen Kei-Cars. Sie sind Spezialisten darin, mit Einschränkungen zu spielen und trotzdem etwas sehr Cooles zu gestalten. Das Auto sollte Charakter haben und wiedererkennbar sein, aber zugleich seriös und vertrauenswürdig bleiben. Es sieht so aus, als wäre man gut geschützt. Die Fensterlinie ist hoch, und die Sitzposition entspricht jener im Sandero. Der Hipster ist klein und freundlich gestaltet, aber kein Spielzeug.»
Das Vereinfachen ist laut Durand fast zu einem internen Spiel für Dacias Designer geworden. «‚Dein Vorschlag ist supercool, aber warum probieren wir es nicht ohne dieses Teil in der Mitte …‘ – und wir ersetzen es durch eine grosse Fase. Hier entsteht Kreativität: gute Ideen finden, ohne mehr Geld auszugeben. Wir wollen genau an jenen Punkt kommen, an dem wir alles haben, was die Menschen brauchen, aber nicht mehr.»
Für die Karosserie des Hipster kommt ein Material namens Starkle zum Einsatz: ein Kunststoff mit 20 Prozent Recyclinganteil, der aus alten Stossfängern und Armaturenbrettern gewonnen und mit neuem Material vermischt wird. Dadurch ist er mit weissen Punkten durchsetzt – eine Unvollkommenheit, die Dacia bewusst hervorhebt. «Wir hätten diese Stellen mit einer Lackschicht überdecken können, wollten sie aber sichtbar lassen», erklärt Durand. «So etwas sieht man auch bei Sneakers. Wir würden es gerne einsetzen, doch aktuell ist es sogar teurer. Sobald die Skaleneffekte greifen, wird es wirtschaftlicher.»
Innenraum des Dacia Hipster: reduziert, aber nicht karg
Der Innenraum ist schlicht, ohne klösterlich zu wirken. Vorn und hinten steigt man durch jeweils eine grosse Tür pro Fahrzeugseite ein; statt eines herkömmlichen Türgriffs dient eine Stoffschlaufe. Im Innenraum gibt es Schiebefenster sowie vorn eine Sitzbank, deren Leichtbaustruktur sichtbar bleibt. Elektrische Verstellung gibt es selbstverständlich nicht. (Sind die Sessel in Ihrem Wohnzimmer elektrisch verstellbar? Eben …)
Die Kopfstützen fallen minimalistisch aus. Für Fahrer und Beifahrer gibt es je einen Airbag. Im Innenraum nutzt Dacia sein Zubehör-Befestigungssystem «YouClip», für das 11 Befestigungspunkte vorgesehen sind. Getränkehalter, Armlehnen und Ablageboxen gehören zu den verfügbaren Extras.
Dacia hat zudem eine «Bring your own device»-Lösung entwickelt, bei der das Smartphone der Insassen in eine Dockingstation eingesetzt wird. Ein grösserer Bildschirm ist zwar praktisch, doch für die Vernetzung braucht es im Grunde nicht mehr. Audio- und Streamingfunktionen des Telefons verbinden sich mit einem tragbaren Bluetooth-Lautsprecher von YouClip. Gleichzeitig fungiert das Smartphone als digitaler Schlüssel für den Hipster.
«Wir versuchen nicht, den Mini neu zu erfinden. Er war einzigartig und brillant umgesetzt», sagt Durand. «Er entstand jedoch in einer anderen regulatorischen Ära. Trotzdem hat er die Menschen zum Umdenken gebracht, und genau das war unsere eigentliche Inspiration: der Wunsch, in einem Fahrzeug, das von aussen ein kleines Objekt ist, sehr viel Raum im Inneren zu schaffen.»
Nebenbei: Durand besitzt einen Land Rover Series II aus dem Jahr 1968 sowie sieben Motorräder. Das erklärt teilweise, warum er der Richtige ist, um Dacias Design zu verantworten – und weshalb der Hipster so geworden ist, wie er ist. «Ein Motorrad ist beim Gedanken an essentielles Design kaum zu übertreffen», sagt er. «Man nimmt einen Motor, ergänzt zwei Räder und setzt sich darauf.
«Gut, dabei geht es nicht um Komfort, und oft ist man den Elementen ausgesetzt, friert oder schwitzt. Ich verstehe, dass das für die meisten Menschen zu extrem ist. Aber in anderer Hinsicht steht es für absolute Freiheit.»






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