Was haben wir denn hier?
Die fünfte Generation der Allroad-Baureihe bietet diesmal noch mehr von allem, was den Allroad zum idealen automobilen Multitalent macht. Damit ist das Ende wohl schon verraten. Entschuldigung.
Der A6 Allroad fährt diesmal jedoch mit ernstzunehmender Ausstattung auf – und ist 110 mm breiter als der gewöhnliche A6, wodurch er ein wenig wie ein geländetauglicher RS6 wirkt. Genau daraus werden Träume gemacht. Gegenüber dem Basismodell sind die Spurweiten um 74 mm gewachsen, während die Karosserie im normalen Fahrmodus 34 mm höher über dem Asphalt liegt als bei der letzten aufgebockten Variante. Die serienmäßige Luftfederung ermöglicht zudem einen Verstellbereich von 55 mm.
Die Radhäuser unterstreichen diese Ansage deutlich, denn dieser Audi wirkt ausgesprochen wuchtig. Die 21-Zoll-Räder sehen allerdings etwas exponiert aus; die ideale Konfiguration wären daher vermutlich 19-Zoll-Stahlfelgen – 19-Zoll-Leichtmetallfelgen sind verfügbar und bieten somit ausreichend Platz für die Bremsen – kombiniert mit grobstolligeren Reifen. Entschuldigung, das war nun etwas abseits des Themas.
Erklären Sie mir die Änderungen am Exterieur.
Breitbau – das ist der erste Eindruck. Der Kühlergrill ist riesig und trägt Allroad-spezifische, annähernd sechseckige Elemente. Die seitlichen Lufteinlässe ziehen sich von der unteren Stoßfängerkante beinahe bis zu den LED-Scheinwerfern hinauf. Die Front wirkt also ziemlich angriffslustig. Am vorderen Radhaus sitzt ein funktionaler vorderer Luftauslass, und auch die ausgeformten Seitenschweller wurden eigens für den Allroad gestaltet.
Bei den Rädern reicht die Auswahl von 19 bis 21 Zoll. Hinten präsentiert sich das Radhaus kräftig ausgeprägt und führt in ein sauberes Heck mit A6-Leuchten sowie zwei Endrohren über. Besonders aus dieser Perspektive wird die zusätzliche Breite sichtbar, die vor allem in den Schultern steckt. Das Design ist attraktiv, ohne übermäßig aufdringlich zu sein, wirkt technisch und von vorn leicht insektenartig. Schon der A6 sieht ordentlich aus, doch der Allroad besitzt etwas mehr Eigenständigkeit. Das ist gut so.
Welche Motoren und Getriebe stehen für den Audi A6 Allroad zur Wahl?
Derzeit gibt es in Großbritannien zwei Ausführungen: einen 3,0-Liter-TDI mit Mildhybrid-Technik (MHEV+) sowie einen 2,0-Liter-TFSI-Benziner als e-hybrid. Aufgerundet liefert der Diesel 295 bhp und 428 lb ft, der TFSI kommt auf 364 bhp/280 lb ft. Dank seines Drehmoments ist der Diesel damit sogar einen Hauch schneller: Von 0 auf 62 mph benötigt er 5,4 Sekunden, der Benziner 5,5 Sekunden.
Dafür erreicht der e-hybrid theoretisch 117,7 mpg, während der Diesel bei 47,9 mpg liegt. Der elektrische Antrieb erlaubt außerdem eine rein elektrische Reichweite von bis zu 63 Meilen. Die Batterie des MHEV+ genügt dagegen im Wesentlichen nur dafür, geräuschlos in Parklücken hinein- oder aus ihnen herauszufahren. Der aufwendigere e-hybrid hat also klare Vorzüge, während sich der Diesel kräftiger anfühlt und womöglich besser zur Optik passt.
Beide Varianten verfügen über ein Siebengang-Getriebe „S-tronic“ und den Allradantrieb quattro „ultra“. Dieser nutzt zwei zusätzliche Kupplungen im Antriebsstrang, um die Hinterachse bei Bedarf abzukoppeln und damit die Reibungsverluste des Allradantriebs zu vermeiden. Das System reagiert nicht bloß auf durchdrehende Räder: Es arbeitet auch vorausschauend, berücksichtigt Fahrstil, Modus und Bedingungen und baut bei Bedarf frühzeitig Vorspannung auf. Clevere Technik.
Wie präsentiert sich der Innenraum?
Es ist ein A6. Vor dem Fahrer sitzt ein 11,9-Zoll-Display für das Cockpit plus, links daneben ein 14,9-Zoll-Touchscreen. Optional ist ein 10,9-Zoll-Display für den Beifahrer erhältlich – es wurde allerdings noch niemand gefunden, der so etwas regelmäßig nutzt. Das Lenkrad ist oben und unten abgeflacht, also an beiden Enden des … nun ja … Kreises. Vieles ist optional oder an bestimmte Ausstattungslinien gebunden, doch kabelloses Laden, eine Anlage mit zehn Lautsprechern, ordentliche Polstermaterialien, Klimatisierung und die übrige Grundausstattung sind vorhanden.
Zahlreiche Airbags sind an Bord, eine Lenkradheizung gehört allerdings nicht serienmäßig dazu. Erhältlich sind ein Panoramadach mit schaltbarer Transparenz (£2,400), Sportsitze mit Massagefunktion (£4,715) sowie etwa das Tech Pack für £2,695. Dieses umfasst die B&O-Premium-Soundanlage, ein Head-up-Display, „Ambient lighting pro“ – was genau das sein soll, bleibt unklar – und aufgewertete USB-Schnittstellen. Metallic-Lack kostet £775; ehrlich gesagt muss man sich jedoch erst durch die Ausstattungslinien arbeiten, um herauszufinden, was jeweils enthalten ist, bevor weitere Extras hinzukommen.
Die üblichen Aufwertungen stehen ebenfalls bereit: größere Räder, hochwertigeres Leder, wählbare Oberflächen und umfangreichere autonome ADAS-Funktionen wie programmierbares und anlernbares Parken oder zusätzliche Kameras für die Rundumsicht. Die Matrix-LED-Scheinwerfer lohnen sich definitiv, denn sie funktionieren tatsächlich. Das ist längst nicht bei jedem Hersteller selbstverständlich.
Bei der Alltagstauglichkeit bietet der Kofferraum 466 Liter, mit umgelegter Rückbank sind es 1.497 Liter. Mit optionalem Anhängekupplungspaket darf der Wagen 2,5 Tonnen ziehen. Im Grunde handelt es sich also einfach um einen normalen Kombi. Aufgrund der zusätzlichen Technik verfügt der e-hybrid allerdings über weniger Stauraum: 404 Liter.
Der einzige wirkliche Schwachpunkt ist, dass dies „nur“ ein A6 ist. Auf das erweiterte dynamische Einsatzspektrum des Allroad gibt es innen keinen Hinweis. Etwas mehr Überlegung wäre wünschenswert gewesen – spannendere Materialien oder Details, die den Innenraum ein wenig robuster und geländetauglicher wirken lassen.
Wie fährt sich der Audi A6 Allroad tatsächlich?
Jeder Allroad besitzt serienmäßig eine Hinterachslenkung. Schon beim Herausfahren aus einer Parklücke wirkt er deshalb agiler, als sein massiges Erscheinungsbild vermuten lässt. Bis 37 mph lenken die Hinterräder um bis zu fünf Grad entgegengesetzt zu den Vorderrädern und verkürzen den Wendekreis von Bordstein zu Bordstein um einen Meter. Darüber lenken sie gleichsinnig, um die Stabilität zu verbessern.
Und stabil ist er. Auf einer holprigen Straße ist der Allroad sogar überraschend schnell. Davon gibt es in Großbritannien genug, und im Alltag verschlingt der kräftige Diesel dank seines entspannten, aber gleichmäßigen Drehmoments die Strecke mit bemerkenswerter Leichtigkeit. Die Karosseriekontrolle ist hervorragend, die Bremsen arbeiten progressiv und standfest, und die Traktion ist reichlich vorhanden. Nein, ein Sportwagen ist er nicht. Für das echte Leben passt er aber, wie bereits erwähnt, vermutlich besser als ein sportlicheres Auto, das auf schlechtem Asphalt die Hälfte der Zeit über die Fahrbahn hüpft. Er ist großartig.
„Die Karosseriekontrolle ist hervorragend, die Bremsen arbeiten progressiv und standfest, und die Traktion ist reichlich vorhanden“
Natürlich gibt es auch Fahrmodi. Bei jedem Start des A6 Allroad wird „Balanced“ aktiviert, also die ausgewogene Grundeinstellung. Im Modus „Dynamic“ – oder sobald die Geschwindigkeit 75 mph überschreitet – senkt sich die Federung um 20 mm unter das Normalniveau, um „Stabilität und Kontrolle“ zu maximieren. In „Offroad“ steigt die Bodenfreiheit dagegen um 15 mm über das Normalniveau, ergänzt durch angepasste Dämpfereinstellungen. „Offroad+“ verändert die Parameter der Traktionskontrolle, ermöglicht mehr Schlupf, sperrt das Differenzial entschlossener und erlaubt höhere Schaltpunkte des Siebengang-Getriebes S-tronic.
Oberhalb von Offroad+ steht ein zusätzlicher Höherlegungsmodus bereit, der die Karosserie bis zu einer Geschwindigkeit von 21 mph um weitere 20 mm anheben kann. In der Ausstattung Vorsprung gibt es außerdem den Audi „drive select assistant“, der selbstständig den passenden Modus für die jeweiligen Bedingungen auswählen soll.
Was kostet er?
Ein A6 Allroad mit dem V6 TDI, also dem günstigsten verfügbaren Motor, beginnt bei £69,720. Dafür ist die Ausstattung ausreichend, ohne allzu spartanisch zu wirken, auch wenn Pressefahrzeuge selten in der Basisversion zur Verfügung stehen. Ein Vorsprung bringt alles mit, was man braucht, und noch einiges darüber hinaus, kostet jedoch £81,520. Das tatsächlich gefahrene Fahrzeug lag mit einigen verlockenden Extras bei über £90k. Bei diesem Audi sollte man es mit dem Aufhübschen nicht übertreiben – das passiert leicht.
Der TFSI e-hybrid Black Edition kostet fahrbereit £72,145, während die Vorsprung-Ausführung mit £83,945 in der Liste steht. Realistisch betrachtet ist der kräftige Diesel die allroadigste Wahl, doch auch der e-hybrid hat seine Berechtigung. Günstig ist keiner von beiden, aber gegenüber einem vergleichbaren Audi Q7 des Modelljahrs 2027 mit gleichem Motor liegen sie ungefähr £8-10k niedriger. Andererseits braucht man vermutlich nie ein zweites Auto.
Ihr Urteil dürfte mittlerweile offensichtlich sein …
Der Audi A6 Allroad ist eines jener Autos, die einfach Sinn ergeben, weil seine Vielseitigkeit sofort einleuchtet. Er bewältigt gelegentliche Feldwege, bleibt auf erbärmlich schlechten britischen B-Straßen souverän und transportiert Menschen sowie Gepäck komfortabel. Seine Optik ist vielleicht etwas aggressiv, aber nicht schlimmer als bei einem riesigen SUV – hallo, Q7. Dazu kommen ein schöner Innenraum, eine ordentliche Ausstattung und reichlich Technik. Gemessen an dem Anspruch, den Audi offenbar formuliert hat, erfüllt er ihn vollständig.






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