Polestar 7 soll den Absatz ankurbeln
So gern wir das Design der Polestar-Autos mögen und sie fahren: Wirtschaftlich war das Unternehmen in seinen sechs Jahren als Autobauer eher erfolglos. Der neue Vorstandschef Michael Löhscheller hat nun seine Pläne vorgestellt, um das zu ändern. Am meisten sticht dabei ein neuer Kompakt-Crossover namens Polestar 7 hervor, der den Absatz steigern soll. Schließlich sind solche Fahrzeuge in Europa die meistverkauften Autos. Laut Löhscheller wird auch der 7 den Polestar-Grundsätzen folgen und sportlich sowie nachhaltig sein.
Seit dem Start 2018 hat Polestar jedes Jahr Verluste geschrieben und dabei auch Anleger enttäuscht. Dazu zählt Volvo, das einen großen Teil seiner Beteiligung an die gemeinsame Muttergesellschaft Geely abgegeben hat. Eine Veränderung ist also dringend nötig.
Löhscheller erklärt, dass der 7 in Europa entwickelt und gebaut wird und hauptsächlich für ein europäisches Publikum gedacht ist. Größenmäßig soll er zwischen dem Volvo EX30 und dem XC40 liegen. Als Basis dient eine neue Plattform, die der Geely-Konzern derzeit entwickelt. „Danach übernimmt das Polestar-Team die Abstimmung von Lenkung und Fahrwerk sowie die Benutzeroberfläche und verleiht ihm die Polestar-DNA.“
Die Plattform soll laut Löhscheller sämtliche aktuellen Technologien mitbringen: schnelles Laden, hohe Reichweite, eine 800-Volt-Elektrik und vollständige drahtlose Softwareaktualisierungen. Gemeint sind Updates für das gesamte Auto und nicht nur für das Infotainmentsystem, wie es bei europäischen Marken üblich ist.
Für die Gestaltung des 7 ist Polestars Designchef Philipp Römers verantwortlich. Er kam im August 2024 als Nachfolger von Maximilian Missoni, der zu BMW wechselte, um dort das Design der oberen Baureihen zu leiten. Wie wird Römers das Erscheinungsbild von Polestar verändern?
„Mein Auftrag an Philipp war, die Leistung hervorzuheben und selbstbewusst zu zeigen“, sagt Löhscheller. „Polestar ist derzeit etwas zu bescheiden. Käufer in den USA und in China wollen nicht zu viel Zurückhaltung. Eine radikale Veränderung sollte man aber nicht erwarten. Das ist eine Gratwanderung.“
Löhscheller selbst schätzt den Minimalismus durchaus. Auf die Frage nach seinem Lieblingsdesign nennt er den Polestar 2 und bezeichnet ihn als „zeitlos“. Tatsächlich wurde das Fahrzeug bereits vor acht Jahren erstmals als Volvo-Konzept 40.2 gezeigt.
Polestar 5, 6 und 7: Die neue Reihenfolge
Der Zeitplan für die neuen Polestar-Modelle wurde umgestellt. Anders als bislang vorgesehen kommen sie daher nicht in der Reihenfolge ihrer Modellnummern auf den Markt. Auf die 2024 eingeführten 3 und 4 folgt dieses Jahr der 5. Der 7 wird jedoch vor dem 6 starten. Löhscheller begründet das damit, dass der 6 als sportlicher Elektro-Roadster nur in kleinen Stückzahlen verkauft würde und von der enormen wirtschaftlichen Bedeutung des 7 ablenkt. Auf einen Termin für den 7 legt er sich allerdings nicht fest.
Vom Polestar 5 ist Löhscheller ausgesprochen begeistert. Das kompromisslose Spitzenmodell soll mit dem Taycan konkurrieren, bis zu 900 britische Pferdestärken (rund 912 PS) leisten und auf einer neuen Plattform aus verklebtem Aluminium stehen. Sein Preis wird über einen fünfstelligen Betrag hinausgehen. Entwickelt wird er im Polestar-Entwicklungszentrum nahe Coventry, gebaut hingegen in China. Der 3 wiederum wird in einem Volvo-Werk in den USA produziert und umgeht damit mögliche Zölle dort und in der EU; die in Großbritannien verkauften Fahrzeuge stammen aus China.
Nach der Einführung von 7 und 6 wird es Zeit für einen neuen 2. Dieser soll laut Löhscheller übrigens wieder 2 und nicht 8 heißen. Er wird dieselbe Plattform wie der 7 nutzen. Für beide sieht Löhscheller Platz im Angebot, weil manche Käufer ein flaches Auto bevorzugen und andere einen Crossover wollen.
Nach und nach sollen alle Polestar-Modelle außer dem 6 und dem 7 auf diese Plattform wechseln. Das soll Kosten sparen und die Geschäftsabläufe vereinfachen. Weil der 3 und der 4 noch so neu sind, wird das nach Löhschellers Einschätzung allerdings erst in vielen Jahren geschehen.
Polestar setzt auf aktiven Verkauf
All das liegt jedoch in ferner Zukunft. Gelingt es dem Unternehmen nicht, seinen Absatz in Ordnung zu bringen, wird es diese Zukunft nicht geben. Polestar ist als vergleichsweise junger Anbieter weithin bekannt und genießt viel Sympathie. Laut Löhscheller machte es die Marke den Menschen aber zu schwer, ihre Autos zu kaufen. Die Fahrzeuge standen in weißen Boxen in Einkaufszentren. Interessenten mussten oft weit anreisen, um sie anzusehen, und anschließend nach Hause fahren, um online zu kaufen.
„Wir werden nicht mehr nur Autos ausstellen, sondern sie aktiv verkaufen.“ Dazu sollen konventionellere Händler aufgebaut werden. „Ein Autokauf ist kompliziert und emotional. Die Menschen brauchen jemanden, der ihnen alles erklärt.“ Die meisten neuen Händler werden neben Volvo-Händlern angesiedelt sein, die bereits sämtliche Polestar-Servicearbeiten übernehmen. Laut Löhscheller sind Volvo und Polestar als Marken so unterschiedlich positioniert, dass Käufer die beiden nicht miteinander vergleichen werden.






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