Fast drei Jahre nach der ersten Ankündigung und einer Investition von 1,277 Milliarden Euro hat Xiaomi den Vorhang für sein erstes Auto gelüftet: den SU7. Anders als die Smartphones der Marke passt er allerdings nicht in die Hosentasche.
Das erste Ergebnis der Bemühungen des chinesischen Konzerns ist eine großzügig dimensionierte, vollelektrische Limousine: Sie misst rund fünf Meter in der Länge und fast zwei Meter in der Breite. Dazu kommen Fahrleistungen, um die sie Sportwagen beneiden könnten – die stärkste Ausführung beschleunigt in 2,78 Sekunden von 0 auf 100 km/h – sowie eine hohe Reichweite nach dem großzügigen chinesischen CLTC-Zyklus.
„Xiaomi möchte innerhalb der nächsten 15–20 Jahre zu den fünf größten Automobilherstellern der Welt aufsteigen.“
Lei Jun, Geschäftsführer von Xiaomi
Xiaomi macht keinen Hehl aus seinen Ambitionen und positioniert den SU7 gegen Modelle wie das Tesla Model S und den Porsche Taycan. Ist das zu ambitioniert? Ein genauerer Blick auf das Auto gibt Aufschluss.
Der Xiaomi SU7 und die Aerodynamik
Gleich zu Beginn beansprucht der neue Xiaomi SU7 den Titel des Serienautos mit dem weltweit niedrigsten Luftwiderstandsbeiwert für sich: Sein Cx-Wert beträgt lediglich 0,195. Damit unterbietet er sowohl den Mercedes-Benz EQS mit 0,20 als auch das Tesla Model S mit 0,208.
Dazu dürften die Silhouette und die fließenden, an den Taycan erinnernden Linien beitragen – ebenso wie der verantwortliche Designer. Das Exterieur stammt von James Qiu, der bereits Erfahrung mit besonders aerodynamischen Autos hat: Er war einer der Verantwortlichen für die Studie Mercedes-Benz Vision EQXX mit einem Cx-Wert von 0,17.
Für die Aerodynamik sorgen beim SU7 außerdem ein aktiver unterer Lufteinlass, der sich je nach Bedarf in 16 Stufen öffnet und schließt, sowie ein aktiver Heckflügel mit vier Verstellstufen. Luftfederung und adaptive Dämpfung sind ebenfalls an Bord.
Elektroauto mit „V6“- und „V8“-Motoren
Das Erstlingswerk der chinesischen Marke im Autobereich wurde in zwei Ausführungen vorgestellt: als SU7 in der Basisversion und als SU7 Max. Die wesentlichen Unterschiede betreffen den Antriebsstrang und die technische Ausstattung.
Beide Varianten nutzen dieselbe Plattform namens Modena – benannt wie die italienische Stadt, in der Ferrari und Maserati ihren Sitz haben.
Offenbar hat bei Xiaomi jemand Humor: Die Motoren, die dieses ausschließlich vollelektrische Modell antreiben oder künftig antreiben sollen, heißen HyperEngine V6, HyperEngine V6s und HyperEngine V8s. Ja, richtig gelesen: V6 und V8, als handle es sich um Verbrennungsmotoren.
Diese Elektromotoren zeichnen sich durch ihre hohen Drehzahlen aus. V6 und V6s erreichen maximal 21 000 U/min, für den erst 2025 kommenden V8s werden 27 200 U/min angegeben. Damit nicht genug: Xiaomi arbeitet dank des Einsatzes von Kohlefaser an einem Motor, der 35 000 U/min erreichen kann.
In der Basisversion des SU7 sitzt der HyperEngine V6 an der Hinterachse und treibt die Hinterräder an. Er leistet 220 kW (299 PS), entwickelt 400 Nm Drehmoment und beschleunigt das Auto in 5,28 Sekunden von 0 auf 100 km/h.
Beim SU7 Max arbeitet der „V6“ an der Vorderachse, während hinten der V6s mit 275 kW (374 PS) und 500 Nm zum Einsatz kommt. Daraus ergeben sich Allradantrieb, eine maximale kombinierte Leistung von 495 kW (673 PS) und 823 Nm Drehmoment. Tempo 100 km/h erreicht der Wagen in nur 2,78 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 265 km/h.
Bis zu 800 km Reichweite im chinesischen Zyklus
Neben dem mechanischen Aufbau unterscheiden sich die beiden SU7-Versionen deutlich bei ihren Batterien. Das beginnt bereits bei der elektrischen Spannung: Obwohl die Modena-Plattform mehr als 800 V erlaubt, ist die Batterie des Basismodells auf 400 V beschränkt.
Sie stammt von CATL, verwendet Lithium-Eisenphosphat-Chemie (LFP) und fasst 73,6 kWh. Daraus ergibt sich eine Reichweite von 668 km im chinesischen CLTC-Zyklus. Im bei uns gebräuchlichen WLTP-Zyklus fällt sie niedriger aus; der Wert wird mit einer „5“ beginnen.
Der SU7 Max besitzt dagegen eine 875-V-Batterie mit 101 kWh Kapazität. Auch sie kommt von CATL, nutzt aber die energiedichtere Nickel-Mangan-Kobalt-Chemie (NMC). Xiaomi gibt für diese Version 800 km Reichweite an – wiederum nach dem großzügigen chinesischen Zyklus.
Riesenbildschirm und weiterhin physische Bedienelemente
Im Innenraum folgt das Design dem aktuellen Trend zu horizontalen Linien. Im Mittelpunkt steht ein großer zentraler Touchscreen mit 16,1 Zoll und 3K-Auflösung.
Anders als etwa Tesla spendiert Xiaomi dem Fahrer unmittelbar vor ihm ein volldigitales Kombiinstrument mit einem 7,1-Zoll-Bildschirm. Einige physische Bedienelemente bleiben ebenfalls erhalten.
Auch die Insassen im Fond können zwei Bildschirme nutzen, die hinter den Vordersitzen angebracht sind. Dabei handelt es sich um Xiaomi-Tablets vom Typ Mi Pad.
Das gesamte Cockpit wird vom Betriebssystem HyperOS gesteuert, das Qualcomm-Prozessoren vom Typ Snapdragon 8295 nutzt. Die fortschrittlichen Fahrassistenzsysteme namens Xiaomi Pilot arbeiten hingegen mit zwei Nvidia-Orin-X-Chips, die eine Rechenleistung von 508 TOPs – Billionen Operationen pro Sekunde – bieten.
Für die erweiterten Fahrassistenten ist der SU7 Max mit einem LiDAR ausgerüstet, das bis zu 200 m weit reicht und direkt hinter der Oberkante der Windschutzscheibe sitzt. Auf manchen Bildern ist dort eine Erhebung zu erkennen. Unterstützt wird es von einem „Arsenal“ aus Radaren, 12 Ultraschallsensoren und Kameras. Der Wagen hat damit das Potenzial zum autonomen Fahren; Xiaomi will diese Fähigkeit während des gesamten Jahres 2024 in 100 chinesischen Städten testen.
Der größte Frunk seiner Klasse
Die großzügigen Außenmaße des Xiaomi SU7 kommen auch dem Platzangebot im Innenraum zugute. Die chinesische Marke verspricht insbesondere für die Fondinsassen viel Raum – ein wichtiger Punkt für den chinesischen Markt, auf dem von mehreren bei uns bekannten Modellen Langversionen angeboten werden.
Auch das Gepäck der Passagiere soll Platz finden: Xiaomi nennt ein Kofferraumvolumen von 517 l. Hinzu kommt der mit 105 l größte Frunk, also vordere Kofferraum, seiner Klasse. Er übertrifft die 89 l des Model S ebenso wie die 84 l des Taycan.
Wann kommt der Xiaomi SU7?
Die Serienproduktion des neuen Xiaomi SU7 soll im ersten Halbjahr 2024 in einem chinesischen Werk von BAIC (Beijing Automotive Industry Holding Co. Ltd) anlaufen.
Bei der ersten Vorstellung wurden weder ein Termin für die ersten Auslieferungen noch Preise genannt.
Da Xiaomi das Tesla Model S und den Porsche Taycan als Konkurrenten betrachtet, könnte man Preise in deren Nähe erwarten.
Die Publikation CarNewsChina ist mit ihrer Prognose jedoch optimistischer und rechnet für den SU7 in der Basisversion mit einem Einstiegspreis von 300 000 Yuan, etwas mehr als 38 100 Euro. Zum Vergleich: Das Model S kostet in China ab 88 900 Euro.
Wird der Xiaomi SU7 nach Europa und insbesondere nach Portugal kommen?






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