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Audi, BMW und Mercedes: Drei verschiedene Ideen für den Innenraum

Innenräume von BMW, Mercedes-Benz und Audi mit Cockpits und großen Displays bei Tageslicht und Dämmerung.
In diesem Artikel
  1. Mercedes setzt beim GLC EV auf eine riesige Bildschirmfläche
  2. BMW erfindet den Innenraum des iX3 neu
  3. Audi Concept C: ein Cockpit wie vor zehn Jahren

Innerhalb nur einer Woche haben wir einen Blick auf die Zukunft deutscher Autoinnenräume bekommen. Vorbei sind offenbar die Zeiten, in denen Audi, BMW und Mercedes jeden Schritt der Konkurrenz bis hin zum Klicken des Lautstärkereglers zum Maßstab nahmen.

Das neue Audi Concept C, das unseren Informationen zufolge zu 95 Prozent dem neuen TT entspricht, der serienreife BMW iX3 der „Neuen Klasse“ und der neue Mercedes GLC EV streben in völlig unterschiedliche Richtungen. Jede Marke hat dabei ihre eigene Vorstellung vom vollkommenen Innenraum – samt aller erdenklichen Technik, Informationen, Annehmlichkeiten, Sicherheit und Unterhaltung.

Mercedes setzt beim GLC EV auf eine riesige Bildschirmfläche

Mercedes verfolgt seinen Hyperscreen-Kurs noch entschlossener und präsentiert ein neues Riesendisplay. Diesmal liegen allerdings nicht mehr drei große Bildschirme unter einer gemeinsamen Glasfläche. Stattdessen gibt es eine 39,1 Zoll beziehungsweise rund 99,3 Zentimeter große Pixelfläche, die von mehr als 1.000 LEDs hinterleuchtet wird.

Laut Mercedes erkennt der Bildschirm, wohin man schaut – vielleicht ja auf die Straße – und passt die Helligkeit der gewaltigen Anzeige automatisch an. Ob sie sich wie der bisherige Hyperscreen unangenehm stark erwärmt, ist noch offen. Ebenso, was mit dem übrigen Teil der Anzeige geschieht, wenn Apple CarPlay oder Android Auto verbunden wird.

BMW erfindet den Innenraum des iX3 neu

Während Mercedes auf einen einzigen Bildschirm setzt, hat BMW praktisch alles über Bord geworfen, was man über die Innenräume der Marke zu wissen glaubte. Das iDrive-Drehrad? Verschwunden. Der schmale, gebogene Bildschirm auf dem Armaturenbrett? So ähnlich ist er noch da, allerdings eher als schmaler, einem Head-up-Display ähnelnder Streifen mit sechs individuell anpassbaren Anzeigeelementen. Der zentrale Berührungsbildschirm orientiert sich nun ganz an Tesla: riesig, mittig platziert und sechseckig. Der Wettstreit um die auffälligste Anzeige erreicht neue Dimensionen.

Weder für die Heizung noch für die Fahrmodi gibt es mechanische Schalter. Das Lenkrad scheint auf einem Brückenträger aufgespießt zu sein und trägt zahlreiche Knöpfe, die verdächtig nach berührungsempfindlichen Flächen aussehen. Das Ganze wirkt sehr nach Studie. Tatsächlich handelt es sich aber um ein Serienauto, das Anfang nächsten Jahres mit eigenem App Store ab knapp 60.000 britischen Pfund verkauft werden soll.

Audi Concept C: ein Cockpit wie vor zehn Jahren

Hier läuft etwas Merkwürdiges ab: Mercedes und BMW zeigen serienreife Geländewagen für den Schulweg, deren Innenräume aus dem Jahr 2200 stammen könnten. Audi versucht dagegen, mit einer Studie Schlagzeilen zu machen – und zwar mit einem sportlichen, zweitürigen Cabriolet. Zudem ist es der erste neue Audi, der unter einem neuen Designchef gestaltet wurde. Da würde man etwas Radikales, Wildes und völlig Außergewöhnliches erwarten.

Und genau das ist es auch. Denn der Innenraum der Audi-Studie sieht aus wie der eines Autos von vor zehn Jahren.

Das Concept C besitzt ein rundes Lenkrad, an dem ausschließlich Metallknöpfe sitzen, die beim Drücken „klick“ machen. Der Bildschirm für die Fahrerinformationen ist nicht größer als jener im alten TT. Und der zentrale Berührungsbildschirm? Er misst etwa so viel wie eine Laptoptastatur und verschwindet bei Nichtgebrauch im Armaturenbrett.

Eine Gestensteuerung gibt es nicht. Ebenso wenig dreidimensionale holografische Projektionen, wie sie für den iX3 versprochen werden. Das Concept C bildet damit den Gegenpol zum Bildschirmkino des A6 e-tron mit seinen fünf Anzeigen, den albernen virtuellen Außenspiegeln und dem überflüssigen Beifahrerdisplay.

Für ein Raumfahrtgefühl gewinnt der Audi also keinen Preis. Er wirkt nicht einmal futuristisch. Würde man morgen einen Freund damit abholen, verlöre dieser wohl kein Wort über das Cockpit und geriete auch nicht ins Schwärmen. Im BMW oder Mercedes würde er dagegen über Anzeigen wischen, darauf zeigen und dabei versehentlich die oder den Ex anrufen.

Eine mögliche Erklärung dafür: Audi hat im vergangenen Jahr in China einen eigenen Klon namens „AUDI“ gegründet. Dessen Autos tragen nicht die vier Ringe. Es sind allesamt große Elektrolimousinen mit Bildschirmen über die gesamte Breite und dem Charakter einer Selbstbedienungskasse im Supermarkt – auf europäischen Straßen werden sie nie zu sehen sein.

BMW und Mercedes bauen hingegen weiterhin Autos, die überall funktionieren müssen. Weil der chinesische Markt so groß und technikbegeistert ist, stehen möglichst viel Bildschirmfläche und digitale Assistenten an Bord an erster Stelle. Im Stau dürfte der Aufenthalt im Mercedes und im BMW neuartig wirken. Von diesen dreien ist es aber der neue Audi-Innenraum, in dem ich fahren möchte.

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Katharina Leitner

Katharina Leitner ist Kulturwissenschafterin und Autorin aus Graz mit Schwerpunkt auf österreichischer Alltagskultur und regionalen Sprachbesonderheiten. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Schmolik, dessen Traditionen, Bedeutungen und zeitgemäßen Entwicklungen, und sammelt dazu Geschichten, Rezepte und Erfahrungsberichte aus ganz Österreich.

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