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Der Capricorn 01 Zagato ist ein puristisches Hypercar

Grüner Sportwagen mit aerodynamischem Design und braunem Innenraum, geparkt auf Betonboden vor grauer Wand.
In diesem Artikel
  1. Capricorn 01 Zagato: Design und Karbonkonstruktion
  2. V8 und Handschaltung im Capricorn 01 Zagato
  3. Capricorn 01 Zagato: Haltung und Zukunftspläne

Die Capricorn Group dürfte den wenigsten ein Begriff sein. Das zurückhaltende deutsche Ingenieurunternehmen hat aber an einigen Autos mitgewirkt, die umso bekannter sind: Bugatti Veyron, Chiron, Mistral und Bolide ebenso wie McLaren P1 und Porsche 918 Spyder. Auch am aktiven Flügel des Porsche 911 GT3 RS und am Innenleben des schmerzlich vermissten Audi R8 hat Capricorn mitgearbeitet.

Nun hat das Unternehmen offenbar genug davon, die Hypercar-Hausaufgaben für andere zu erledigen, und ein eigenes Fahrzeug gebaut. Da der Capricorn-Chef mit der Familie Zagato eng befreundet ist, lässt sich leicht erraten, welches berühmte italienische Designhaus die Karbonkarosserie gestaltet hat.

Capricorn 01 Zagato: Design und Karbonkonstruktion

In der Formensprache erkennen wir Anklänge an den Ford GT, während die Windschutzscheibe und die schlanken Säulen an Koenigsegg erinnern. Die hinteren Kotflügelpartien lassen wiederum an Langstreckenrennwagen der 1960er-Jahre denken. Das doppelt gewölbte Dach ist ein typisches Zagato-Merkmal. Für das 106 Jahre alte Unternehmen ist es allerdings das erste Hypercar, das es je entworfen hat.

Unter der Karbonhaut steckt – nun ja – noch mehr Karbon. Die zentrale Fahrgastzelle sowie die vorderen und hinteren Hilfsrahmen bestehen aus Karbongewebe nach Motorsportstandard. Capricorn bezeichnet die Konstruktion als „Rückgrat“ und erklärt, dank seiner Erfahrung mit dem Werkstoff seien geringes Gewicht und eine durchdachte Raumnutzung möglich. Vorne gibt es deshalb einen 110 Liter großen Kofferraum, der nur ein wenig kleiner ist als jener eines Porsche 911. Trotzdem liegt das Trockengewicht bei rund 1.200 kg. Mit optionalen Karbonrädern fällt es noch geringer aus. Keramikbremsen gehören zur Serienausstattung.

V8 und Handschaltung im Capricorn 01 Zagato

Unter einer großflächigen Glasabdeckung im Heck sitzt, eingebettet zwischen goldfarbenen Hitzeschutzblechen, ein Ford-V8. Zumindest war er das einmal. Capricorn hat den Motor gründlich überarbeitet: Der Hubraum wurde auf 5,2 Liter vergrößert, Kurbelwelle, Pleuel und Kolben sind geschmiedet, die Motorsteuerung wurde selbst programmiert und zusätzlich ein Kompressor montiert.

Versprochen werden mehr als 900 PS, 1.000 Nm Drehmoment und eine beachtliche Höchstgeschwindigkeit von rund 360 km/h. Der Sprint von 0 auf 100 km/h soll weniger als drei Sekunden dauern. Das hängt allerdings davon ab, wie viel man den Hinterreifen zumutet – und wie schnell man die Gänge wechselt.

Denn tatsächlich wird hier von Hand geschaltet. Und zwar nicht mit irgendeinem Getriebe: Es gibt fünf Gänge, eine offene Schaltkulisse und einen versetzt angeordneten ersten Gang. Zu dieser bewusst altmodischen Entscheidung passen analoge Instrumente, Kippschalter und der vollständige Verzicht auf ein Infotainmentsystem. Alles, was schlecht altern oder schnell veraltet wirken könnte, bleibt aus dem Capricorn draußen. Deshalb gibt es weder einen Hybridantrieb noch einen berührungsempfindlichen Bildschirm. Fahrmodi sind vorhanden – Komfort, Sport und Rennstrecke –, ausgewählt werden sie aber über herkömmliche Drehregler am Lenkrad.

Man kann sich das Auto also als einen halb deutschen, halb italienischen GMA T.50 vorstellen: eine Liebeserklärung an puristisches Fahren und niedriges Gewicht. Rundenzeiten und Höchstgeschwindigkeit zeigt es demonstrativ die kalte Schulter. Nicht einmal eine aktive Aerodynamik ist an Bord.

Capricorn 01 Zagato: Haltung und Zukunftspläne

Capricorn und Zagato unterstreichen ihr Konzept für den 01 mit einigen pointierten Aussagen. Laut Zagato muss sich das Design „nicht auf ein optisch protziges Aerodynamikpaket mit großen Flügeln verlassen, um Abtrieb zu erzeugen“. Das Ziel sei vielmehr gewesen, „für Stabilität eine konstante und vorhersehbare Abtriebsverteilung zu erreichen, nicht einen extrem hohen Abtriebswert mit einem engen Arbeitsbereich, der das Hypercar nervös machen würde“.

Und was das Wettrüsten unter den Hypercars betrifft, findet Capricorn – immerhin am Bau der Hälfte dieser Fahrzeuge beteiligt –, dass die Sache inzwischen etwas albern geworden ist.

„Wir hatten kein Interesse daran, uns am aktuellen Markttrend zu extrem hohen Motorleistungen zu beteiligen“, lautet die Kampfansage. „Diese gehen zwangsläufig mit hohem Gewicht einher, weil elektronische Komponenten erforderlich sind, damit der Fahrer solch extreme Leistungen beherrschen kann.“

Wer gedacht hat, damit sei das Austeilen gegen die Konkurrenz beendet, liegt falsch. Also gut festhalten:

„Es geht nicht darum, immer extremeren Leistungszahlen oder dem Recht zum Prahlen nachzujagen.“

Damit dürfte die Hälfte von Capricorns Kundschaft wohl keine Weihnachtskarte mehr bekommen. Vielleicht liegt die Zukunft des Unternehmens aber ohnehin nicht mehr allein in der technisch anspruchsvollen Komponentenfertigung. Es denkt offenbar größer.

Das Unternehmen erklärt: „Während das Coupé Capricorn 01 Zagato auf 19 Exemplare limitiert ist, kann das Unternehmen künftige Projekte in Serien von 100 bis 200 Fahrzeugen pro Jahr abwickeln.“

In der Branche nennt man so etwas eine Aufforderung, auf einen zuzukommen: eine offene Einladung an alle, die eine Idee und das nötige Budget für ein Hypercar haben, Capricorn als Partner für die Umsetzung vom Entwurf bis zur Wirklichkeit in Betracht zu ziehen – ähnlich wie HWA oder Manifattura Automobili Torino. Für jeden gebauten 01 Zagato verlangt das Unternehmen unterdessen rund 2,5 Millionen Pfund. Steuern kommen noch dazu.

Wer also eine Skizze für einen Supersportwagen verwirklichen möchte, weiß nun, an wen er sich wenden kann. Vorausgesetzt, es geht dabei nicht um einen Wettlauf um Leistung, Abtrieb, Höchstgeschwindigkeit oder Rundenzeiten. Capricorn mag es lieber etwas analoger und altmodischer.

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Katharina Leitner

Katharina Leitner ist Kulturwissenschafterin und Autorin aus Graz mit Schwerpunkt auf österreichischer Alltagskultur und regionalen Sprachbesonderheiten. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Schmolik, dessen Traditionen, Bedeutungen und zeitgemäßen Entwicklungen, und sammelt dazu Geschichten, Rezepte und Erfahrungsberichte aus ganz Österreich.

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