Die Schwierigkeiten des Volkswagen-Konzerns sind keineswegs neu. Zwar läuft bereits ein Restrukturierungsprogramm, doch dieses reicht offenbar nicht aus. In den vergangenen Monaten wurden weitere Schritte bekannt: Neben den bereits angekündigten 50.000 sollen mehr als 50.000 zusätzliche Arbeitsplätze wegfallen, zudem ist die Schliessung von vier Werken in Deutschland vorgesehen.
Wie aus einem Dokument hervorgeht, das der WirtschaftsWoche vorliegt, hat der Vorstand des Volkswagen-Konzerns den Plan einstimmig verabschiedet und wird ihn nun dem Aufsichtsrat vorlegen. Das Papier nennt auch die vorgesehenen Termine für die Stilllegung der vier deutschen Standorte Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm.
In Emden und Zwickau soll die Fahrzeugfertigung 2031 enden. Hannover folgt 2032. Zuletzt soll 2034 das Audi-Werk in Neckarsulm geschlossen werden.
Derzeit werden in Emden der Volkswagen ID.4 und ID.7 gebaut. Aus Zwickau kommen der Volkswagen ID.3, ID.4 und ID.5, der CUPRA Born sowie der Audi Q4 e-tron. In Hannover entsteht unter anderem der ID. Buzz, während Neckarsulm mehrere Audi-Modelle fertigt: A5, A6, e-tron GT und A8, dessen Produktion noch in diesem Jahr endet.
Die Terminwahl ist auffällig. Nach wochenlangen Verhandlungen und Streiks einigten sich Volkswagen, Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall im Dezember 2024 auf eine Vereinbarung. Sie schliesst betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2030 aus und sichert die betroffenen Produktionsstandorte ab. Der neue Zeitplan setzt exakt im Folgejahr an: Für Emden und Zwickau ist das Produktionsende für 2031 vorgesehen.
Insgesamt beschäftigen die vier Werke rund 40.000 Menschen. Nach dem Plan sollen die Nachfolgemodelle der heute dort produzierten Fahrzeuge an andere europäische Standorte verlagert werden.
Der Volkswagen-Konzern äusserte sich nicht zum Inhalt des Dokuments. Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender des Konzerns, hatte bereits eingeräumt, dass das Unternehmen für diese Standorte im kommenden Jahrzehnt noch keine wettbewerbsfähige Nutzung gefunden habe.
Das gleiche Dokument sieht ausserdem den Verkauf oder eine Verringerung der Beteiligung an Unternehmen wie Ducati, Traton, Gotion, QuantumScape und SGL Carbon vor.
Der Plan reicht weit über die Werke hinaus
Die Schliessung dieser Standorte bildet nur einen Teil eines wesentlich umfassenderen Umbaus. Der Volkswagen-Konzern will auch die Komplexität seines Angebots deutlich verringern und die derzeit markenübergreifend rund 150 verfügbaren Modelle halbieren.
Zusätzliche Einschnitte beim Personal stehen ebenfalls zur Diskussion. Der deutsche Konzern räumte ein, dass weltweit weitere 50.000 Stellen gestrichen werden könnten – zusätzlich zu den ursprünglich angekündigten und vereinbarten 50.000 Arbeitsplätzen.
Hinter den geplanten drastischen Kürzungen steht ein vergleichsweise klar erkennbares Problem: Der Hersteller kann deutlich mehr Autos produzieren, als die gegenwärtige Nachfrage rechtfertigt. Eine Lösung dafür zu finden, erweist sich jedoch als wesentlich schwieriger.
Das grösste Hindernis für den Volkswagen-Konzern
Das wichtigste Hindernis bei der Umsetzung des Vorhabens liegt weiterhin innerhalb von Volkswagen selbst. Die Arbeitnehmervertretung hält die Hälfte der Sitze im Aufsichtsrat, während das Land Niedersachsen über 20% der Stimmrechte verfügt. Beide stellten sich gegen den im Juli vorgestellten Restrukturierungsplan.
Die nächste Auseinandersetzung zwischen den beteiligten Seiten ist für diese Woche angesetzt. Der Aufsichtsrat kommt am 4. September zusammen und soll den Plan erneut beraten, einschliesslich der Zukunft der vier Werke.
Sollte es wieder zu einer Blockade kommen, könnte der Vorstand versuchen, einige dieser Entscheidungen über eine ausserordentliche Hauptversammlung direkt den Aktionärinnen und Aktionären vorzulegen.






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