Was er versprach
Eine direkte Verbindung zum Ferrari-F1-Auto der frühen 1990er-Jahre – dazu ein V12-Saugmotor. Und natürlich ein manuelles Getriebe.
Was er richtig machte
Den Anfang macht der V12-Sauger samt seiner engen technischen Verwandtschaft zum F130B-Motor des atemberaubend schönen 641 F1. Mit diesem teilte sich der Motor des F50 den 65-Grad-Bankwinkel, den Motorblock und die Fünfventiltechnik pro Zylinder; alles andere wurde jedoch neu entwickelt. Der Hubraum lag bei 4,7 Litern statt bei 3,5 Litern, während die für ein F1-Auto berauschende Drehzahlgrenze von 13.500 U/min auf strassentauglichere – und legale – 8.500 U/min sank. Seine 513 PS stellte er lediglich 500 U/min darunter bereit, das maximale Drehmoment von 347 lb ft bei 6.500 U/min.
Fotografie: John Wycherley
Das Monocoque bestand aus einem Carbonfaser-Verbundwerkstoff in F1-Qualität, während der direkt mit dem Chassis verschraubte Motor als tragendes Bauteil fungierte. Verbaut war eine vollständig unabhängige Doppelquerlenker-Aufhängung mit innenliegenden Dämpfern, die über Schubstangen mit Titan-Radträgern verbunden waren. Speziell beschichtete Kugelgelenke sorgten dafür, dass die Fahrwerksgeometrie erhalten blieb. Technisch war das ein hochentwickeltes Paket.
Im heutigen Zeitalter verkleinerter Hybrid-Turbomotoren – nicht zuletzt im F80 – und softwaregesteuerter Fahrwerkszauberei könnte man dem F50 durchaus einen gewissen Rückstand unterstellen. Tatsächlich wirkt er heute stärker denn je wie der perfekte Mittelweg. Dank Zweischeiben-Kupplung verlangt das manuelle Sechsganggetriebe kaum Kraft; sein stimmungsvoller Schalthebel gleitet geradezu durch die offene Metallkulisse.
Servolenkung gibt es ebenso wenig wie Bremskraftverstärkung, von einer Traktionskontrolle ganz zu schweigen – man ist also auf sich allein gestellt. Das schärft die Konzentration, wobei sich der F50 wie ein grosser, attraktiver Go-Kart mit zwölf Zylindern fahren lässt. Er reagiert weniger messerscharf als der F40, ist leichter auszunutzen als der Enzo und sogar komfortabel.
Nach mehr als 30 Jahren Geschichte ist der F50 ein Zugang zu einer Zeit, die glücklicher und optimistischer wirkte. Hinzu kommen seine köstliche 641-DNA und die Verbindung zu den Piloten, die dieses Auto einsetzten – allen voran Alain Prost und Nigel Mansell. Gebaut wurden nur 349 Exemplare, womit er seltener ist als F40, Enzo und LaFerrari.
Was er falsch machte
Rückblickend nicht besonders viel. Vielleicht dürften die vorderen Radhäuser etwas kräftiger ausgeformt sein. Als der F50 Mitte der 1990er-Jahre erschien, fiel die Resonanz aus unerfindlichen Gründen verhalten aus. Möglicherweise lag es daran, dass er just zu jenem Zeitpunkt auf den Markt kam, als der McLaren F1 sämtliche Erwartungen neu definierte.
Wie die Geschichte über ihn urteilt
Die Geschichte hat sich für ihr Fehlurteil entschuldigt. Zwar überstrahlt der McLaren F1 den F50 bis heute, doch seine Rehabilitierung beim Ruf hat die Werte in die Stratosphäre getrieben. Ein Ferrari-V12 mit Handschaltung ist heute ein Objekt mit Gral-Status.
Ferrari F50
Preis damals (1995)/heute: £342.700/£4–5 Mio.
Technische Daten: 4.698 cm³ V12, 513 PS bei 7000 U/min, 347Ib ft, 1.230 kg (trocken), 0–100 km/h in 3,7 Sek., 325 km/h






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