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Autobau im Wandel: Cockpit, Diesel und einfache Technik kehren zurück

Graues Elektroauto mit offenem Fahrertür und modernem Innenraum in hellem Ausstellungsraum.
In diesem Artikel
  1. Vom Tablet auf Rädern zurück zum klassischen Autocockpit
  2. Diesel erlebt ein Comeback – gegen alle Prognosen
  3. Ende der Showeffekte: Versteckte Türgriffe, riesige Felgen, winzige Fenster
  4. Monospace, Kleinstwagen, einfache Technik: alte Konzepte, neue Chance
  5. Hightech bleibt – nur unsichtbarer
  6. Was dieser Trend für Autofahrer im Alltag bedeutet

Im Autobau gab es jahrelang scheinbar nur einen Kurs: mehr Touchscreens, mehr Assistenzsysteme und mehr Elektroantriebe. Wer auf die Bremse trat, wurde als rückständig angesehen. Inzwischen dreht sich die Stimmung. Sicherheitsanforderungen, verärgerte Kundschaft und hohe Kosten bewegen die Branche in eine neue und zugleich vertraute Richtung: zurück zu physischen Bedienelementen und Verbrennungsmotoren, weg vom übertechnisierten Schauauto für den täglichen Arbeitsweg.

Vom Tablet auf Rädern zurück zum klassischen Autocockpit

Zuletzt erhielten fast alle neuen Autos ein großes Zentraldisplay, klassische Schalter fehlten häufig. Heizung, Lüftung und Sitzheizung mussten über Untermenüs bedient werden. Viele am Steuer empfanden das eher als Belastung denn als Fortschritt.

„Die Zeit der vollständig digitalisierten Cockpits ohne Tasten geht zu Ende – Sicherheitstests machen ein Umdenken notwendig.“

Euro NCAP, die Organisation hinter den bekannten Crashtests und Sternebewertungen, hat neue Kriterien eingeführt. Für die begehrten fünf Sterne benötigen Hersteller künftig wieder eine bestimmte Anzahl physischer Knöpfe für wichtige Funktionen.

Der Grund ist einfach: Wer auf dem Touchscreen durch Menüs tippt, blickt länger nicht auf die Straße. Dadurch steigt das Unfallrisiko. Studien zufolge lassen sich einfache Drehregler und Tasten bedienen, ohne hinzusehen: eine Handbewegung, ein Klick, und der Blick bleibt nach vorne gerichtet. Die Sicherheitsbewertung soll die Hersteller wieder in diese Richtung lenken.

Warum viele Fahrer genug von Touch haben

Autokäuferinnen und Autokäufer äußern zunehmend ähnliche Beschwerden:

  • Die Heizung ist nur über verschachtelte Menüs zugänglich.
  • Touchflächen reagieren verzögert oder bei Erschütterungen falsch.
  • Spiegel, Fahrmodi und Assistenzsysteme verstecken sich in Untermenüs.
  • Glänzende Displays blenden bei Sonnenschein und leuchten im Dunkeln wie Reklametafeln.

Noch immer zeigen manche Marken aufwendige Lichtinszenierungen im Innenraum. Gleichzeitig entwickelt sich ein leiser Gegentrend zu einfacheren Armaturen, klassischen Instrumenten und übersichtlich getrennten Bedieneinheiten. Einige Premiumhersteller verbinden kleine Rundinstrumente mit Tasten am Lenkrad, um „modern“ und „bedienbar“ miteinander zu vereinen.

Diesel erlebt ein Comeback – gegen alle Prognosen

Auch bei den Antrieben zeichnet sich eine Richtungsänderung ab. Noch vor Kurzem kündigten viele Konzerne an, vollständig auf Elektroplattformen setzen zu wollen. Nun löst sich vor allem ein großer Zusammenschluss wieder vom radikalen Kurs ausschließlich mit Elektroantrieben und baut sein Dieselangebot für Privatkunden aus.

Auf den ersten Blick sieht das nach einer Rückkehr in vergangene Zeiten aus. Dahinter steht allerdings eine sachliche Kalkulation: Vielerorts gibt es zu wenige Schnellladestationen, die Strompreise schwanken und Menschen auf dem Arbeitsweg benötigen Reichweite, ohne ihre Fahrten ständig planen zu müssen.

„Für viele Kundinnen und Kunden bleibt der Diesel der Reichweitenkönig und eine kalkulierbare Lösung für lange Strecken.“

Klimaziele und Grenzwerte sorgen weiterhin für hohen Druck. Der ursprünglich sehr strenge Zeitplan für Verbote von Verbrennern in Europa hat sich jedoch etwas gelockert. Hersteller nutzen dieses Zeitfenster, um wieder in moderne, normkonforme Dieselaggregate zu investieren. Sie betrachten diese weniger als dauerhafte Zukunftslösung denn als Brücke, um die kommenden Jahre profitabel und alltagstauglich zu überstehen.

Elektroplattformen werden zurückgerüstet

Ein weiterer bemerkenswerter Trend: Hersteller reiner Elektroplattformen beginnen, diese nachträglich zu „hybridisieren“. Ein Ansatz sieht etwa vor, in ursprünglich batterieelektrische Fahrzeuge einen kleinen Verbrennungsmotor als Reichweitenverlängerer einzubauen.

Das Konzept: Im Alltag fährt das Auto elektrisch. Auf langen Strecken schaltet sich ein kompakter Motor ein und lädt die Batterie. Die Fahrerin muss nicht ständig ein Kabel anstecken, sondern tankt bei Bedarf herkömmlichen Kraftstoff. An die Stelle des rein elektrischen Anspruchs tritt ein pragmatischer Mischbetrieb.

Ende der Showeffekte: Versteckte Türgriffe, riesige Felgen, winzige Fenster

Der Rückwärtsgang der Branche zeigt sich nicht allein bei Antrieben und Displays, sondern auch beim Design. Flächenbündige, ausfahrbare Türgriffe waren einige Jahre lang ein besonders gefragtes Merkmal moderner Elektrofahrzeuge: Sie wirkten futuristisch und waren etwas windschnittiger. Mehrere Hersteller nehmen inzwischen wieder Abstand davon.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Schwierigkeiten bei Frost, Schnee und Schmutz
  • Aufwendigere Mechanik, höhere Kosten und größere Störanfälligkeit
  • Schlechterer Zugang zu den Türen für Rettungskräfte im Ernstfall

Die Folge: Herkömmliche, gut greifbare Türgriffe kommen zurück. Sie sind schlicht, sichtbar und robust – und in Notsituationen klar im Vorteil.

Auch frühere Modetrends sehen Designer mittlerweile kritischer: sehr kleine Fensterflächen, riesige Felgen und extrem kantige Linien. Im Alltag verschlechtern sie die Übersicht, mindern den Komfort und machen Reifen teurer sowie empfindlicher. Erste Marken denken laut über größere Glasflächen, maßvollere Radgrößen und ein weniger aggressives Styling nach.

Monospace, Kleinstwagen, einfache Technik: alte Konzepte, neue Chance

Gleichzeitig kehrt eine Fahrzeugform zurück, die viele schon abgeschrieben hatten: der klassische Van beziehungsweise Kompaktvan. In den 90ern war das Raumwunder bei Familien beliebt, später wurde es von SUVs verdrängt. Nun bekommt es eine neue Chance.

Der Grund dafür ist naheliegend: Wer Kinder, Kinderwagen, Fahrräder oder ältere Mitfahrende befördert, weiß niedrige Ladekanten, große Türen und viel Kopffreiheit zu schätzen. SUVs wirken zwar martialischer, sind im Alltag aber oft weniger praktisch. Hersteller erproben daher neu interpretierte Raumkonzepte, die eher an frühere Vans als an hochbeinige Geländewagen erinnern.

Ein weiteres Gebiet sind bewusst einfach gehaltene Stadtautos. Angeregt durch minimalistische Kleinstfahrzeuge aus Asien entstehen Konzepte für kompakte Stadtautos mit reduzierten Vorschriften, wenigen Assistenzsystemen und überschaubarer Technik. Statt XXL-Bildschirmen und überladenen Menüs stehen ein günstiger Einstiegspreis und eine stressfreie Bedienung im Vordergrund.

Weniger Spielereien, mehr Nutzwert

Immer mehr Verantwortliche in den Entwicklungsabteilungen erkennen: Durchschnittliche Fahrerinnen und Fahrer wollen kein rollendes Techniklabor, sondern ein Auto, das unkompliziert funktioniert. Viele Assistenzsysteme werden nach anfänglicher Neugier im Menü abgeschaltet, weil sie stören oder ihre Bedienung nicht selbsterklärend ist.

Einige Marken planen deshalb deutlich voneinander abgegrenzte Ausstattungsstufen:

  • Basismodelle mit begrenzter und leicht verständlicher Technik
  • Mittelklassevarianten mit ausgewählten Komfortfunktionen
  • Topausstattungen mit Vollausbau für Technikbegeisterte

So sollen nicht alle Kundinnen und Kunden im selben digitalen Käfig landen. Wer Einfachheit bevorzugt, erhält ein entsprechend schlichtes Auto, ohne sich technisch von gestern fühlen zu müssen.

Hightech bleibt – nur unsichtbarer

Bei aller Rückbesinnung auf Knöpfe, gute Sicht und Nutzwert entwickelt sich die unsichtbare Technik rasant weiter. Fahrerassistenz, Vernetzung und Steuergeräte werden komplexer, selbst wenn das Cockpit aufgeräumter erscheint.

„Die nächste große Stufe ist der autonome Fahrbetrieb. Der Weg dorthin führt aber nicht geradlinig ans Ziel, sondern verläuft in Etappen mit Pausen und Rückschritten.“

Hersteller erproben teilautonome Funktionen auf Autobahnabschnitten, in abgesperrten Bereichen und in festgelegten Stadtzonen. Zugleich nehmen sie Funktionen zurück, die sich im Feldversuch als zu verwirrend oder rechtlich heikel erwiesen haben. Daraus entsteht ein Zickzackkurs aus Pilotprojekten, Rücknahmen und neuen Anläufen.

Für Menschen am Steuer bedeutet das: Das Auto von morgen könnte sich konservativer anfühlen als das Schauauto von gestern und dennoch im Hintergrund deutlich mehr Rechenleistung bieten. Die Herausforderung liegt darin, diese Technik so zu verpacken, dass sie nicht unentwegt ruft: „Bedien mich!“

Was dieser Trend für Autofahrer im Alltag bedeutet

Wer in den kommenden Jahren ein Auto kauft, sollte genau prüfen, wie die Hersteller diesen Spagat bewältigen. Bei der Auswahl helfen einige praktische Fragen:

  • Lassen sich Heizung, Lüftung und Lautstärke mit Knöpfen einstellen oder nur über Touchflächen?
  • Wie groß sind die Glasflächen und reicht die Sicht beim Einparken tatsächlich aus?
  • Hat der Hersteller noch sparsame Verbrenner oder Reichweitenverlängerer im Angebot, falls Ladestationen selten sind?
  • Wie viele Assistenzsysteme können einfach und dauerhaft abgeschaltet werden?

Gerade beim viel diskutierten Diesel zahlt es sich aus, Normwerte, Abgasnachbehandlung und Einsatzzweck genau anzusehen. Wer täglich lange Strecken zurücklegt und kaum Ladeinfrastruktur vorfindet, profitiert weiterhin von moderner Dieseltechnik. Wer vorwiegend in der Stadt fährt, ist mit einem kleinen Elektroauto oder Hybrid oft entspannter und lokal emissionsfrei unterwegs.

Bezeichnungen wie „Reichweitenverlängerer“ oder „Mildhybrid“ klingen zunächst technisch, stehen aber letztlich für einfache Konzepte: Ein kleiner Motor lädt entweder die Batterie oder unterstützt kurzzeitig den Antrieb, um Kraftstoff zu sparen. Entscheidend bleibt die Verständlichkeit. Auch hier wächst der Druck, weniger Marketingfloskeln und dafür klarere Erklärungen zu liefern.

Der derzeitige Kurswechsel macht deutlich: Reine Schau­technik reicht im Auto nicht aus. Wer am Steuer sitzt, möchte Kontrolle, Übersicht und ein Fahrzeug, dessen Bedienung logisch erscheint. Dorthin bewegen sich viele Hersteller nun wieder – Schritt für Schritt und Knopf für Knopf.

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Katharina Leitner

Katharina Leitner ist Kulturwissenschafterin und Autorin aus Graz mit Schwerpunkt auf österreichischer Alltagskultur und regionalen Sprachbesonderheiten. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Schmolik, dessen Traditionen, Bedeutungen und zeitgemäßen Entwicklungen, und sammelt dazu Geschichten, Rezepte und Erfahrungsberichte aus ganz Österreich.

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