Es ist offiziell: Der Renault Twingo ist zurück. Verschwunden war er zwar nie ganz, doch das Modell, das in den 1990er-Jahren das Publikum eroberte, kehrt zu seinem ursprünglichen Rezept zurück. Seine klare Mission: zeigen, dass weiterhin Platz und Interesse für kompakte, leistbare und freche Autos bestehen.
Auf den Markt kommt er Ende des ersten Halbjahres 2026, zu Preisen unter 20.000 Euro. Doch hat er das Zeug, frischen Wind in den europäischen Automarkt zu bringen?
Wir waren in Paris, um ihn kennenzulernen, und erklären in diesem Video alle Details:
Die Rückkehr des Renault Twingo
Als der Twingo 1992 auf den Markt kam, änderte er gewissermaßen die Spielregeln. In einem Umfeld, das von grauen, konservativen Autos geprägt war, wagte Renault ein buntes Modell mit runden Formen und unverwechselbarer Persönlichkeit.
Das war zweifellos ein Risiko, zu dem Patrick Le Quément, bis Anfang der 2000er-Jahre Designchef von Renault, voll und ganz stand. Es zahlte sich jedoch aus.
Mehr als 30 Jahre später lebt der freche Geist des Twingo wieder auf – diesmal als rein elektrisches Auto. Damit vervollständigt er das Trio jener Modelle, die Renault aus der Vergangenheit zurückgeholt hat: R5, R4 und Twingo.
Warum aber gerade jetzt, wo kleine Stadtautos vom Aussterben bedroht sind? Renault ist überzeugt, dass das A-Segment nicht am mangelnden Interesse der Kundschaft krankt, sondern am fehlenden Angebot. Der neue Twingo ist die direkte Antwort darauf.
Den Ursprüngen treu
Die dritte Generation hatte aus meiner Sicht überhaupt nichts von der DNA des Originals bewahrt. Der neue Twingo scheint das nun zu korrigieren: Er hält sich eng an die 2023 vorgestellte Studie und an die Werte des Modells. Das wird schon beim ersten Blick deutlich.
Die Front erkennt man sofort wieder. Sie wirkt freundlich und jugendlich, fast wie ein lebendiges Wesen mit einem Gesicht – dem unteren Kühlergrill – und zwei Augen in Form der Scheinwerfer. Schon das Original hatte diesen Ausdruck. Es freut mich, dass Renault ihn beibehalten wollte.
Hinzu kommen drei angedeutete Lufteinlässe auf der Motorhaube, abgerundete Scheinwerfer und eine kurze, abfallende Haube, die den kompakten Auftritt zusätzlich betont.
Von der Seite fallen neben den ausgeprägten Radhäusern, die das Auto breiter wirken lassen, zwei Dinge auf: Leider hat Renault die runde Form der Türgriffe des Originals und der Studie nicht übernommen. Außerdem besitzt der neue Twingo anders als sein Vorbild fünf Türen.
Serienmäßig sind 16-Zoll-Räder mit Radkappen vorgesehen, optional gibt es 18-Zoll-Felgen. Ehrlich gesagt passen die kleineren Räder meiner Meinung nach besser zu diesem Stadtauto. Voraussichtlich bieten sie auch mehr Komfort.
Am Heck sticht neben der stark abgerundeten Lichtsignatur vor allem die Heckscheibe ins Auge. Anders als beim ursprünglichen Twingo lässt sie sich nicht unabhängig öffnen.
Außen klein, innen groß
Vielleicht ist das etwas übertrieben: Groß ist der Twingo nicht. Das Platzangebot im Innenraum überrascht dennoch. Obwohl er mit 3,79 Metern Länge 13 cm kürzer als der Renault 5 ist, bietet er etwa auf den Rücksitzen mehr Raum.
Das klingt merkwürdig, hat aber einen Grund: Die voneinander unabhängigen Rücksitze laufen auf einer 17 cm langen Schiene. Je nach Platzbedarf lassen sie sich nach vorne oder hinten verschieben.
Vielseitigkeit beschreibt den Innenraum des Twingo daher besonders gut. Auch in dieser Hinsicht bleibt er dem 1992 eingeführten Modell treu. Klappt man die Rückenlehne des Beifahrersitzes und einen der hinteren Sitze um, lassen sich sogar 2 Meter lange Gegenstände transportieren.
Der Kofferraum fasst bei ganz nach vorne geschobenen Rücksitzen maximal 360 Liter. Darin enthalten sind bereits die rund 50 Liter unter dem Ladeboden. Mit umgeklappten Rücksitzen steigt das Volumen auf 1000 Liter.
Doch der Innenraum des neuen Twingo bietet nicht nur Platz und Vielseitigkeit. Er ist schlicht, modern und voller Technik – insbesondere angesichts der Preisklasse, in der Renault ihn positionieren möchte.
Zum Einsatz kommt das aus den jüngeren Modellen der französischen Marke bekannte System OpenR Link mit integriertem Google und zwei Bildschirmen: einem 7-Zoll-Display für die Instrumente und einem 10-Zoll-Display für das Infotainment. Dazu gehören Google Maps, Google Assistant und über den Play Store der Zugriff auf mehr als 100 Anwendungen.
Auch der virtuelle Assistent Reno ist an Bord, bekannt aus Renault 5 und 4. Er integriert ChatGPT und kann bei einfachen Aufgaben helfen, etwa beim Einstellen der Innenraumtemperatur oder beim Wechsel zwischen den Fahrmodi.
Trotzdem hätte ich mir bei den Innenraumfarben mehr Mut von Renault gewünscht. Schließlich gehörte eine spielerische Note immer zu diesem Modell. Die umfangreiche Zubehörpalette, die die Marke für den Twingo entwickelt hat, könnte das allerdings etwas ausgleichen.
Reicht diese Reichweite?
Der neue Twingo nutzt dieselbe Plattform wie der Renault 5. Sein vorne eingebauter Elektromotor leistet 60 kW (82 PS) und entwickelt ein maximales Drehmoment von 175 Nm. Das mag wenig erscheinen, doch man sollte bedenken, dass dieses Stadtauto rund 1200 kg wiegt.
Laut Renault beschleunigt der Twingo deshalb in 3,85 Sekunden von 0 auf 50 km/h und erreicht 100 km/h nach 12,1 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 130 km/h.
Um den Preis im Rahmen zu halten, setzt die französische Marke bei der Batterie erstmals auf LFP-Chemie. Die nutzbaren 27,5 kWh ermöglichen mit 16-Zoll-Rädern eine Reichweite von bis zu 263 Kilometern.
Das ist vielleicht kein beeindruckender Wert. Da aber die große Mehrheit der europäischen Kundschaft weniger als 50 km pro Tag zurücklegt, dürfte er kaum zum Problem werden – solange keine Reisen geplant sind.
Dennoch wäre es interessant, wenn das Angebot künftig um eine Version mit 40-kWh-Batterie erweitert würde. Sollte sie ausbleiben, läge es jedenfalls nicht am Platzangebot der Plattform.
Beim Laden unterstützt der Twingo mit Wechselstrom (AC) bis zu 6,6 kW. Damit dauert das Laden von 10 auf 100 % rund 4 Stunden und 15 Minuten; ein Mode-3-Kabel ist enthalten.
Optional erhöht das Advanced Charge Pack, für das noch kein Preis feststeht, die Ladeleistung auf 11 kW mit Wechselstrom und 50 kW mit Gleichstrom (DC). Eine vollständige Ladung dauert damit 2 Stunden und 35 Minuten, das Laden von 10 auf 80 % ist in 30 Minuten möglich.
Der Preis als wichtiger Trumpf
Der Renault Twingo soll Ende des ersten Halbjahres 2026 nach Portugal kommen und einen Basispreis von weniger als 20.000 Euro haben. Das wird einer seiner größten Trümpfe sein.
Wie sich das kleine Stadtauto auf der Straße schlägt, bleibt abzuwarten. Das können wir erst in den ersten Monaten des nächsten Jahres herausfinden, wenn wir es zum ersten Mal fahren.
Nach den Erfahrungen mit dem Renault 5 und 4 können wir ein angenehm zu fahrendes, effizientes Elektroauto mit einem Schuss Fahrspaß erwarten.
Einen wichtigen Unterschied gilt es allerdings zu beachten: Aus Kostengründen verzichtet Renault an der Hinterachse auf das Mehrlenkersystem des R5 und verwendet stattdessen die Verbundlenkerachse des Captur.
Welche Auswirkungen das auf der Straße hat, wissen wir erst nach der Fahrt. Beim Anblick dieses Twingo kann ich vorerst nur eines sagen: Gute Arbeit, Renault!






Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen