Stellantis nimmt sein Vorhaben zurück, in Europa bis 2030 ausschließlich elektrisch zu sein. Auf der Münchner Automobilausstellung 2025 bekräftigte Jean-Philippe Imparato, Europachef des Konzerns, diese Kehrtwende: Die Emissionsziele der Europäischen Union (EU), die das Ende des Verbrennungsmotors bis 2035 vorsehen, seien für keinen Hersteller erreichbar.
Stellantis setzt in Europa auf Vollhybride
Dennoch bleibt die Elektrifizierung eine Priorität des Konzerns, nicht zuletzt wegen der einzuhaltenden Emissionsvorgaben. Stellantis prüft dafür mehrere Lösungen. Eine davon steht besonders im Vordergrund: Vollhybride, die nicht an der Steckdose geladen werden müssen.
Nach dem Volkswagen-Konzern setzt nun auch Stellantis auf diese Technik. Eingesetzt wird sie bereits von den Pionieren Toyota und Honda, aber auch von Renault, Hyundai und Nissan. Stellantis hat den Antrieb sogar schon in der neuen Generation des Jeep Cherokee eingeführt.
Das amerikanische SUV soll zwar nicht nach Europa kommen, für seine Hybridtechnik gilt das jedoch nicht unbedingt. Als Basis dient ein in Europa weithin bekannter und häufig verwendeter Benzinmotor: der 1.6 Turbo, der auch in den Plug-in-Hybriden des Konzerns wie dem Peugeot 3008 zum Einsatz kommt.
Einzelheiten zu dem System für Europa nannte Imparato nicht. Im Cherokee leistet es 210 PS und umfasst zwei Elektromotoren sowie eine Batterie mit 1,08 kWh. Von allen Lösungen, in die Stellantis investiert, werde diese allerdings den größten Aufwand an Zeit und Geld erfordern, erklärte er. Zudem bestätigte Imparato, dass die neuen Hybridmodelle zwischen 2027 und 2028 auf den Markt kommen sollen.
Weitere Antriebsinvestitionen von Stellantis
Die Investitionen beschränken sich nicht auf Vollhybride. Imparato erläuterte die weiteren Antriebspläne, die von Mildhybriden über Elektroautos bis zu Plug-in-Hybriden reichen:
- 48-V-Mildhybride: Die zweite Generation wird entwickelt, eine dritte ist geplant. Sie sollen helfen, die Abhängigkeit von rein elektrischen Fahrzeugen zu verringern.
- Plug-in-Hybride: Stellantis entwickelt Modelle mit größerer Reichweite. Der Peugeot 308 Plug-in-Hybrid gibt beispielsweise bis zu 65 km im Elektrobetrieb an, der Volkswagen Golf hingegen 143 km nach WLTP.
- Elektroautos mit Reichweitenverlängerer: Bisher nutzt nur Leapmotor diese Technik im C10. Jean-Philippe Imparato schließt ihren Einsatz in weiteren Elektroautos von Stellantis jedoch nicht aus.
Hybride gewinnen an Bedeutung
Das erneute Interesse an dieser Technik hat mehrere Gründe: ihren wachsenden kommerziellen Erfolg, ihren Beitrag zur Einhaltung der CO₂-Emissionsziele der EU – auch wegen der geringer als erwarteten Nachfrage nach reinen Elektroautos – und ihre niedrigeren Kosten gegenüber Plug-in-Hybriden. Deren Batterie ist deutlich größer. Der Preisvorteil könnte die Verbreitung der Vollhybride am Markt fördern.
Anders als Elektroautos bieten diese Modelle ein Fahrerlebnis, das dem eines herkömmlichen Verbrenners ähnelt. Außerdem sind sie nicht von einem Ladenetz abhängig, das zwar wächst, aber weiterhin unzureichend und nicht immer zuverlässig ist.
Den europäischen Markt für Vollhybride führt derzeit Toyota an. Der Yaris Cross ist dabei das meistverkaufte Modell: Bis Juli wurden laut Dataforce 111 747 Fahrzeuge abgesetzt.






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