Honda überarbeitet seine Elektrifizierungsstrategie und investiert dafür ausgerechnet in eine Technik, die der Hersteller scheinbar bereits hinter sich gelassen hatte: den Verbrennungsmotor.
Vorgestellt wurden die Pläne beim „Honda Automotive Technology Workshop“. Dort bestätigte die Marke die Entwicklung einer neuen Generation von Hybrid- und Elektrotechnologien, zu der auch eine vollständig neue Familie von Benzinmotoren gehört.
Einer davon ist ein V6 für die größeren SUV und Vans des Herstellers. Solche Modelle finden sich vor allem im nordamerikanischen Angebot von Honda.
Neuer V6-Hybridmotor von Honda
Der neue V6 wird Teil einer neuen Generation des Honda-Vollhybridsystems sein, das ohne Anschluss an eine Steckdose auskommt. Zum Antrieb gehören außerdem drei Elektromotoren – zwei vorne und einer hinten –, die für Allradantrieb sorgen.
Ab 2027 soll das System in künftigen mittelgroßen und großen Modellen der Marke eingesetzt werden. Dazu zählen insbesondere die in Nordamerika verkauften Honda Pilot, Passport, Ridgeline und Odyssey sowie der Acura MDX. Ob der Antrieb auch nach Europa kommt, ist noch offen. Dort besteht das Angebot des japanischen Herstellers überwiegend aus kompakten Modellen.
Für die neuen Hybridfahrzeuge setzt sich Honda ambitionierte Ziele: Die Effizienz soll um 30 % steigen, die Beschleunigung bei Vollgas um 10 % besser ausfallen. Zugleich verspricht der japanische Hersteller ein fesselnderes Fahrerlebnis, ohne die von ihm erwartete traditionelle mechanische Zuverlässigkeit zu vernachlässigen.
Auch die im neuen Honda Prelude eingeführte Technologie S+ Shift wird in den neuen Hybridmodellen zum Einsatz kommen. Sie simuliert Gangwechsel, denn die Hybridfahrzeuge der Marke besitzen kein Getriebe mit mehreren Gängen, sondern eine feste Übersetzung. Beim neuen Antrieb wird diese Simulation mit dem charakteristischen Klang eines V6 kombiniert.
Damit soll sich das Fahrerlebnis stärker an jenem eines reinen Verbrenners orientieren. Funktioniert das? Das Urteil von Miguel Dias dazu gibt es in seinem Test des japanischen Coupés zu sehen – auch zum erneuten Anschauen.
Über Effizienz- und Leistungswerte hinaus scheint die neue Hybridgeneration die emotionale Verbindung zwischen Fahrer und Maschine wiederherstellen zu wollen. Diese Balance ist nicht nur Honda, sondern auch anderen Herstellern von Hybridfahrzeugen entgangen.
Neue Plattform für eine neue Generation
Mit dem Honda V6-Hybridmotor debütiert eine vollständig neue Plattform, die für größere Fahrzeuge entwickelt wurde. Die leichtere, modulare Architektur soll gegenüber der aktuellen Generation bis zu 90 kg einsparen. Ermöglichen sollen das neue Materialien und technische Lösungen.
Zudem wird die Plattform steifer und hinsichtlich der Gewichtsverteilung optimiert. Honda stellt dadurch mehr Stabilität, Komfort und Effizienz in Aussicht. Ausgelegt ist sie sowohl für Hybrid- als auch für Elektroantriebe. Mehr als 60 % der Komponenten werden von verschiedenen Modellen gemeinsam genutzt, was Kosten und Entwicklungszeiten senken soll.
Trotz der höheren Steifigkeit wird sich die Karosserie in Kurven interessanterweise etwas verwinden können. Das soll helfen, das Gewicht auf alle vier Reifen zu verteilen und die Haftung zu erhöhen. Dieser Ansatz ist ungewöhnlich, doch die Marke verspricht deutliche Vorteile für die Fahrdynamik.
Die Plattform führt außerdem elektronische Systeme zur Kontrolle der Fahrzeuglage und zum Bremsen in Kurven ein, darunter das Motion Management System und Pitch Control. Die Technologien gehen auf Hondas Erfahrung in der Robotik zurück und sollen hier ein präziseres, natürlicheres Fahrverhalten ermöglichen.
Strategische Kurskorrektur
Der neue V6-Hybrid und die neue Plattform kommen 2027 erstmals auf den Markt. Ihre Entwicklung fällt in eine Phase, in der Honda seine Elektrifizierungsziele anpasst.
Am Vorhaben, bis 2040 ausschließlich Elektroautos zu verkaufen, hält der Hersteller fest. Das Zwischenziel für 2030 wurde jedoch abgeschwächt: Statt zwei Millionen Elektroautos pro Jahr sind nun Verkäufe von 700.000 bis 750.000 Einheiten vorgesehen.
Angesichts der schwächer wachsenden Nachfrage nach Elektroautos, insbesondere in den USA, will Honda sein Hybridangebot in den kommenden Jahren ausbauen. Neue Vierzylindermotoren mit 1,5 und 2,0 Litern Hubraum für die künftigen Modelle Civic, CR-V und Accord sind bereits bestätigt. Damit festigt Honda seine Strategie, den Verbrennungsmotor bis ins nächste Jahrzehnt als festen Bestandteil des Angebots zu behalten.






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