Ein Flugzeug des brasilianischen Herstellers Embraer steht erneut im Mittelpunkt der politischen Berichterstattung Brasiliens. Diesmal geht es um den bekanntesten Sohn des Staatspräsidenten.
Fábio Luís Lula da Silva, genannt Lulinha, wird vorgeworfen, gemeinsam mit der Lobbyistin Roberta Luchsinger in unzulässige Einflussnahme verwickelt zu sein. Bei ihrer Beziehung soll es sich um einen umfangreichen Austausch von Gefälligkeiten gehandelt haben. Das erklärte die Lobbyistin selbst gegenüber der Presse, insbesondere in einem kürzlich geführten Interview mit CNN Brasil.
Fotos zeigen Lulinha in einer Embraer Praetor 600
Nun übermittelte Luchsinger dem Magazin Veja exklusive Fotos, die am Mittwoch, dem 21. Oktober, veröffentlicht wurden. Auf den Aufnahmen fiel auf, dass die Lobbyistin und Lulinha in einer Praetor 600 zu sehen sind. Der derzeit größte Geschäftsjet von Embraer wird in Gavião Peixoto im Landesinneren des brasilianischen Bundesstaats São Paulo gebaut.
Fábio und Roberta nutzten das Flugzeug für eine Reise ins Landesinnere Finnlands, um die Aurora borealis zu sehen – ein äußerst bekanntes und prachtvolles Naturphänomen. Wem die Maschine gehört, ging aus dem Bericht jedoch nicht hervor. Mehrere Leserinnen und Leser von AEROIN baten deshalb um eine Recherche dazu.
Obwohl der Jet dieselbe Lackierung trägt, handelt es sich weder um das Flugzeug der Bank Bradesco mit dem Kennzeichen PR-BDB noch um dessen kleineren Bruder PS-BBD, eine Praetor 500. Das Design gehört zum eigenen Gestaltungskatalog von Embraer und steht allen Kunden des brasilianischen Herstellers zur Verfügung.
AEROIN identifiziert den Jet von Scanwings
Eine exklusive Recherche von AEROIN ergab, dass die Maschine das Kennzeichen OH-TFC trägt. Sie wurde 2023 für das finnische Lufttaxiunternehmen Scanwings gebaut und ist derzeit dessen größtes eingesetztes Flugzeug. Zur Flotte der Fluggesellschaft gehört auch eine Phenom 300E, ebenfalls von Embraer, die jedoch in den USA gefertigt wurde.
Am 9. Jänner 2025 flog der Jet von Helsinki in Finnland nach Stockholm in Schweden und anschließend weiter nach Rovaniemi im Norden Finnlands. Die Stadt gilt als wichtigster Ort des Landes zur Beobachtung der Aurora borealis und ist auch als Heimatstadt des Weihnachtsmanns bekannt.
Nach der Landung in Rovaniemi flog die Maschine zurück nach Helsinki. Das Datum passt zu Roberta Luchsingers Angaben gegenüber Veja, wonach die Reise Anfang des vergangenen Jahres stattfand. Andere Medien bestätigten, dass der Flug tatsächlich im Jänner 2025 durchgeführt wurde.
Auf dem veröffentlichten Foto sind außerdem Schnee und bedeckter Himmel zu erkennen. Die Aufnahme ist angesichts der Landung in Rovaniemi um 14:40 Uhr Ortszeit mit den Angaben des zeitlich nächstgelegenen Wetterberichts METAR vereinbar: Dieser meldete Bewölkung und eine Außentemperatur von 4 °C; in der Nacht zuvor hatte es geschneit.
Ein zweites Foto zeigt die Lobbyistin und den Sohn von Präsident Lula im Inneren eines Flugzeugs. Dessen Kabine entspricht genau jener der genannten Praetor 600.
Offene Fragen zu Flug und Bezahlung
Bislang ließ sich nicht feststellen, wo die Reisenden an Bord gingen. Da es sich um einen Privatflug handelte, könnte nur das Lufttaxiunternehmen offenlegen, wer die genannten Flüge bezahlt hat, und die Passagierliste öffentlich machen – entweder freiwillig oder aufgrund einer gerichtlichen Entscheidung vor Ort.
Die Maschine war nicht in Brasilien. Das stützt den Hinweis, dass sie lediglich für die Reise in den Norden Finnlands gechartert wurde. Vom Flughafen Rovaniemi gibt es keine kommerziellen Direktflüge nach Stockholm oder Madrid. In die spanische Stadt zog Fábio nach Angaben seines eigenen Anwalts Marco Aurélio de Carvalho im Jahr 2025.
Gegenüber Veja bestritt Marco Aurélio jegliches Fehlverhalten seines Mandanten, des Präsidentensohns. Er versicherte, Lulinhas Reisen seien dank der engen Freundschaft zwischen ihm und der Geschäftsfrau zustande gekommen: „Diese angebliche Strategie, Roberta die Verantwortung zuzuschieben, trifft nicht zu. Das ist Spekulation. Es ist ein schäbiger Versuch, Zwietracht zwischen Freunden zu säen. Derzeit sind wir ebenso wie ihre Verteidigung der Auffassung, dass wir keinen eigentlichen Kriminalfall haben, weil es weder eine Straftat noch eine Amtshandlung gibt. Was hier stattfindet, ist eine Suche ins Blaue nach Beweisen.“






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