Hinter den Kulissen der Autobranche zeichnet sich eine große Veränderung ab.
Stellantis hat für wichtige Modelle eine breite Hinwendung zur PureTech-Familie mit Dreizylinder-Benzinmotoren angekündigt. Damit setzt der Konzern auf eine kompaktere, sparsamere Verbrennerstrategie, während die Elektromobilität durch hohe Kosten unter Druck gerät.
Ein mutiger Technologiewechsel
Der aus PSA und Fiat Chrysler entstandene Konzern setzt im großen Maßstab auf kleine Turbobenziner. Im Mittelpunkt steht dabei PureTech: Die Antriebe sind kompakt, leicht und lassen sich unkompliziert mit Mild- oder Plug-in-Hybridsystemen kombinieren. Stellantis will damit für jeden eingesetzten Betrag den CO₂-Ausstoß senken, verlässliche Reichweiten bieten und in preissensiblen Fahrzeugklassen die Produktion schneller hochfahren als mit reinen Batterieplattformen.
„Stellantis setzt darauf, dass effiziente kleine Benzinmotoren mit intelligenter Elektrifizierung Zeit und Kundentreue gewinnen, bis sich die Batteriekosten einpendeln.“
So funktioniert das PureTech-Konzept
Drei Zylinder, Direkteinspritzung und ein kleiner Turbolader sollen bei PureTech aus jedem Tropfen Kraftstoff mehr Leistung herausholen. Der Motorblock passt in quer eingebaute Motorräume vom Stadtauto bis zum kompakten SUV. Das Leistungsspektrum reicht üblicherweise von alltagstauglichen 100 PS bis zu dynamischeren Varianten mit über 150 PS. Ein 48-Volt-Riemenstartergenerator und ein elektrifiziertes Doppelkupplungsgetriebe lassen sich ohne größere Änderungen an der Karosserie integrieren. Die Entwicklung zielt außerdem darauf ab, den Katalysator schneller auf Betriebstemperatur zu bringen, Ladungswechselverluste zu verringern und die Aufwärmphase zu verkürzen. Das soll die Emissionen beim Kaltstart senken.
- Kleinerer Turbobenziner mit hohem Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen
- Geeignet für 48-Volt-Mildhybrid- und Plug-in-Hybridkonzepte
- Kompakte Bauweise schafft Platz für die Crashstruktur und den Innenraum
- Geringeres Gewicht unterstützt Fahrkomfort, Fahrverhalten und Bremsleistung
- Für aktuelle Euro-Normen ausgelegt, mit Spielraum für spätere Anpassungen
Marktreaktion und die Rolle der Elektromobilität
Anleger betrachten den Kurswechsel als pragmatisch. Zwar wächst die Nachfrage nach Elektroautos weiterhin, doch in vielen Märkten bleibt die Leistbarkeit ein Hindernis. Käuferinnen und Käufer wünschen sich Reichweite, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und zuverlässige Lademöglichkeiten. Für Fuhrparkverantwortliche zählen die gesamten Betriebskosten, nicht die Markenlogos. PureTech soll diese Lücke schließen: mit WLTP-Werten, die steuerliche Einstufungen im Rahmen halten, und einem Praxisverbrauch, der auch auf der Autobahn nicht aus dem Ruder läuft.
„Ein rascher Wechsel zu vertrauter Benzintechnik könnte die Stückzahlen im Preisbereich von 20.000 bis 30.000 Pfund stabilisieren, während Elektroautos der nächsten Generation günstiger, leichter und schneller zu bauen werden.“
Die Konkurrenz beobachtet Großbritannien und die EU genau. Weniger strenge Euro-7-Vorschläge als befürchtet haben den kurzfristigen Anpassungsdruck verringert. Dadurch bleibt Raum für eine weitere Optimierungsrunde bei Verbrennungsmotoren. Gleichzeitig werden die Vorgaben für emissionsfreie Fahrzeuge in Europa weiter verschärft. Stellantis muss daher einen schmalen Grat bewältigen: profitable Verbrennerstückzahlen erhalten und zugleich den Elektroanteil stetig erhöhen.
Was sich für Fahrerinnen und Fahrer ändert
In Großbritannien dürften Käuferinnen und Käufer an kleinen Crossovern und Familien-Kompaktwagen häufiger Mildhybrid-Kennzeichnungen sehen. Bei Probefahrten sollten ein direkterer Antritt aus niedrigen Drehzahlen, sanftere Neustarts und ein leiserer Stadtbetrieb auffallen. Wer lange Strecken fährt, könnte das schnelle Tanken und die stabile Effizienz des Benziners im Winter schätzen. Für Dienstwagennutzer bleiben steuerliche Vorteile bei Plug-in-Hybriden und reinen Elektroautos bestehen. Privatkäufer könnten dagegen den niedrigeren Einstiegspreis von PureTech-Modellen leichter verkraften.
Haltbarkeitsfragen, die nicht verschwinden
PureTech hat eine Vorgeschichte: Frühe Varianten mit im Öl laufendem Zahnriemen erhielten den Ruf, unter ungünstigen Ölbedingungen zu verschleißen. Viele Besitzer berichteten von Geräuschen, Ablagerungen in den Ölkreisläufen und teuren Reparaturen. Stellantis reagierte mit überarbeiteten Riemen, angepassten Ölvorgaben und neuen Wartungsintervallen. Werkstätten erhielten Anweisungen zur Prüfung und zum Austausch. Entscheidend ist nun, ob diese Maßnahmen auch jenseits von rund 161.000 Kilometern halten – bei britischem Stop-and-go-Verkehr, Kurzstrecken und E10-Kraftstoff.
„Die Zuverlässigkeit wird darüber entscheiden, wie PureTech wahrgenommen wird: Halten die überarbeiteten Riemen und Ölvorgaben durch, kehrt das Vertrauen der Käufer zurück; andernfalls flammt die Debatte erneut auf.“
Was vor dem Kauf zu prüfen ist
- Wartungsnachweise für die richtige Ölqualität und fristgerechte Ölwechsel
- Belege für Zahnriemenprüfungen oder -wechsel bei Fahrzeugen mit höherer Laufleistung
- Garantiebedingungen für den Steuertrieb und den Ölpumpenkreislauf
- Software- oder Hardwareaktualisierungen durch Vertragswerkstätten
- Kaltstartverhalten und ruhiger Leerlauf bei einer ausgiebigen Probefahrt
Preise, Steuern und Lieferkette
Durch die Weiterverwendung bewährter Motorenwerke und Werkzeuge kann Stellantis die Listenpreise mit PureTech besser halten. Bei reinen Elektroautos und Plug-in-Hybriden bleiben Batterien der entscheidende Kostenfaktor. Benzinertechnik lässt sich weiterhin günstiger in größerem Umfang produzieren und transportieren. Das ist relevant, solange die Kosten für Lithium, Nickel und Logistik schwanken. Bei der Steuer achten private Käufer in Großbritannien auf die Einstufungen der Kraftfahrzeugsteuer VED und auf ihre Kraftstoffausgaben. PureTech soll den CO₂-Ausstoß niedrig genug halten, um deutliche Steuersprünge zu vermeiden. Fuhrparkentscheidungen orientieren sich am steuerlichen Sachbezug, bei dem reine Elektroautos und viele Plug-in-Hybride weiterhin im Vorteil sind. Stellantis dürfte Flotten daher eher zu Plug-in-Hybriden und Elektroautos lenken, während PureTech im Privatkundengeschäft einen größeren Anteil erhält.
| Antrieb | Ungefähres CO₂ (WLTP) | Effizienz im Betrieb | Typischer Kaufpreis | Wartung |
|---|---|---|---|---|
| PureTech-Benziner mit Mildhybrid | ca. 110–140 g/km | ca. 6,3–5,1 l/100 km, auf der Autobahn stabil | Niedriger als bei Plug-in-Hybrid oder Elektroauto im gleichen Segment | Regelmäßige Wartung; Zahnriemenprüfung entscheidend |
| Plug-in-Hybrid | ca. 20–50 g/km im Labor | Bei täglichem Laden sehr günstig; ohne regelmäßiges Laden durchwachsen | Höher; Förderungen unterscheiden sich je nach Markt | Komplexität durch Verbrennungsmotor und Hochvoltsystem |
| Reines Elektroauto | 0 g/km am Auspuff | ca. 4,8–6,4 km/kWh; abhängig von Wetter und Tempo | Derzeit am höchsten; mit neueren Plattformen sinkend | Weniger Verschleißteile; Reifen- und Bremsenpflege bleibt wichtig |
Folgen für die gesamte Branche
Erreicht Stellantis seine Ziele, gewinnen kleine Turbobenziner mit leichter Elektrifizierung wieder an Dynamik. Das setzt Wettbewerber unter Druck, ihre eigenen Dreizylinderfamilien zu verbessern, Reibungsverluste zu senken und Gewicht einzusparen. Auch für Zulieferer hätte das Folgen: Hersteller von Turboladern, Einspritzspezialisten und Abgasnachbehandlungsfirmen erhielten gleichmäßigere Aufträge. Das würde den Übergang zur Elektromobilität abfedern, statt einen abrupten Bruch zu verursachen.
Die Politik beeinflusst das Ergebnis weiterhin. Umweltzonen begünstigen emissionsarme Fahrzeuge, während die Infrastruktur vielerorts hinterherhinkt. Für Familien ohne Möglichkeit, zu Hause eine Ladestation zu installieren, bleibt der Benziner auf der Auswahlliste. Die Elektrifizierung von Fuhrparks geht aus steuerlichen Gründen weiter. Dieser Markt mit zwei Geschwindigkeiten lässt Stellantis Spielraum für eine Doppelstrategie, ohne den Fokus zu verlieren.
Auf diese Entwicklungen kommt es als Nächstes an
- Unabhängige Haltbarkeitsdaten zu überarbeiteten PureTech-Zahnriemen bei hoher Laufleistung
- Unterschied zwischen WLTP-Verbrauch und realem Verbrauch im gemischten britischen Fahrbetrieb
- Britische Preise für PureTech-Mildhybride gegenüber Elektroautos in der Einstiegsversion
- Aufteilung der europäischen Werkskapazitäten auf Verbrenner, Plug-in-Hybride und Elektroautos
- Mögliche Anpassungen der Euro-7-Abstimmung und deren Auswirkungen auf das Fahrverhalten
Hilfreiche Hintergründe und Begriffe
Ein 48-Volt-Mildhybrid ergänzt den Benzinmotor um einen kompakten Elektromotor und eine kleine Batterie. Das System unterstützt den Motor unter Last, gewinnt beim Bremsen Energie zurück und gestaltet Start-Stopp-Vorgänge sanfter. Längere rein elektrische Fahrten ermöglicht es nicht, senkt aber im Verkehr den Kraftstoffverbrauch und hilft, den Katalysator schneller aufzuwärmen.
Nass laufende Zahnriemen befinden sich im Motor und laufen im Öl. Sie können leise und mit geringer Reibung arbeiten, verlangen aber eine passende Ölzusammensetzung und konsequent eingehaltene Wartungsintervalle. Löst sich Material vom Riemen, können Rückstände die Ölpumpe und Ölkanäle beeinträchtigen. Überarbeitete Materialien und kürzere Wartungspläne sollen das verhindern.
Ein kurzes Kostenbeispiel für den Alltag
Angenommen, der jährliche Arbeitsweg beträgt rund 19.312 Kilometer, davon 70 % auf der Autobahn. Ein PureTech-Mildhybrid mit einem Verbrauch von umgerechnet rund 5,6 l/100 km benötigt ungefähr 1.091 Liter pro Jahr. Bei umgerechnet etwa 1,43 Pfund pro Liter ergeben sich Kraftstoffkosten von rund 1.560 Pfund. Ein Elektroauto mit einem Verbrauch von umgerechnet etwa 5,6 km/kWh bräuchte rund 3.430 kWh. Bei einem Heimladetarif von 0,30 Pfund/kWh lägen die Energiekosten bei etwa 1.029 Pfund. Öffentliches Schnellladen lässt diesen Betrag rasch steigen. Der eigene Tarif, ein Stellplatz mit Ladezugang und das Fahrprofil beeinflussen das Ergebnis stärker als der Prospektwert.
Gebrauchtkauf: eine kurze Prüfliste
- Auf eine vollständige Vertragshändlerhistorie und Rechnungen achten, nicht nur auf ein abgestempeltes Serviceheft
- Nach Prüfvermerken zum Zahnriemen und nach Teilenummern ausgetauschter Komponenten fragen
- Softwareaktualisierungen für Emissionen und Leerlaufqualität prüfen
- Warm- und Kaltstarts sowie eine längere Bergauffahrt testen
- Bei lückenhaften Unterlagen vorsorglich Geld für eine Zahnriemenwartung einplanen






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