Die Mission für Hyundais neuestes und größtes Modell klingt einfach: Es soll die Welt zusammenbringen. Vermutlich alle gemeinsam unter einem einzigen großen Panoramadach. Und zwar unter jenem des Ioniq 9.
So ausdrücklich sagt Hyundai das natürlich nicht. Der Hersteller erklärt lediglich, das riesige SUV mit drei Sitzreihen sei für „die heutigen Konsumenten, die zwar bestens vernetzt sind, sich aber isolierter fühlen als je zuvor“ gebaut. Also bitte einsteigen in den Freundschaftsexpress.
Platz und Komfort im Hyundai Ioniq 9
Platz gibt es reichlich. Hyundai nennt ihn „überlegen“. Je nach Konfiguration finden bis zu sieben Personen Platz – und zwar nicht auf irgendwelchen Sitzen, sondern auf besonders bequemen. Die Ruhesitze in der ersten und zweiten Reihe lassen sich vollständig zurücklehnen und bieten eine Massage, die die Durchblutung anregt.
Sie möchten darüber streiten, wie schlecht der Fahrer fährt? Wer die sechssitzige Variante mit zwei Einzelsitzen in der zweiten Reihe bestellt, kann beide zur dritten Reihe drehen – wohlgemerkt nur im Stand. Das soll eine bessere „Interaktion und Kommunikation zwischen den Passagieren“ ermöglichen. Etwa, um gemeinsam festzustellen, dass man längst hätte angekommen sein müssen.
Antrieb und Fahrwerk des Ioniq 9
Apropos Fahrer: Der sitzt im Ioniq 9 gefühlt in einem eigenen Postleitzahlengebiet und kann aus einer Batterie mit 110,3 kWh nutzbarer Kapazität schöpfen. Das ist ein ordentliches Stück mehr als die 99,8 kWh im verwandten Kia EV9. In dieser Ausführung kombiniert Hyundai den Akku entweder mit einem einzelnen 215-bhp-Heckmotor, umgerechnet rund 218 PS (Long Range RWD), zusätzlich mit einem 94-bhp-Frontmotor, rund 95 PS (Long Range AWD), oder gleich mit zwei Motoren mit jeweils 215 bhp beziehungsweise rund 218 PS an Vorder- und Hinterachse (Performance AWD).
Die letztgenannte Version beschleunigt in nur 5,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Wir müssen daran erinnern, dass ein BMW M3 der Baureihe E46 dafür ungefähr genauso lange brauchte. Die anderen Varianten sind langsamer. Wer das Modell mit einem Motor und Hinterradantrieb wählt, kann laut Hyundai bis zu 620 Kilometer lang zuhören, wie sich die Mitfahrer beschweren, man hätte schon bei der letzten Gelegenheit links abbiegen sollen.
Zu hören sind sie dabei noch deutlicher. Geräuschabsorbierende Reifen schlucken nämlich … Geräusche. Die Konstruktion des Ioniq 9, bei der viel Aluminium zum Einsatz kommt, verringert das tieffrequente „Dröhnen“ auf schlechten Straßen. Hinzu kommen eine aktive Geräuschunterdrückung, schalldämmendes Verbundglas, dreifache Dichtungen und verstärkte A-Säulen. All das soll Geräusche, Vibrationen und Rauigkeit im Innenraum reduzieren.
Weil der Fahrer aber ohnehin in einer anderen Währung bezahlt als die Insassen der zweiten und dritten Reihe, kann er das Fahrwerk mit Niveauregulierung ordentlich nutzen. Ebenso die gezielte Verteilung des Drehmoments und die Traktionskontrolle. Oder er schaltet einfach den automatischen Geländemodus ein: Dabei erfasst eine KI die vorausliegende Straße und passt die Dämpfer entsprechend an.
Wer sich für Plattformen begeistert, dürfte wissen wollen, dass dieser freundliche Koloss auf der E-GMP-Plattform steht. Sie bringt viel fortschrittliche Technik mit, darunter 400/800 Volt und die Möglichkeit, externe Geräte mit Strom zu versorgen (V2L). Die im Boden untergebrachte Batterie ermöglicht zudem einen ebenen Innenraumboden und damit noch mehr – genau! – Platz.
Ausstattung und Design des Hyundai Ioniq 9
Dazu kommt allerlei Spielzeug. Der „reichlich“ vorhandene Stauraum umfasst auch die verschiebbare „Universal Island 2.0“ – buchstäblich eine bewegliche Insel innerhalb einer Insel. Ein gebogenes Panoramadisplay vereint eine digitale Instrumentenanzeige mit 30,5 Zentimetern Diagonale und einen ebenso großen Bildschirm für das Infotainment. Leistungsstarke USB-C-Anschlüsse beziehen ihren Strom aus der Hochvoltbatterie und laden Handys mit bis zu 100 Watt schnell auf.
Außerdem gibt es eine aufwendige Klimatisierung, ein Sterilisationsgerät, eine Stereoanlage mit acht Lautsprechern oder optional eine BOSE-Anlage mit 14 Lautsprechern. Digitale Erweiterungen lassen sich ebenfalls kaufen: etwa Lichtmuster für den Innenraum, die Wiedergabe von Inhalten über Dienste wie Amazon Music und SoundCloud oder sogar unterschiedliche Anzeigen.
Auch an Assistenzsystemen mangelt es nicht. Es sind zu viele, um sie hier alle aufzuzählen, aber dazu gehören Kollisionsvermeidung, Spurhaltung, Überwachung des toten Winkels, Ausstiegswarnung, Geschwindigkeitsbegrenzung, Aufmerksamkeitsüberwachung, Fernlicht- und Parkabstandsassistenten und weitere Funktionen. Soll der Inhalt der ganzen Nachbarschaft in den Ioniq 9 passen? Bei umgeklappter dritter Reihe schluckt er bis zu 1.323 Liter Gepäck. Dazu kommt bei Modellen mit Hinterradantrieb ein vorderer Kofferraum mit 88 Litern; mit zusätzlichem Frontmotor für den Allradantrieb schrumpft er auf 52 Liter.
Markant ist auch die Front. Sie wurde aerodynamisch optimiert und trägt zum Luftwiderstandsbeiwert von nur 0,259 bei. Dazu kommen eine aktive Luftklappe, ein dreidimensional geformter Unterboden, Aerodynamikräder und optional Kameras statt Außenspiegeln. Dank der in die LED-Leuchten integrierten Pixel gibt es vorne außerdem Beleuchtung im Stadionformat.
Statt einer kastenförmigen Seitenansicht zeichnet den Ioniq 9 eine geschwungene Dachlinie aus, die zu einem Heck ausläuft, das Hyundai als „Bootsheck“ bezeichnet. Die Auswahl an Rädern ist groß, ebenso wie deren Durchmesser: bis zu 53,3 Zentimeter beziehungsweise 21 Zoll. Auch bei den Farben gibt es reichlich Auswahl.
Anfang 2025 will Hyundai den Freundschaftsexpress zunächst in den USA und in Korea auf den Markt bringen. Europa und andere Teile der Welt sollen später folgen. Preise wurden noch nicht genannt. Man sollte allerdings bedenken, wie groß das Fahrzeug ist, was es bietet und wie viel von der Welt unter sein Panoramadach passt.






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